Fahrni

Ein Urgestein nimmt Abschied

FahrniGemeindepräsident Hans Ulrich Wenger nimmt dieser Tage Abschied von der Gemeindepolitik. Er wirkte in unzähligen Kommissionen und amtete zweimal als Gemeinderat. Zuletzt zehn Jahre als dessen Präsident.

Fahrnis abtretender  Gemeindepräsident Hans Ulrich Wenger will es künftig etwas ruhiger angehen  lassen.

Fahrnis abtretender Gemeindepräsident Hans Ulrich Wenger will es künftig etwas ruhiger angehen lassen. Bild: Stefan Kammermann

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Die letzten Tage im Amt hat sich der scheidende Gemeindepräsident von Fahrni anders vorgestellt. Weil Hans Ulrich Wenger seit kurzem an Krücken geht, findet das Gespräch mit dem Journalisten bei ihm zu Hause im Wintergarten statt. Eine Woche Spitalaufenthalt und eine Operation hat er hinter sich – und eine längere Rekonvaleszenzzeit vor sich.

Der Blick schweift vom Wintergarten auf das Strässchen vor dem Haus. Dort ist er auf eisiger Unterlage ausgerutscht, als er einer Autofahrerin zu Hilfe eilen wollte. «Der Beinbruch wird mich noch etwas beschäftigen», sagt Hans Ulrich Wenger. Er nimmt es gelassen.

Nicht mehr beschäftigen wird Hans Ulrich Wenger indes das Gemeindepräsidium. Zehn Jahre hat er als politisches Oberhaupt die Gemeinde im Osten von Thun geführt. Mit dem Jahreswechsel tritt der gelernte Landwirt und Dachdeckerunternehmer nun zurück. Er will es künftig etwas ruhiger nehmen. Dass ihm nun vorab die Ärzte Ruhe verordnet haben, war aber nicht geplant. «Aber es ist jetzt halt so», meint er und schmunzelt.

Für den Zusammenhalt

«Als Gemeindepräsident war es mir ein Anliegen, das Dorf zusammenzuhalten», betont Wenger. Dies sei nicht immer einfach gewesen. Wenger denkt da etwa an die Fusionsgespräche im Zulgtal, die 2011 letztendlich scheiterten. Die Bürger von Fahrni hatten damals, entgegen dem Antrag des Gemeinderates, zwar einer Fusion zugestimmt, weil sich aber eine Mehrheit der Gemeinden im Zulgtal gegen eine Fusion aussprach, war diese schliesslich bald vom Tisch.

«Die Fusionsabklärungen waren damals sehr intensiv. Ich bin heute überzeugt, dass der Entscheid, auf eine Fusion zu verzichten, richtig war», sagt Wenger heute. Und er ist auch überzeugt, dass kleinere Gemeinden durchaus Zukunftspotenzial haben.

Der scheidende Gemeindepräsident bezeichnet im Gespräch ebenso die Diskussionen rund um das Realisieren des Oberstufenzentrums in Unterlangenegg als besonders intensive Zeit. Nicht zuletzt, weil Fahrni im März 2009 als einzige Gemeinde das erste Bauprojekt abgelehnt hatte und damit in der Region nicht wirklich Lorbeeren ernten konnte.

Ob­wohl er Mitglied der damaligen Arbeitsgruppe war, positionierte sich Hans Ulrich Wenger als einer der Gegner des ersten Projekts. «Nach der intensiven Kritik hatte ich schon das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben», gibt sich ­Wenger selbstkritisch. Und weiter: «Ich bin eben immer zu meiner Meinung gestanden.» Rückblickend sei es letztendlich aber gelungen, ein gutes und gefreutes Projekt zu realisieren.

Wie viele Gemeinderatsgeschäfte in den vergangenen zehn Jahren über seinen Tisch liefen, hat Hans Ulrich Wenger nicht zusammengezählt. Nur so viel: Während seines letzten Amtsjahrs traf sich der Gemeinderat zu 14 Sitzungen und behandelte 140 Traktanden.

Ein Feierabendpolitiker

Der bald 62-jährige Wenger ist auf einem Bauernhof in Fahr­ni aufgewachsen und hat sich mehr als ein halbes Leben für die Gemeindepolitik interessiert. Nach einem Bauernlehrjahr im Welschland trat er bereits im Alter von 18 Jahren der örtlichen SVP bei. 1979 eröffnete er nach der Ausbildung zum Dachdeckermeister sein eigenes Geschäft und war alsbald in verschiedenen Gremien in der Gemeinde wie etwa in der Baukommission tätig.

1991 nahm Wenger erstmals für acht Jahre im Gemeinderat Einsitz. Später wirkte er in der Wehrdienst- und Zivilschutzkommission sowie in verschiedenen Spezialbaukommissionen oder in der Begleitgruppe Zukunft Zulgtal mit. Sein Amt als Gemeindepräsident trat er am 1. Januar 2008 an. Zudem wirkte Wenger 27 Jahre im Vorstand der Feldschützen Fahrni, 13 Jahre als deren Präsident.

Im Jahr 2000 errang er als aktiver Schütze einen Grosserfolg und wurde am Eidgenössischen Schützenfest in Bière mit dem Sturmgewehr 57 Schützenkönig über 300 Meter.

Trotz seinem grossen politischen Engagement in der Gemeinde war eine Karriere im Grossrat oder im Nationalrat kein Thema. «Das wollte ich nie, mir war immer die Gemeinde wichtig», sagt Wenger, der sich selber als Freizeit- und Feierabendpolitiker bezeichnet.

In Zukunft will er das Leben auch ohne ärztliche Verordnung etwas ruhiger angehen und im kommenden Jahr sein Dachdeckergeschäft an den Sohn übergeben. Dann dürfte auch mal Zeit bleiben für eine Kreuzfahrt im Mittelmeer.

Die Nachfolge von Hans Ulrich Wenger als Gemeindepräsident tritt mit dem Jahreswechsel der bisherige Vizepräsident Stephan Althaus an. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.12.2017, 09:40 Uhr

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