Abflug, wenn der Falke kommt!

Thun

Die Schwäbispromenade ist zwar noch keine krähenfreie Zone. Doch die Tiere wissen, dass ein neuer Sheriff in der Stadt ist.

Einer von Ulrich Lüthis Falken, die in Thun die Krähen vergrämen sollen.

Einer von Ulrich Lüthis Falken, die in Thun die Krähen vergrämen sollen.

(Bild: Christoph Gerber)

Seit drei Wochen kämpft die Stadt Thun mit einem Sondereinsatzkommando gegen die Krähenpopulation: Ulrich Lüthi aus Kriechenwil bei Laupen sucht mit seinen Falken zweimal pro Woche die Hotspots in der Kyburgstadt auf. Zuoberst auf seiner Liste steht die Schwäbispromenade mit ihren riesigen Platanen. Seit Jahren beschweren sich die Anwohner und Passanten bei der Stadt über den Lärm und die verkoteten Sitzbänke.

Schreie und Bewegung

Die Falken sollen die Krähen nicht töten, sondern durch ihre blosse Präsenz vertreiben. Das passiert einerseits durch schrille Schreie, andererseits durch die Bewegung der Raubvögel. Dazu verbindet Ulrich Lüthi sein Tier mittels einer Leine mit einem Wasserkanister, der so leicht ist, dass der Falke ihn hinter sich herziehen kann, aber zu schwer, als dass der Falke richtig abheben könnte.

Dass Krähen die intelligentesten Vögel sind, haben sie einmal mehr bewiesen. «Von Anwohnern im Schwäbis habe ich gehört, dass die Krähen wegfliegen, sobald der Falkner in seinem Auto vorfährt», sagte Gemeinderat Konrad Hädener (CVP, Vorsteher der Direktion Bau und Liegenschaften) auf Anfrage. «Aber sie kommen jeweils wieder zurück, sobald sie die Gefahr als gebannt erachten.»

Die Aktion ist damit aber noch lange nicht ­gescheitert, denn es war nie die Rede davon, dass sich das Problem mit einem halben Dutzend Besuchen des Falkners lösen liesse. Als zweite Massnahme werden baumpflegerische Massnahmen ergriffen. «In der zweiten Hälfte des Novembers werden die Bäume geschnitten und die leer stehenden Nester der letzten Brutphase entfernt», führte Hädener aus. Wichtig sei, möglichst keine geeigneten Astgabeln stehen zu lassen, um den Krähen den Nestbau zu erschweren.

Mit dem Schneiden der Bäume wird die dritte Anti-Krähen-Massnahme in Angriff genommen: Attrappen von Uhus werden in die Bäume gehängt, da ­diese Nachtraubvögel zu den natürlichen Feinden der Krähen ­gehören.

Auch anderswo ein Problem

«Ziel der drei Massnahmen ist nicht primär das sofortige Vertreiben der Vögel, sondern zu verhindern, dass sie Mitte Februar zu nisten beginnen und sich in der Stadt fortpflanzen», so Konrad Hädener weiter. Die Platanen in der Schwäbispromenade sind indes nicht die einzigen Krähenhotspots in Thun. Ein anderer ­befindet sich in der kleinen öffentlichen Parkanlage bei der Kreuzung Frutigenstrasse/In­nere Ringstrasse/Seefeldstrasse.

«Hier habe ich kürzlich etliche Krähen beobachtet», sagte Hädener, der selber im Seefeldquartier wohnt. «Auf dem Weg zum Bahnhof muss man im Frühjahr achtgeben, nicht von ihren Hinter­lassenschaften getroffen zu werden.» Hier werden dieselben Massnahmen ergriffen wie an der Schwäbispromenade, was auch für den dritten Hotspot gilt, einen grossen Baum an der Henri-Dunant-Strasse.

Freiflug wäre ein Risiko

Anwohner wollen gesehen haben, dass frei fliegende Falken Jagd auf die Krähen machen. «Das kann – wenn überhaupt – nicht unser Falke sein», widerspricht Konrad Hädener. «Wenn ein Falke einen anderen Vogel in der Luft zu fassen bekommt, fliegt er mit seiner Beute zu Boden. Er könnte also überfahren werden. Ein Falkner würde seine Vögel niemals einem solchen Risiko aussetzen.»

Thuner Tagblatt

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