Wacker Thun: Erst mit Mühe, dann mit Souveränität

Die Ausgangslage passt. Wacker Thun steht nach dem Hinspiel der 2. Runde des EHF-Cups und einem 27:22-Erfolg gegen die SG Westwien mit einem Bein in der nächsten Runde.

Lenny Rubin (Wacker Thun) in arger Bedrängnis.

Lenny Rubin (Wacker Thun) in arger Bedrängnis. Bild: EXPA Pictures

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum Schluss, als die 60 Minuten um und der 27:22-Erfolg in trockenen Tüchern waren, durften sie mit dem frühen Samstagabend doch noch zufrieden sein. Martin Rubin, Trainer von Wacker Thun, ist in der Pause laut geworden und auch Reto Friedli machte seinem Missmut über das 13:13 nach der ersten Halbzeit unmissverständlich Luft.

«Wir haben miserabel gedeckt. Das hat mich frustriert und ich bin in der Pause ausgeflippt. Dafür aber habe ich mich beim Team auch entschuldigt», so der Kreisläufer. Dabei war das Resultat – Lenny Rubin traf vier Sekunden vor der Sirene zum Ausgleich – nach den ersten 30 Minuten noch mit das Beste, was Wacker in einem südlichen Vorort von Wien auf der Habenseite hatte verbuchen können. Die Thuner traten defensiv mit zu vielen Lücken und fehlender Aggressivität und im Abschluss zu wenig abgeklärt auf, was Friedli so zusammenfasste: «Wir waren einfach nicht parat.» Parat und hoch motiviert waren dagegen die Gastgeber. Spielerisch im Vergleich mit den von Verletzungssorgen geplagten Berner Oberländern limitiert, machte Westwien vieles mit Einsatz wett. Wacker bekundete mit der offensiven Verteidigung der körperlich unterlegenen Wiener lange Mühe. Die Österreicher wechselten beim Einsatz von zwei Thuner Kreisläufern von der 3-2-1-Grundordnung das System in ein 4-2.

Erst mit der erstmaligen Gäste-Führung nach rund 38 Minuten änderte sich das Bild. Wacker bekam Spiel und Gegner in den Griff und bei den Österreichern schwand der Glaube daran, gegen das bessere Team doch bestehen zu können. «Unser Spiel hat endlich funktioniert. Wir haben versucht Räume zu schaffen, damit Rubin und Suter mit Tempo im Halbfeld das Spiel zwei gegen zwei machen können. Damit haben wir den Nachteil der offensiven Deckung der Wiener immer wieder ausnützen können», erklärte Friedli die taktische Anpassung des eigenen Spiels.

Den Grundstein zur Steigerung aber haben die Thuner durch die verbesserte Deckungsarbeit in Halbzeit zwei gelegt. Das belegen die nur noch neun Gegentore im zweiten Abschnitt. Wacker ist es trotz fehlender Leistungsträger nach anfänglichen Probleme gelungen, den Schalter rechtzeitig umzulegen und einen letztlich ungefährdeten Sieg zu fixieren. Auch das ist eine Qualität. Neben den starken Werfern Lenny Rubin (10 Tore) und Nicolas Suter (7) verdiente sich Torhüter Marc Winkler eine gute Note. Mit 12 Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter war der Goalie massgeblich am Erfolg beteiligt. Für die anfängliche Mühe im Spiel machte Trainer Martin Rubin die knappe Vorbereitungszeit auf die ungewohnte – in der Schweizer Liga von Pfadi Winterthur praktizierte – Abwehrarbeit des Gegners mitverantwortlich. «Wir haben uns nach dem Meisterschaftsspiel vom Mittwoch erst am Freitagabend in Wien wirklich mit dem Gegner beschäftigen können. Das hat die Aufgabe nicht einfacher gemacht.» In den Spielen gegen Suhr (Mittwoch), welches oft mit dem 5-1-System verteidigt, und dem Rückspiel gegen Westwien (Samstag) werden es die Thuner erneut mit offensiven Verteidigungen zu tun bekommen.

Rubin: «So gesehen hat das am Ende gepasst. Und für das Wiedersehen am Samstag bin ich sehr zuversichtlich.» Apropos Wiedersehen: mit dem österreichischen Nationalspieler Sebastian Frimmel, dem am Samstag besten Torschützen Westwiens, wird es noch öfters zu Begegnungen kommen. Der Sohn des Trainers wechselt auf die kommende Saison hin zu den Kadetten Schaffhausen.

Matchtelegramm

SG Westwien - Wacker Thun 22:27 (13:13)
BSFZ Südstadt. – 300 Zuschauer. – SR: Geraets/Geeraets. – Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Westwien, 3mal 2 Minuten gegen Wacker.

Westwien: Kaiper; Ragnarsson (2), Jelinek (3), Frimmel (5), Hajdu (1), Kristjnsson (5), Führer (3); Jovanovic (1), Pratschner, Schffleitner (1), Seitz (1).

Wacker Thun: Winkler; Lanz (3), Rubin (10/1), Huwyler (1), Suter (7/2), Govanelli (1), Krainer (1); Caspar (2), Friedli (2), Glatthard.

Bemerkungen: Wacker ohne von Deschwanden, Dähler, Linder und Raemy (alle verletzt). –– Pfosten-/Lattenschüsse: 1:3. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.10.2017, 21:20 Uhr

Artikel zum Thema

Wacker Thun: Kein Erbarmen mit der alten Liebe

Wacker schlägt GC Amicitia Zürich 30:22. Regisseur Nicolas Suter trifft gegen seinen früheren Verein achtmal. Mehr...

Werbung für den Handball

Das zweite Derby der Saison zwischen dem BSV Bern Muri und Wacker Thun hat mit einem 31:31-Remis geendet. Der Ausgleich für die Thuner fiel erst in den Schlusssekunden. Wacker übernahm dadurch die Leaderposition in der Nationalliga A. Mehr...

BSV Bern Muri knöpft Wacker Thun ersten Punkt ab

Wacker Thun gibt im Derby bei BSV Bern Muri erstmals in dieser Saison einen Punkt ab (31:31), übernimmt aber trotzdem von Pfadi Winterthur die Tabellenführung. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Als im Casino der Nationalrat tagte
Kompletter Irrsinn!

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Der Boden ist Lava: Eine Frau schaut Kindern zu wie sie auf beleuchteten Kreisen in einem Shoppincenter in Peking spielen. (22. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...