Im Banne des Weinbergs

Thun

Mit dem Läset im Thuner Rebberg ging für Thierry Hess ein erstes Highlight in seinem Abschlussjahr in der Ausbildung zum Weintechnologen über die Bühne.

Thierry Hess im Thuner Weinberg bei der Lese. Video: Martin Burkhalter
Marco Zysset@zyssetli

Die Wolken hängen bedrohlich tief und grau, während das sechzehnköpfige Team der Weinkellerei Riem, Daepp&Co. aus Kiesen die Trauben im Thuner Rebberg schneidet, in Kisten packt und verlädt. Die Devise ist klar: Alles muss vor dem Regen ins Trockene. «Unter Druck fühle ich mich nicht», sagt Thierry Hess.

«Wenn wir alle unsere Büez sauber machen, dann reicht das schon.» Nein, aus der Ruhe bringen lässt sich der 21-Jährige nicht. Konzentriert schneidet er Traube um Traube vom Rebstock, legt sie sorgfältig in die Kiste, damit ein Kollege sie dann auf die Motorraupe laden und hoch zum Kleinlaster transportieren kann, welcher das edle Gut in die Kellerei nach Kiesen bringt.

«Willkommener Ausgleich»

«Ich mag die Arbeit im Rebberg», sagt Hess, der sich nach abgeschlossener Kochlehre zum Weintechnologen ausbilden lässt und im kommenden Frühsommer seine Abschlussprüfung ablegt (siehe Kasten), «sie ist ein willkommener Ausgleich zur Arbeit in der Weinkellerei.»

Auch wenn es «nur» fünf bis sechs Tage waren, die er seit Ende Juni im malerisch gelegenen Rebberg hoch über dem Thunersee verbracht hat, und auch wenn diese Tage meist mit knochenharter Arbeit verbunden waren, sagt er: «Ich chrampfe an einem schön heissen Tag lieber hier, als dass ich unter Tag im Keller nichts vom Prachtwetter draussen habe.» Zu diesem «Chrampf» gehört unter anderem das Mähen des Grases im steilen Rebberg, aber auch das Beschneiden der Reben oder das Herausschneiden von Laub.

Und manchmal, «aber wirklich nur manchmal», gebe es Momente der Ruhe im Rebberg, in denen «durchaus der Wunsch nach einem schattigen Bänklein und einem feinen Glas Wein aufkommt».

80 bis 909 Oechslegrad

Nun, die Zeichen, dass der Thuner mit Jahrgang 2015 eben so ein feiner werden dürfte wie der 2014er, stehen gut. «Wir messen zwischen 80 und 90 Oechslegrad», sagt Hess. «Das sind ideale Voraussetzungen für einen sehr guten Wein.» Dass die Trauben so süss sind, verdanken die Winzer in Thun ebenso wie ihre Kollegen rund um den See dem sonnigen und trockenen Sommer sowie dem Regen, der in den letzten Wochen eben doch noch genügend Feuchtigkeit gespendet hat.

Auf die Frage, welchen Wein er selber denn gerne trinke, outet sich Hess als Weisswein-Liebhaber. «Wenn ich mich auf einen Wein festlegen sollte, den ich heute Abend öffnen möchte, dann auf eine Flasche La Biche», sagt er, «ein Cuvée aus dem Wallis mit den Traubensorten Heida, Amigne, Sylvaner und Chasselas; leicht restsüss und damit ideal für einen Apéro nach einem strengen Tag.»

Die Schule wartet

Doch Zeit zum Apérölen nach einem strengen Arbeitstag bleibt dem 21-Jährigen derzeit kaum. Im November geht es in den nächsten Schulblock. «Ich muss noch zulegen», hatte Hess schon zum Auftakt der Artikelreihe gesagt.

«Ich habe angefangen, den Stoff des letzten Jahres zu repetieren, damit ich dann bereit bin, wenn es wieder losgeht», sagt er – und wendet sich wieder dem Rebstock zu. Denn die Wolken hängen immer noch tief und grau; konzentriertes Arbeiten ist weiter gefragt, damit der Thuner mit Jahrgang 2015 dann wirklich ein guter Jahrgang wird.

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Thuner Tagblatt

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