Abschied vom einstigen Kommandanten

Thun

Daniel Hürzeler (1955–2019) war 28 Jahre bei der Thuner Feuerwehr. Ein persönlicher Nachruf von Peter Siegenthaler.

Daniel Hürzeler auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2016.

Daniel Hürzeler auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2016.

(Bild: Patric Spahni)

«Googeln Sie dann lieber nicht nach der Lila-Krankheit», haben die Ärzte der Lebenspartnerin, Marianne Haslebacher, gesagt. Sie tat es trotzdem, und es war danach auch ihr klar, was die Herren Professoren sagten: «Ja, Herr Hürzeler, Sie werden daran sterben.» Klar und eindeutig. So wollte es Daniel auch haben. Kein «Darumherumlabbern». Einfach die Wahrheit, so schwer sie auch sein mag.

Als ich ihn 10 Tage vor seinem Tod besuchte, da kam mir wieder der Max-Frisch-Satz in den Sinn: Der liebe Gott kann doch einen Menschen nicht so leiden lassen! Doch, dies ist nun unsere Einsicht, der liebe Gott lässt Menschen so leiden, genau so.

«Weisst du», sagte er mir bei diesem Besuch, «ich muss fast mehr meine engsten Angehörigen trösten als umgekehrt. Meine Lebenspartnerin, welche jeden Tag bei mir ist, meine beiden Kinder, für die es sehr schwer ist, dies alles mit anzusehen und zu ertragen. Ich habe aber im privaten Bereich alles geregelt, es soll ihnen gut gehen, wenn ich nicht mehr da bin.» Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn diese drei Personen von einem liebevollen Papa, einem hilfsbereiten und tollen Freund sprechen. Trotz seiner Ecken und Kanten.

Einsatz für Mitarbeitende

Die Krankheit begann vor rund anderthalb Jahren. Er verlor an Kraft und Leistungsfähigkeit, genau jetzt, wo doch die schöne Aussicht da war, kein Arbeitgeber mehr sein zu müssen, nicht mehr auf Hochtouren zu laufen, um in der Garage Hürzeler an der Allmendstrasse seinen Mitarbeitenden eine Arbeitsstelle bieten zu können. Mitarbeitende, die ihm sehr wichtig waren und es auch wesentlich ermöglicht haben, dass er sich auch ausserhalb des Berufes stark engagieren konnte.

Nach der Aufgabe der Geschäftstätigkeit Ende 2017 hat er für alle, die wollten, eine Anschlusslösung gefunden. Auch dank einer sehr fairen Verhandlungspartnerin.

Odyssee durch Spitäler

Anstatt seinen geliebten Hobbys, Fischen und Velofahren, nachgehen zu können, begann dann eine richtige Odyssee durch Spitäler und Rehakliniken. Alles ohne den erhofften Erfolg und vor allem auch ohne das genaue Wissen der Ursache dieser äusserst seltenen Erkrankung.

Unsere primäre Verbindung war die Feuerwehr. 28 Jahre war er Mitglied. In dieser Zeit hat er 2000 Einsätze und unzählige Übungen und Rapporte besucht und geführt. Er war während insgesamt 9 Jahren als Kommandant des Löschzuges und als Oberkommandant der Feuerwehr in sehr verantwortungsvoller Position tätig. Höhepunkt unserer Zusammenarbeit war der Thunpreis, den ich ihm im Namen des Gemeinderates in seiner Funktion als Kommandant des Löschzuges 2007 überreichen durfte.

Er wollte keine Beerdigung und kein Grab. Die Angehörigen haben es so gemacht. Seine Spuren hat Daniel Hürzeler anderswo hinterlassen.

Der Autor ist Gemeinderat (SP) der Stadt Thun und Vorsteher der Abteilung Sicherheit und Soziales.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt