Die Dittligmühle hat wieder ein Wasserrad

Längenbühl

Nach rund hundert Jahren dreht sich bei der Dittligmühle wieder ein Wasserrad. Es wird zentraler Bestandteil der Schaumühle sein.

An Ort und Stelle: Das Wasserrad kurz vor der definitiven Montage.<p class='credit'>(Bild: Marc Imboden)</p>

An Ort und Stelle: Das Wasserrad kurz vor der definitiven Montage.

(Bild: Marc Imboden)

In der Dittligmühle wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts Getreide zu Mehl gemahlen. Während früher noch eine Landwirtschaft und eine Bäckerei dazu­gehörten, liegt die Haupttätigkeit der Familie Wenger, die den Betrieb in vierter Generation führt, heute in der Herstellung und im Vertrieb von Standardmehlen und speziellen Backmischungen der Marke Goldkorn mit Rohstoffen aus der Region Gantrisch. Das Vollkornmehl wird immer noch auf Stein gemahlen, aber ansonsten hat die moderne Technik schon lange Einzug gehalten: «Mit der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste das Wasserrad zuerst einer Turbine und später endgültig dem elek­trischen Fortschritt weichen», heisst es auf der Website www.dittligmuehle.ch. «Der nicht mehr benötigte Mühlenbach wurde in der Folge in den Boden verlegt und verschwand für mehrere Jahrzehnte im Untergrund. Damit erloschen auch die Wasserechte und die Konzession der Dittligmühle.»Doch seit gestern hat die Dittligmühle wieder ein Wasserrad. Mit einem Tieflader wurde das Teil aus Utzenstorf nach Längenbühl transportiert. Der Lastwagenkran hievte das Rad an Ort und Stelle, wo es über einem ­Wasserbecken fachgerecht montiert wurde.

Als der Mühlebach vor drei Jahren aus seinem Kanal zurück an die Oberfläche geholt wurde, kamen die Mühlebetreiber auf die Idee, wieder ein richtiges Wasserrad zu installieren. Unterstützung erhielten sie dabei vom Verein Radwerk Landshut, der aus idealistischen Gründen alte Wasser- und Energiequellen als Zeitzeugen wieder instand stellt und der Nachwelt erhält (vgl. Kasten).

Hartholz aus dem Emmental

Das Wasserrad wird allerdings nicht mit Wasser aus dem Mühlebach angetrieben. «Das ist gar nicht mehr erlaubt, da die Gewässer heute weitgehend geschützt sind», erklärt Carmen Bezençon, Besitzerin der Mühle und Tochter von Müller Georges Wenger. Deshalb wurde in Zusammenarbeit mit den Behörden ein bewilligungsfähiges Projekt erstellt. Gebaut wurde das Wasserrad von der HMF Formenbau AG in Utzenstorf aus Emmentaler Eichenholz. «Dieses Hartholz hat den Vorteil, dass es durch den Kontakt mit Wasser Gerbsäure absondert und dadurch konserviert wird», sagte HMF-Geschäftsführer Urs Hab­egger gestern bei der Installation. Doch das Wasserrad ist nicht einfach ein grosser Dekorationsgegenstand, sondern wird über eine separate Wasserleitung angetrieben. Grund: Die Dittligmühle wird bis im Herbst zu einer Schaumühle erweitert. «Der ersten in der Schweiz», wie Georges Wenger betont. «Die Besucher werden sehen, wie heute Mehl hergestellt wird. Aber wir vermitteln ihnen auch, wie es früher lief.» Mit dem Wasserrad werden künftig verschiedene alte, noch vorhandene Komponenten des ursprünglichen Mahlwerks angetrieben und sorgen damit für jene «Mühlenromantik, die einen Besuch zum Erlebnis machen».

Berner Zeitung

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