Grosse Trauer nach dem Tod von Pädu Anliker

Thun

Der Tod von Beat «Pädu» Anliker löst in der breiten Bevölkerung grosse Bestürzung aus. Wegbegleiter zeigen sich nach der traurigen Nachricht tief betroffen.

Reaktionen zum Tod von Pädu Anliker: Philippe Cornu, ehemaliger Besitzer der ZIG ZAG Records in Thun und Programmchef des Gurtenfestivals; Philipp Fankhauser, Thuner Bluesmusiker; Christoph Fankhauser, Geschäftsführer der Mühle Hunziken in Rubigen und Roman Gimmel, Gemeinderat Bildung Sport Kultur Thun. Video: Florine Schönmann

«Ich bin voller Trauer», sagt Pedro Lenz. Der Schriftsteller aus Langenthal war als Laudator bei der Verleihung des Thunpreises an Pädu Anliker vorgesehen. Die Veranstaltung findet trotz des unerwarteten Todes Anlikers in Absprache und auf Wunsch der Angehörigen statt. «Es wird eine Trauerfeier werden», sagt Lenz bereits jetzt. Es wird ihm schwerfallen, zu sprechen.

Lenz, der in jungen Jahren zahlreiche Konzerte im Mokka besucht hat, verbindet mit dem langjährigen Mokka-Betreiber eine ­lockere Freundschaft. «Ich kann behaupten, dass wir uns sehr gemocht haben.» Anliker habe er als sehr beharrlich, zielorientiert und begeisterungsfähig erlebt – gerade auch im Zusammenhang mit den Jugendlichen.

«Ich kann be­haupten, dass wir uns sehr gemocht haben.»Pedro Lenz, Schriftsteller

«Er hatte eine Mission. Er wollte sie erziehen, ihnen einen Weg zeigen.» Er selber habe Pädu Anliker als einen unvergleichbaren Gastgeber erlebt, sagt Lenz. «Er war bemüht, dass man sich als Künstler von der ersten Sekunde an wohlfühlte», so Lenz.

«Manchmal ist er mir wie eine italienische Mamma vorgekommen.» Die Verdienste Anlikers könne er unmöglich in Worte fassen, führt Lenz aus. «Er hat unglaublich viel für die Stadt, nein, die ganze Region getan.»

Hellgrünes Mokka

«Meine frühesten Erinnerungen ans Mokka sind grün. Genau genommen hellgrün. Es war Mitte der 80er-Jahre, und wenn ich es mir genau überlege, dann war ich wohl dabei, als alles begann. In diesem Moment war mir natürlich nicht bewusst, dass überhaupt etwas begann. Es war auf dem Waisenhausplatz, auf der hinteren Seite gegen die Aare. Wir strichen einen Raum des alten Waisenhauses – nach meiner Erinnerung eben hellgrün – und das wurde dann die Bar des Mokka.»

Diese Zeilen verfasst der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) zum 25-Jahr-Jubiläum der Café-Bar Mokka. «Ich würde es heute noch einmal genau so schreiben», sagte Lanz am Mittwoch, als bekannt wurde, dass die Mokka-Institution Anliker verstorben ist. «Ich bin einfach nur sprachlos, unendlich traurig», sagte er weiter.

«Die Dauer und vor allem das Herzblut seines Engagements sind sehr aussergewöhnlich.»Raphael Lanz, Stadtpräsident von Thun

Bei den Vorbereitungen für die Thunpreis-Verleihung habe er ein sehr interessantes Gespräch mit Anliker führen dürfen, sagt Lanz. «Die Dauer und vor allem das Herzblut seines Engagements sind sehr aussergewöhnlich.» Pädu Anliker sei unglaublich verbunden gewesen mit der Stadt. «Das hat man gespürt.»

Pädu, das «Mami»

«Es ist absolut surreal.» Das war die Reaktion von Philipp Fankhauser auf Anlikers Tod. Der Thuner Bluesmusiker fand sich am Mittwoch zusammen mit dem Konzertveranstalter und Gründer des Thuner Plattenladens Zig-Zag im Mokka ein – für ein Interview, und um Pädu Anliker die Ehre zu erweisen.

«Jetzt, wo ich hier stehe, ist es sehr real», sagte Fankhauser. Anliker sei wie eine Art «Clubmutter» gewesen: «Ich sage bewusst ‹Mutter›, nicht ‹Vater›. Er war extrem fürsorglich, kümmerte sich um die Leute, ihre Schicksale berührten ihn. Er war sehr hilfsbereit, aber auch tough, liess sich nicht breitschlagen.» Pädu Anliker habe für seine Überzeugung gelebt, bis ganz zum Schluss.

«Er war sehr hilfsbereit, aber auch tough, liess sich nicht breitschlagen.»Philipp Fankhauser, Thuner Bluesmusiker

Für Philippe Cornu kam die Nachricht «so unerwartet, dass ich es gar nicht richtig fassen konnte». Je mehr er darüber nachgedacht habe, desto mehr habe es ihn «ghudlet»: «Wir haben eine so lange Geschichte. Wir haben fast gleichzeitig angefangen – ich mit dem Zig-Zag, er mit dem Mokka. Wir haben so viel ­zusammen erlebt.»

Dass es keine Möglichkeit gegeben habe, sich zu verabschieden, mache die Situation beinahe unerträglich. «Pädu war das Mami», sagt auch Cornu. «Das Mami des Publikums, zu dem er gut schaute, das Mami der Künstler, denen er auch mal morgens um 2 Uhr ein wunderbares Znacht gekocht hat.» Dieser Geist habe das Mokka geprägt.

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Viele Reaktionen

Die traurige Nachricht verbreitete sich am Mittwochmorgen im Internet wie ein Lauffeuer. Auf den ­sozialen Medien trauerten Hunderte, sendeten «Pädu» einen letzten Gruss.

Patent Ochsner schrieben beispielsweise auf ihrer Website: «Ein trauriger Tag», Greis postete auf Facebook: «MC Anliker for ever. Musik isch scheisse ohne Dich», und Open Season twitterten: «R.I.P. MC Anliker. Mach, dass der Himmel bunter wird». Auch im Mokka trafen sich zahlreiche Personen – Angestellte und Clubbesucher. Einige brachten Blumen mit. Wie tief der Schock sass, war ihnen ­allen anzusehen.

Thuner Tagblatt

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