Steffisburg

Neue Ideen für die «grüne Mitte»

SteffisburgMit einer gewissen Narrenfreiheit feilen Studierende der Berner Fachhochschule derzeit an Ideen für die städtebauliche Entwicklung von Steffisburg. Im Fokus der Arbeiten steht unter anderem eine Eigenheit der Gemeinde: die «grüne Mitte».

Studenten pröbeln mit Steffisburg.
Video: Gabriel Berger

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Fernab vom Objekt des Interesses brüten derzeit rund 200 junge Menschen über einer möglichen Zukunft von Steffisburg. Es sind Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Architektur an der Berner Fachhochschule (BFH) in Burgdorf, die sich im laufenden Semester in diversen Ateliers Gedanken machen, was, wo und wie etwas verändert werden könnte. Hintergrund ist die bevorstehende Revision der Steffisburger Ortsplanung (vgl. auch Kasten).

«Wir haben den Anspruch an uns selbst, immer auch aktuelle ‹Fälle› in die Ausbildung einzubeziehen», sagt der Fachbereichsleiter Architektur an der BFH, Urs Heimberg. So seien in Projekten mit Studierenden etwa auch schon Ideen entwickelt worden, wie Lücken in der Stadt Biel «gefüllt» oder Langenthal verdichtet werden könnte.

Der Kontakt zur Gemeinde Steffisburg besteht seit rund einem Jahr. Als Scharnier zwischen BFH und Gemeinde fungiert Dencity, der Kompetenzbereich für urbane Entwicklung und Mobilität bei der BFH. «Unsere Absolventen geniessen bei diesen Semesterarbeiten natürlich eine gewisse Narrenfreiheit», gesteht Urs Heimberg. Will heissen: Die Studierenden sollen – ausgehend von aktuellen Herausforderungen der Steffisburger Ortsplanung – unkonventionelle Lösungen erarbeiten und dabei auch die eine oder andere Utopie schaffen.

«Wir wählen  bei den Arbeiten bewusst eine andere Flughöhe als die Gemeinde oder die Steffisburger Bevölkerung.»Robert Braissant, Professor für Architektur und Städtebau

«Wir wählen bei den Arbeiten bewusst eine andere Flughöhe als die Gemeinde oder die Steffisburger Bevölkerung», sagt auch Robert Braissant, Professor für Architektur und Städtebau, der die Absolventen, die sich im letzten Semester befinden, begleitet.

Zwei Gesichter der Bernstrasse

Je nach Semester arbeiten die Studierenden in unterschiedlichen Ateliers. Ein Begriff taucht an der BFH im Zusammenhang mit Steffisburg aber immer wieder auf: die «grüne Mitte». Dabei handelt es sich um die grosse dreieckige Fläche, die von den Achsen Bernstrasse, Zulgstrasse und Unterdorf-/Glockenthal-/Thunstrasse gebildet wird. «Der Raum dazwischen ist mehrheitlich grün und wird als Landwirtschaftsland genutzt. Die ‹grüne Mitte› ist ein Steffisburg-spezifisches Phänomen», hält Urs Heimberg fest.

Weder Braissant noch Heimberg plädieren dafür, die «grüne Mitte» aufzuheben oder gar zu überbauen. «Vielmehr geht es darum, die Ränder dieser Fläche besser ‹abzuschliessen› und clevere Querverbindungen, etwa für den Langsamverkehr, zu schaffen», sagt Robert Braissant. Er kann sich zum Beispiel eine «urban ge­staltete Bernstrasse» und eine «ländlich geprägtere Thunstrasse» vorstellen.

Im Atelier Architektur & Areal nehmen die Studierenden unter anderem den nördlichen Teil der Bernstrasse genauer unter die Lupe. So hat eine Gruppe im sechsten Semester eruiert, dass die Strasse «einen eher indus­triell geprägten, gesichtslosen Teil und einen idyllischeren, ländlicheren Teil zerschneidet», wie Studentin Noëmi Gaudy erklärt.

