Thun

Er setzt auf Stimmungsmacher statt Internetstars

ThunPegasus, Dodo oder Marc Amacher: Programmchef Daniel Schmid verrät im Interview, wieso das OK vom Thunfest in Thun ausschliesslich auf einheimische Kost setzt.

Thunfest-Programmchef Daniel Schmid beim Interviewtermin mit dieser Zeitung auf dem Riesenrad hoch über den Dächern von Thun.

Thunfest-Programmchef Daniel Schmid beim Interviewtermin mit dieser Zeitung auf dem Riesenrad hoch über den Dächern von Thun. Bild: Christoph Gerber

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Für viele Thunerinnen, Thuner und Auswärtige ist das Thunfest jedes Jahr ein Pflichttermin. Es spielt also eigentlich gar keine Rolle, welche Band Sie wann für welche Bühne buchen. Die Leute kommen sowieso . . .

Daniel Schmid: Klar, es wird viele Leute haben, aber ganz so selbstverständlich ist das dann doch nicht. Wir haben halt eine relativ grosse Zone, für die man keinen Eintritt bezahlen muss. Wir ermuntern die Leute darum, uns für diese Zone zumindest mit dem Kauf einer Thunfest-Plakette zu unterstützen. Prominente Headliner helfen dann vor allem, auch die Festbändel zu ver­kaufen.

Sie ersetzten im Thunfest-Vorstand vor bald drei Jahren Ihren Vater Heinz Schmid als Programmchef. Wie gross waren die Fussstapfen, die er hinterliess?
Da ich meinen Vater bereits 2013 und 2015 bei der Arbeit unterstützen durfte, konnte ich Schritt für Schritt in diese Funktion reinwachsen. Es ist wirklich gäbig, wenn man bei Fragen oder Problemen so nah und unkompliziert einen Rat oder eine Zweitmeinung einholen kann.

Druck, es auf Anhieb gleich gut zu machen wie er, verspürten Sie nicht?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Mein Vater stammt aus einer anderen Generation. Ich habe eigene Ideen und konnte damit ­sicher auch neuen Schwung in die Organisation reinbringen. Ein Wechsel von Zeit zu Zeit macht in allen Bereichen Sinn.

Woran merkt man beim Musikprogramm 2018, dass es «Ihr» Programm ist?
Mir ist vor allem wichtig, dass ich nicht einfach auf meinen Musikgeschmack setze. Es soll schliesslich ein Fest für die ganze Region sein. Ich habe darauf geachtet, dass wir Bands dabei haben, die einerseits möglichst weit oben in den Charts stehen und somit auch die Massen anlocken, und anderseits solche, die aus der Region stammen. Dass wir in unserer Umgebung derart viele tolle Musiker haben, macht die Sache natürlich einfacher. Bei den Musikstilen versuchte ich, ein möglichst breites Spektrum abzudecken.

Das Thunfest setzt ausschliesslich auf Schweizer Musik. Wird dies auch künftig der Fall sein?
Ob das immer so bleibt, weiss ich noch nicht. In Stein gemeisselt ist es sicher nicht. Tatsache ist aber, dass es in der Schweiz extrem viel gute Musik gibt.

Andere Konzertveranstalter wie etwa jene des Gurtenfestivals rechtfertigen Ticketpreisaufschläge teilweise mit gestiegenen Gagen. Spüren Sie diesen Druck beim Thunfest auch?
Ja, steigende Gagen sind auch bei uns ein Thema. Es gibt laufend neue Events – sei es in der Region oder im ganzen Land –, und die Erwartungen der Besucher steigen von Jahr zu Jahr. Durch die riesige Konkurrenz steigen für die Veranstalter die Preise für die Bands, aber auch für die Infrastruktur oder für Sicherheit.

Hat der Preisaufschlag am Thunfest (vgl. Kasten «Programm», die Red.) also auch mit dieser Entwicklung zu tun?
Ja, es bleibt uns fast nichts anderes übrig. Dieses Jahr haben wir uns dazu entschieden, die Preise für die Thunfest-Bändel im Vorverkauf unverändert zu lassen, dafür aber an der Abendkasse pro Thunfest-Tag um 5 Franken zu erhöhen.

Wo liegt für Sie beim Preis die Schmerzgrenze, wenn Sie eine Band buchen?
Das kann ich nicht generell sagen. Es ist je nach Band immer ein ­Abwägen, wo diese Grenze liegt. Gewisse Bands ziehen sehr viel Publikum an, was uns ja wieder grosse Einnahmen beschert. Dort sind dann auch höhere Preise gerechtfertigt.

Die sozialen Medien werdenimmer wichtiger. Einige Musiker haben im Internet etliche Follower, andere weniger. Inwiefern beeinflusst das Ihre Auswahl beim Zusammenstellen desProgramms?
Auf die Anzahl Follower schaue ich nicht. Es liegt ja auf der Hand, dass eine Band, die viele Fans hat, auch automatisch über viele Follower verfügt. Wichtiger ist mir, wie sich eine Band gibt, dass sie eine gute Bühnenpräsenz hat und das Publikum mitreissen kann. Das bringt mehr, als wenn wir zum Beispiel irgendeinen Youtube-Star buchen würden, der online zwar vielleicht schon eine Million Male angeklickt wurde, am Fest dann aber keine Stimmung machen würde.

Sie sind nicht nur am Thunfest für die Musik verantwortlich, sondern unter anderem auch am neuen Event Freestyle Roots. Gibt es Bands, die Sie sehr wohl für den einen, aber nicht für denanderen Anlass engagierenwürden?
Die Musikrichtung ergibt sich schon zu einem guten Teil aus der Art des Anlasses. Am Freestyle Roots würde ein Singer-Songwriter, der gemütliche Songs spielt, sicher weniger passen als auf einer Nebenbühne am Thunfest. Handkehrum darf es an einer Skateshow am Freestyle Roots auch mal eine Punkrockgruppe sein, die bei einer breiten Masse am Thunfest wohl kaum ankäme.

Welche Band würden Sie gerne unbedingt einmal ans Thunfest holen?
Das ist eine gute Frage (überlegt lange). Einen einzelnen Namen kann ich aber nicht nennen. Es gäbe auf jeden Fall noch einige tolle Musiker, die wir gerne mal bei uns begrüssen würden. Mein Ziel ist und bleibt, jedes Jahr möglichst jene Bands zu engagieren, die aktuell und bekannt sind, die im Optimalfall kürzlich ein neues Album veröffentlicht haben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.08.2018, 11:42 Uhr

Zur Person:

Daniel Schmid aus Hilterfingen ist im Oktober 2015 vom Verein Thunfest zum Gesamtverantwortlichen für das Musikprogramm und damit zum Nachfolger seines Vaters Heinz Schmid gewählt worden. Inzwischen ist Schmid zusätzlich auch in den Ressorts Marketing und Kommunikation tätig. Von Beruf ist Schmid Schreiner.
Das Engagement des 29-Jährigen erschöpft sich jedoch nicht mit dem Thunfest: So war er 2016 und 2017 Programmchef bei «Thun hat Talent» und ist auch beim Rocket Air und dem neuen Event Freestyle Roots im Oktober 2018 für das Musik­

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