Von schwimmenden Seniorinnen und umstrittenen Humanisten

Filme, die einmal im Monat Aktuelles und engagierte Menschen ins Zentrum stellen: Mit diesem Konzept trifft das Seniorenkino Cinedolcevita in Thun und in Kinosälen in der Schweiz den Geschmack des Publikums.

<b>Zeitlose Filmperlen im Seniorenkino:</b> In «Trockenschwimmen» holen Ältere nach, was sie längst wollten.

Zeitlose Filmperlen im Seniorenkino: In «Trockenschwimmen» holen Ältere nach, was sie längst wollten. Bild: zvg

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Als die Bielerin Eva Furrer-Haller ihr Herzprojekt Cinedolcevita nach Biel und Bern im Jahr 2008 auch in Thun lancierte, wusste sie nicht, ob das Seniorenkino in der Kyburgstadt gefragt sein würde.

«Doch sofort konnten wir mit den ausgewählten Filmperlen regelmässig zwischen 80 und 100 Leute ins Kino locken», sagt die Initiantin, mittlerweile pensioniert und oft auf Reisen, erfreut.

Heute wird Cinedolcevita in 14 Sälen in der Schweiz angeboten, und Eva Furrer sorgt nur noch in einigen Städten für die Programmierung. «Mein Ziel, Menschen über die Filmwelt zu verbinden und den Austausch zu ermöglichen, ist ­geglückt – natürlich mithilfe der Kinoverantwortlichen.»

In Thun organisiert die Kino Thun AG alles drumherum und zeigt die Filme jeden dritten Dienstag um 14.15 Uhr im Rex. Die neue Saison des Senioren­kinos startet am 23. Januar mit «No te mueras sin decirme adónde vas» (vgl. Kasten).

«Seit dem Wechsel vom City ins Rex im Jahr 2016 legten die Eintrittszahlen kontinuierlich zu – heute sind es rund 30 Prozent mehr», sagt Mediensprecher Jörg Weidmann erfreut. «Wir haben deshalb letztes Jahr vom Saal 3 mit 186 Plätzen in den Saal 2 mit 225 Plätzen gewechselt.»

Der meistgeschaute Film war 2017 die mit 290 Eintritten ausverkaufte 10-Jahr-Jubiläumsvorstellung «El Secreto de sus Ojos.» Durchschnittlich seien jeweils rund 140 Leute im Saal. «Der ­allmonatliche Cinedolcevita-Termin ist zu einem Fixpunkt für viele Pensionierte und etliche ­Berufstätige geworden – das spricht für die Qualität der Film­auswahl.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.01.2018, 14:05 Uhr

Von Argentinien über Frankreich, Chile und bis in die Schweiz

Das Seniorenkino startet in Thun am 23. Januar ins nächste Filmhalbjahr. Einmal pro Monat zeigen Cinedolcevita und die Kino Thun AG – in der Regel am dritten Dienstag – im Kino Rex um 14.15 Uhr eine zeitlose Film­perle für Jung und Alt.

Das Programm:


  • 23. Januar, «No te mueras sin decirme adónde vas» («Stirb nicht, ohne mir zu sagen, wohin du gehst»): Der Film (1995, OV/d/f, 130 Min.) bringt ein menschliches Verlangen zum Ausdruck: Die Geliebte will wissen, wohin sich der Geliebte nach dem Tod begibt.

  • 20. Februar, «Trockenschwimmen»: Der Dokumentarfilm (2016, D, 80 Min.) erzählt von aktiven Seniorinnen und Senioren, die in einer Leipziger Schwimmhalle trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch schwimmen lernen wollen.


  • 20. März, «Rosalie Blum»: ­Julien Rappeneaus Komödie (2015, F/d, 95 Min.) handelt von Vincent, der sein Leben in- und auswendig kennt... jedenfalls meint er dies. Es ist ein einfaches und ruhiges Leben – bis zu jenem Herbsttag, als er im Quartierladen Rosalie trifft, die im irritierend vertraut vorkommt.


  • 17. April, «I, Daniel Blake»: Ken Loachs (2016, E/d/f, 100 Min.) Filmperle erzählt vom ­59-jährigen Daniel Blake in Newcastle. Nach einem Herz­infarkt ist er erstmals auf staat­liche Hilfe ­angewiesen. Während er die Formalitäten zu bewältigen versucht, trifft er Katie und ihre beiden Kinder. Gemeinsam kämpfen Daniel und Katie nun gegen die Fallstricke der ­Bürokratie.


  • 15. Mai, «Surire»: Der Do­kumentarfilm (2015, OV/d, 80 Min.) stellt den Salzsee Surire im Norden Chiles auf 4300 Metern über Meer in den Fokus. Die ­Bilder zeigen die zahlreichen Veränderungen auf der Erde, das Verschwinden indigener Kulturen und die unberührte Natur, die bald verloren sein wird. Denn in dieser Gegend – ein Unesco-Biosphärenreservat – wird Borax abgebaut.


  • 12. Juni, «Pestalozzis Berg»: Peter von Gunten (1989, D, 119 Min.) porträtiert den bekannten Pädagogen und Humanisten Heinrich Pestalozzi, der mit seinem Versuch scheitert, verwaisten Kindern ein neues Zuhause zu geben. Pestalozzi wird als verschrobenen Fantast und Weltverbesserer verschrieen, und die Behörden versagen ihm jegliche Unterstützung. Zu schaffen macht ihm auch die Trennung von seiner Frau.



www.cinedolcevita.ch

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