«Jede Stimme im Chor zählt!»

Hünibach

Sie stammt aus einer Musikerfamilie, ihre Passion ist das Singen: Klar, dass die Amerikanerin Phoebe Fuller Spichiger auch in ihrer Schweizer Wahlheimat Hünibach musikalisch tätig sein wollte. Sie gründete das Chorprojekt «Sing in Thun».

Singen ist ihre Leidenschaft: Phoebe Fuller dirigiert während einer Probe den Wine-Women-and-Song-Chor.

Singen ist ihre Leidenschaft: Phoebe Fuller dirigiert während einer Probe den Wine-Women-and-Song-Chor.

(Bild: Janine Zürcher)

«In meiner Familie haben wir früher abends zusammen Geschirr gespült und dabei gesungen», sagt Phoebe Fuller Spichiger. «Heute räumt einer alleine die Spülmaschine ein. Das ist doch traurig.» Das Gemeinschaftsgefühl und die Energie, die sie aus dem allabendlichen Singen mit ihren Eltern mitgenommen hat, möchte die in Hünibach lebende Amerikanerin erhalten. Deshalb hat sie 2015 das Chorprojekt «Sing in Thun» ins Leben gerufen, angelehnt an den englischen Ausdruck «sing in tune», richtig singen.

Heute sind 88 Frauen am Projekt beteiligt. Dass bei Fuller nur Frauen singen, hat einen Grund: «Ich möchte ihnen die Chance geben, ihr volles Potenzial zu entfalten, sie im Frausein bestärken», erklärt die passionierte Musikerin mit Masterabschluss in Vocal Performance. «Es geht darum, Teil eines grossen Ganzen zu sein. Jede Stimme im Chor zählt!» In Fullers Chören treffen verschiedene Nationen aufeinander, die Proben finden ausschliesslich auf Englisch statt.

Das schätzt Marlene Knuchel, die in Fullers Wine-Women-and-Song-Chor singt, besonders: «So übe ich jede ­Woche englische Konversation. Ausserdem habe ich im Chor tolle Frauen aus unterschiedlichen Nationen getroffen.» Ihre Kollegin Sonja Hofstettler stimmt zu: «Es macht einfach Freude, mit den Frauen hier zu singen.»

Vier Chöre für jedes Alter

«Ich dachte: Frauen gehen morgens zum Yoga oder Einkaufen. Warum nicht auch in einen Chor?», erzählt Fuller. Sie habe ein paar Freundinnen von der Idee erzählt und sie an einem Dienstagmorgen zu sich nach Hause zum Singen eingeladen; schon waren die Morning Glories geboren. Bald darauf entstanden auch Little Mix für Mädchen von der zweiten bis zur sechsten Klasse und Frappuccinas, wo junge Frauen zwischen 13 und 20 zusammen singen. Bei Wine Women and Song sind Frauen ab 21 dabei, alle Chöre treffen sich wöchentlich und üben bekannte englische Songs. Alle sechs Monate gibt es ein Konzert, danach kann sich jede Sängerin jeweils entscheiden, ob sie weiter mitsingen möchte oder nicht.

Eine musikalische Familie

Die Begeisterung für Musik wurde Phoebe Fuller in die Wiege gelegt. Ihr Vater spielte Trompete und dirigierte, ihre Mutter spielte Klavier und liebte jede Art von Musik. Als Kind erbte Fuller die Klarinette ihres Onkels, sie spielte das Instrument 12 Jahre. Auch das Klavier beherrscht sie. Ihre Liebe galt und gilt jedoch dem Singen. «Ich habe schon immer eine spirituelle Verbindung zur Musik gefühlt», sagt sie. 2002 zog Fuller mit ihrem Schweizer Mann Daniel Spichiger, der selber länger in Chicago gelebt hatte, zurück in seine Heimat.

Sie, die in den USA zahlreiche Chöre geleitet und in dem mit Grammy ausgezeichneten Chor des Chicagoer Symphonieorchesters gesungen hatte und zudem als Profi in Musicals und Jazzensembles aufgetreten war, brauchte hier eine neue Aufgabe. Für kurze Zeit unterrichtete sie an der Riversound-Musikschule in Thun. Heute singt Phoebe Fuller im Jazztrio Phoebe and the Christmas Boys.

Mit ihrem Mann, selber passionierter Musiker, en­gagiert sie sich ausserdem in der Second Line Big Band um den Interlakner Rolf Häsler. Auch zu zweit hat das Ehepaar bereits einige Projekte realisiert, zum Beispiel die jazzige Weihnachts-CD «The Coming of Light», auf der auch ihre drei Kinder mitwirken.

Es überrascht nicht, dass diese ebenso musikalisch aktiv sind wie ihre Eltern. Der 19-jährige Liam trat letztes Jahr als Singer-Songwriter am Thunfest auf (wir berichteten). Unter den Fittichen von TJ Gyger, Mitinhaber der H2U-Studios in Thun, produziert der angehende Kaufmann sein erstes Album. Am 3. Juni darf er mit seinen Songs DJ Bobos Mystorial Tour in der Postfinance-Arena in Bern eröffnen.

David, der bald seine Lehre im Detailhandel beginnt, spielt Schlagzeug. Viertklässlerin Bodine spielt Klavier und Blockflöte und singt im Little-Mix-Chor. Im ­Oktober nimmt Fuller mit allen interessierten Chormitgliedern am Schweizerischen Chorwettbewerb in Aarau teil. Gewinnen sei nicht das Ziel, betont sie: «Ich möchte mit meinem Projekt weiterhin die Freude am Gesang fördern, und ich glaube daran, dass man gemeinsam viel erreichen kann.»

Thuner Tagblatt

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