Potenzial für eine mögliche Lösung hat die Gruppe vor allem beim Mühlebach ausgemacht. «Wir haben die Bedeutung des Bachs und dessen Verbindung zum historischen Dorfkern mit Bauten entlang des Bachlaufs gestärkt. So könnte man auch den ländlich geprägten Teil rund ums Burgerheim auf die andere Seite der Bernstrasse transportieren», sagt Gaudy.

Wohin gehts städtebaulich?

In einem anderen Atelier hat der Viertsemestrige Daniel Tanev den Wohnungsbau untersucht. «Weil sie mehr und mehr mit Thun zusammenwächst, hat die Gemeinde Steffisburg ein Identitätsproblem. Die Frage, die sich für uns daraus ergeben hat, ist: ‹Will man die zwei ­Gemeinden städtebaulich verstärkt trennen oder noch mehr zusammenfliessen lassen?›»

Auch Tanev hält keine Patentlösung bereit, «da es sehr von der persönlichen Haltung abhängt, wohin man sich orientiert». Er plädiert jedoch in Sachen Wohnungsbau für einen fliessenden Übergang vom urbanen Thun zum eher ländlich geprägten Steffisburg.

«Weil sie mehr und mehr mit Thun zusammenwächst, hat die Gemeinde Steffisburg ein Identitätsproblem.»Daniel Tanev, Student BFH im vierten Semester

Die Studenten im zweiten Semester haben sich derweil damit auseinandergesetzt, was in und an der Zulg alles möglich ist. Dass die Naturgefahren am Fluss hierzu ausgeblendet werden mussten, ist den Studierenden und den Lehrpersonen der BFH durchaus bewusst.

Student Liridon Nika beispielsweise hat beim Standort der heutigen Halfpipe gegenüber dem Schulhaus Au ein L-förmiges, zweistöckiges Gebäude für einen Jugendtreff entworfen. «Die jugendliche Atmosphäre in diesem Gebiet hat mich zu dieser Idee inspiriert», sagt Nika. Noch ­mutiger war jene Gruppe, die am Standort der heutigen Oberstufenschule Zulg eine grosse Anlage mit einem integrierten Hallenbad konzipiert hat.

Kontakte bleiben bestehen

Das laufende Semester an der BFH und damit auch die Atelierarbeiten zum Thema Steffisburg neigen sich bereits wieder dem Ende zu. Die Zusammenarbeit der Gemeinde mit Dencity wird im Rahmen der Ortsplanungsrevision jedoch vorerst weiterlaufen. «Es ist gut denkbar, dass wir unser Know-how zu einem späteren Zeitpunkt bei Teilprojekten wieder zur Verfügung stellen», blickt Urs Heimberg voraus.

Angesprochen auf die «Herausforderung» Steffisburg, meint der Fachbereichsleiter Architektur bei der BFH: «Es ist ein sehr interessanter und spannender Ort an der Stadt-Land-Grenze. Seine Entwicklung steht teilweise exemplarisch für viele Gemeinden im Kanton Bern.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 14.06.2017, 06:21 Uhr

Hintergrund

Die Semesterarbeiten der Studierenden an der BFH in Burgdorf (vgl. Haupttext) stehen im Zusammenhang mit der anstehenden Ortsplanungsrevision in Steffisburg. Anfang Jahr hatte der Grosse Gemeinderat für die Revision knapp 1 Million Franken bewilligt.

Im Februar führte der Ge­meinderat in einem sogenannten Inputraum eine erste Umfrage durch, um zu spüren, welche Fragen der Bevölkerung unter den Nägeln brennen. Dabei gingen auf der Gemeinde rund 130 Rückmeldungen von Privaten, Parteien und Leisten ein. Im Sommer soll ein Dialograum zur Raumentwicklung folgen.

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