Erlesene Trauermusik mit Pauken und Trompeten

Thun

Der Cäcilienchor Thun sang Mozarts Requiem und Händels «Funeral Anthem for Queen Caroline». Eine brillante Aufführung.

Der Cäcilienchor in der voll besetzten Thuner Stadtkirche. Foto: Patric Spahni

Der Cäcilienchor in der voll besetzten Thuner Stadtkirche. Foto: Patric Spahni

Eine ausverkaufte Stadtkirche zeugte am Samstagabend davon, dass der traditionsreiche Cäcilienchor als Spezialist für Oratorien eine feste Konzertgrösse in Thun darstellt. Zusammen mit dem Barockorchester Allegria Musicale aus Biel und den Solistinnen und Solisten Daniela Eaton-Freiburghaus (Sopran), Amanda Schweri (Alt), Martin Hostettler (Tenor) und Martin Weidmann (Bass) erklangen das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart und Georg Friedrich Händels «Funeral Anthem for Queen Caroline». Bei rund 80 Singenden hatten die Herren – nur rund ein Drittel des Chores – alle Kehlen voll zu tun, um Tenor- und Bassstimmen zu liefern, was sie mit Bravour meisterten. 

Ein musikalisches Denkmal

In Schwarz gekleidet mit petrolfarbenen Partituren machte der Cäcilienchor schon optisch beim Händel-Werk eine gute Figur. Die Beerdigungshymne wurde nach dem Tod von Wilhelmina Charlotte Caroline von Brandenburg-Ansbach (1683–1737) in Auftrag gegeben. Die selbstbewusste Königin und Gattin von Georg II. war eine grosse Gönnerin von Händel, der ihr ein musikalisches Denkmal setzte. Ein Darmdurchbruch hatte die Monarchin dahingerafft. Getragen und düster sang der Chor «Ihre Leiber sind begraben in Frieden» und vollendete freudig feiernd «Aber ihr Name lebt für immer».

Weiter heisst es: «Das Volk wird erzählen von ihrer Weisheit, und die Versammlung wird ihr Lob verkünden.» Grosse Worte zur Abdankung für eine Frau mit steiler Karriere. Nach dem Pockentod des Vaters lebte sie mit Mutter und Bruder in ärmlichen Verhältnissen. Erst die zweite Heirat der Mutter mit dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV., der zwei Jahre später ebenfalls den Pocken erlag, sicherte ihr Einkommen und später eine glänzende Heirat mit Georg II. 

Nach dem ersten Teil des Konzerts traute sich das Publikum in der Stadtkirche nicht zu applaudieren, vermutlich um die feierliche Atmosphäre nicht kaputt zu klatschen. 

Mozarts Requiem birgt manch haarsträubende Geschichte. Der Meister erlebte die Vollendung des Werkes nicht mehr. Ein hitziges Frieselfieber hatte ihn befallen, heute eventuell als Streptokokkeninfektion erkannt. Es war wohl Franz Xaver Süssmayr, Mozarts Schüler, der das Werk vollendete und dabei Mozarts Schrift so nachzuahmen wusste, dass seitdem Mozart-Spezialisten über die Echtheit und den wahren Schöpfer streiten. Auftraggeber soll ein wunderlicher Adliger namens Graf Walsegg-Stuppach gewesen sein, der Fremdkompositionen als seine eigenen auszugeben pflegte. Wie auch immer, Mozart-Gattin Constanze drang darauf, die Urheberschaft zu verschleiern, um den zweiten Teil des Honorars nicht zu gefährden.

Chor in Höchstform

Das Werk in d-Moll geizt weder mit Pauken und Trompeten noch mit bombastischen Chorpassagen und drastischer Sprache. Beim «Hostias» lief der Cäcilienchor zu Höchstform auf: «Lass sie, o Herr, vom Tode hinübergelangen zum Leben...!» Die Brillanz dieser Aufführung komplettierten die Solistinnen und Solisten und das Barockorchester Allegria Musicale mit Virtuosität. Nach langem Beifall stolperte eine Dame beim Hinausgehen im Seitengang und stellte fest: «Huch, ich bin noch ganz in Trance.»

Das Konzert wird am 17. November, 17 Uhr, in der Dorfkirche Spiez nochmals aufgeführt.  Tickets: www.caecilienchor-thun.ch.

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