Wie Thun Militärhauptstadt wurde

Am 17. August 1818 fällte die eidgenössische Tagsatzung den Entscheid, in Thun eine «Zentral-Militärschule» zu ­errichten. In den letzten 200 Jahren entwickelte sie sich zum grössten Waffenplatz der Schweiz.

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Für viele, vorwiegend männliche Schweizer, ist Thun wegen ihrer Zeit im Militär ein Begriff. Oft ist zu hören: «In Thun war ich im Militär.» Die Entscheidung, in Thun eine «Zentral-Militärschule» zu errichten, fällte die eidgenössische Tagsatzung vor 200 Jahren am 17. August 1818.

Zurück zur alten Ordnung

Um zu verstehen, warum diese Entscheidung von so grosser Bedeutung war, lohnt es sich, die ­damalige Zeit und die damaligen Umstände genauer zu betrachten. Die Gründung des Thuner Waffenplatzes fiel in die Zeit der sogenannten Restauration. Nach der blutigen Französischen Revolution besann man sich wieder auf alte Staatsideale, in denen man den Staat als gottgewollte Ordnung ansah, welcher sich jeder Einzelne unterzuordnen hatte.

Diese Ordnung sollte wiederhergestellt werden. Die Schweiz hatte sich als Staatenbund, bestehend aus den einzelnen Kantonen, zusammengefunden und wurde am Wiener Kongress von 1815 mit ihren grösstenteils bis heute bestehenden Grenzen anerkannt.

Militärisch ungenügend

In vielen Geschichtsbüchern wird der Staatenbund als loses Konstrukt beschrieben und oft mit einer Traube verglichen, bei der zwar alle Früchte an einer Rispe hangen, aber für sich geschlossen eine Einheit bilden.

Entsprechend diesem Bild waren die 22 Kantone, die in diesem Staatenbund zusammengefasst waren, immer noch sehr eigenständig und individuell organisiert. Dies zeigte sich auch bei der militärischen Organisation und Ausrüstung, die sich von Kanton zu Kanton teilweise deutlich unterschied, was etwa dazu führte, dass verschiedene Munitionsarten verwendet wurden, was im Kriegsfall zu erheblichen Problemen führen konnte.

Ein starkes Heer

Der Staatenbund wurde von der Tagsatzung, einer Versammlung bestehend aus den Abgesandten der 22 Kantone, regiert. Jeder Kanton hatte bei Abstimmungen eine Stimme. Nach den Napoleonischen Kriegen in Europa und vor allem der Besetzung der Alten Eidgenossenschaft durch Frankreich wurden sich die Mitglieder der Tagsatzung bewusst, dass die Schweiz auf ein starkes und vor allem gut ausgebildetes Heer angewiesen sei, um solchen Überfällen in Zukunft entgegentreten zu können.

Die eidgenössische 33'000 Mann starke Armee setzte sich damals aus Kontingenten aus den verschiedenen Kantonen zusammen, deren Anführer künftig einheitlich an einem Standort ausgebildet werden sollten.

Idealstandort Thun

Durch die Kanderkorrektion zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Thuner Allmend zu einem vielfältig nutzbaren Gebiet geworden. Zuvor wurde sie regelmässig durch die Kander, die unterhalb des Thunersees in die Aare floss, überschwemmt. Mit einem Durchstich wurde der Fluss in Einigen in den See geleitet.

Dieser Umstand und die Tatsache, dass es in der Stadt Thun bereits Infrastruktur zur Unterbringung von Truppen gab, machten Thun zu einem idealen Standort. Nach dem Entscheid der Tagsatzung zur Errichtung der «Eidgenössischen Zentral-Militärschule» dauerte es nicht einmal mehr ein Jahr, bis diese am 1. August 1819 feierlich eröffnet wurde. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 16.08.2018, 20:13 Uhr

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