Thun

Als Dampfschiffe hier noch halten konnten

ThunNur noch alte Fotografien erinnern an die Schiffländte beim Hotel-Restaurant Freienhof in Thun. Denn seit 1904 gehört sie der Vergangenheit an.

Bis 1904 legten die Dampfschiffe beim Hotel-Restaurant Freienhof an.

Bis 1904 legten die Dampfschiffe beim Hotel-Restaurant Freienhof an. Bild: Franziska Streun

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Es war im Dezember des Jahres 1903, als eine unerfreuliche Mitteilung des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartements die Direktion der Dampfschiff-Gesellschaft Thuner- und Brienzersee erreichte. Der Gesellschaft wurde untersagt, die Schiffsanlegestelle beim Hotel-Restaurant Freienhof, die ­sogenannte Freienhofländte oder Ländte Thun-Stadt, ab 1904 weiterhin anzusteuern und zu betreiben.

Für die Dampfschiff-Gesellschaft wog der Verlust dieser zentralen Ländte insofern nicht allzu schwer, als damals die Schiffsstation Scherzligen oder Thun-See von viel grösserer Bedeutung war. In Scherzligen stiegen viele Passagiere, welche Thun mit der Eisenbahn erreichten, auf die Dampfschiffe des Thunersees um.

Anders präsentierte sich die Situation für die Stadt Thun. Ihr ging die sehr zentral gelegene Landungsstelle verloren, die sowohl vom Bälliz als auch von der Hauptgasse her problemlos in wenigen Schritten erreicht werden konnte. Immerhin stand den Thunerinnen und Thunern nach wie vor die Ländte in Scherzligen zur Verfügung, und Gäste aus den Hotels wie Thunerhof, Bellevue und Du Parc konnten die Schiffe an der Hofstettenländte besteigen.

Die Anlegestelle galt als ­riskant und unfallträchtig

Was waren die Argumente, welche vom eidgenössischen Departement für die Aufhebung der Freienhofländte ins Feld geführt wurden? Die Experten erachteten das Anlegen der Schiffe bei hohem und reissendem Wasserstand und bei geöffneten Schleusen als riskant und sehr unfallträchtig. Bei einer Kollision eines Dampfers (beispielsweise wegen Ausfall der Dampf­maschine) mit den Schleusen ­sahen die Gutachter schlimmste Folgen für die Passagiere des Schiffs, aber auch für die Schleusen selbst voraus, waren doch die Schleusen damals wie heute wichtiges Instrument für einen geordneten Abfluss der Aare.

In der Tat waren bei der oberen Aareschleuse immer wieder schlimme Unglücksfälle zu verzeichnen. So verunglückte im Mai 1904 ein mit rund 500 Zentnern Grien beladenes Schiff, das bei der Oberen Schleuse aus Sicherheitsgründen von Schiffern an einer Leine gehalten wurde. Doch die Leine riss, und das Schiff trieb Richtung Schleuse, wo es zerschellte.

Wiedererwägungsgesuch nützte nichts

Für den Thuner Gemeinderat war die Aufhebung der Freienhofländte starker Tobak, zumal er sich gemeinsam mit dem damaligen Verkehrsverein immer wieder dafür eingesetzt hatte, dass mehr Schiffskurse und möglichst zu allen Jahreszeiten zum Freienhof fahren durften. So erstaunt es nicht, dass der Thuner Gemeinderat ein Wiedererwägungsgesuch zwecks Sistierung der Aufhebung der Freienhofländte an das zuständige eidgenössische Departement richtete – allerdings erfolglos.

Die Antwort des Departements auf den gemeinderätlichen Rückkommensantrag und auf ein Initiativbegehren des Verkehrsvereins sowie auf einen weiteren diesbezüglichen Vorstoss im Jahr 1906 fiel in jederlei Hinsicht ernüchternd aus: das Departement liess sich nicht erweichen. Thun blieb nichts anderes übrig, als bezüglich der Verfügung zu resignieren und die definitive Aufhebung der Freienhofländte zu akzeptieren. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 09.11.2018, 09:36 Uhr

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