Altes Tunnelprojekt wird wieder aktuell

Bei der Revision der Ortsplanung kommt eine alte Idee neu auf den Tisch: Der Hübelitunnel, der 1987 aus der Verkehrsplanung fiel, wird neu geprüft. Der Tunnel würde das rechte Seeufer besser erschliessen.

Blick vom neuen Bypasskreisel auf der Stockhornstrasse Richtung Thun: Über diese freie Fläche in der Günzenen würde die Zufahrtsstrasse zum Hübelitunnel führen. Damit liesse sich das Nadelöhr Burgstrasse/Lauitor grossräumig umfahren.

Blick vom neuen Bypasskreisel auf der Stockhornstrasse Richtung Thun: Über diese freie Fläche in der Günzenen würde die Zufahrtsstrasse zum Hübelitunnel führen. Damit liesse sich das Nadelöhr Burgstrasse/Lauitor grossräumig umfahren.

(Bild: Patric Spahni)

Die Burgstrasse mit dem Lauitorkreisel ist schon seit Jahren ein Nadelöhr im städtischen Verkehrsnetz. Zu den Stosszeiten und am Wochenende staut sich der Verkehr manchmal kilometerlang Richtung Hilterfingen und Oberhofen. Aber auch jene, die vom Berntor Richtung Seegemeinden fahren wollen, kommen oft nur im Schritttempo vorwärts.

Mit dem Einbahnregime in der Thuner Innenstadt, das 2018 mit der Eröffnung des Bypasses Thun-Nord eingeführt wird, wird sich die Situation auf der Burgstrasse noch verschärfen. Denn die Fahrtrichtung vom Lauitor Richtung Bahnhof wird dann gesperrt sein. Wer dorthinwill, muss künftig über Burgstrasse und Berntorkreisel fahren.

Erfahrungen aus dem Bypass Thun-Nord berücksichtigen

Um diese Situation langfristig zu verbessern, greift das Thuner Planungsamt eine alte Idee des Kantons auf. Der Hübelitunnel, der 1987 in der Schublade versenkt wurde (vgl. unten stehenden Text), wird im Rahmen der Revision der Ortsplanung wieder diskutiert.

«Wir haben die Idee ins Teilprojekt Mobilität und Verkehr aufgenommen», sagt Gemeinderätin Marianne Dumermuth (SP) auf Anfrage dieser Zeitung. Der Gedanke dabei sei, die Thuner Innenstadt auch nach der Inbetriebnahme des Bypasses Nord weiter vom Durchgangs­verkehr zu entlasten.

Zudem könnte mit dem Tunnel zwischen dem Gebiet Günzenen-Stockhornstrasse und der Hofstettenstrasse das rechte Seeufer besser erschlossen werden. «Zuerst werden wir nun aber schauen, welche Auswirkungen der Bypass Nord auf die Verkehrsflüsse hat», betont Dumermuth. Zudem werde die Variante Hübelitunnel auch im Rahmen des Gesamt­verkehrskonzepts angeschaut.

Dumermuth: «Das ist ein Generationenprojekt»

Bei der Ortsplanung gehe es primär einmal darum, eine allfällige Routenführung sicherzustellen. Dies wird auch vom Kanton so verlangt. Wie diese im Detail aussehen soll, sei noch nicht klar. Die Möglichkeiten sind angesichts der örtlichen Verhältnisse jedoch an einer Hand abzuzählen.

Rot eingezeichnet: mögliche Linienführungen für den Hübelitunnel. Ein früheres Projekt sah einen Tunnel von der Günzenen bis zum Thunerhof (1) vor. Denkbar wäre auch ein Tunnel bis zum Chartreusewald (2). Grafik: BOM

Für ein Tunnelportal auf Thuner Seite kommt beispielsweise der heutige Parkplatz gegenüber des Thunerhofs infrage. Dieses Areal war bereits beim früheren Projekt aus den Siebzigerjahren vorgesehen. Denkbar wären dafür auch das Casino-Areal, das ebenfalls in Stadtbesitz ist, oder der Chartreusewald auf Hilterfinger Boden. Das Nordportal käme im Gebiet Günzenen unterhalb des Spitalkreisels auf Steffisburger Boden zu liegen.

Für Dumermuth ist klar, dass es sich beim Hübelitunnel um ein Generationenprojekt handelt. «Eine Realisierung wird auch eine Frage der Finanzierbarkeit sein», ist sich Dumermuth bewusst. Im Moment wäre ein solches Projekt angesichts der beschränkten Kantonsfinanzen nicht realistisch.

In der Ortsplanung nicht mehr weiterverfolgt wird hingegen ei­ne allfällige Aarequerung Süd im Bereich des Aarebeckens. In den Neunzigerjahren wurden noch Tunnelvarianten von der Hofstettenstrasse Richtung Frutigenstrasse diskutiert. Für Dumermuth ist indes klar: «Da wäre ein Hübelitunnel sicher sinnvoller.»

Steffisburg: «Für uns kein zentrales Thema»

Die Gemeinde Steffisburg, über deren Gebiet die Anbindung an den neuen Bypasskreisel auf der Stockhornstrasse führen würde, steht der Idee eines Hübelitunnels zurückhaltend oder gar ablehnend gegenüber. «Für unsere Gemeinde ist die überraschende Thuner Idee sicher kein zentrales Thema», hält Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP) fest.

Da die Linienführung aber auch über Steffisburger Boden geht, werde man das im Rahmen der an­laufenden Ortsplanungsrevision anschauen und eine Antwort ­dazu abgeben. Gegenwärtig ist das Land in der Günzenen als Landschaftsschutzgebiet und als Fruchtfolgefläche für die landwirtschaftliche Nutzung ausgeschieden.

«Ein Strassenbau in diesem Gebiet wäre eine klare ­Zäsur im Landschaftsbild», findet Marti. Die Projektierung ei­nes Hübelitunnels würde laut Marti «sicher eine grosse, politische und interessante Diskussion auslösen».

Hilterfingen: «Für uns die einzige Möglichkeit»

Hilterfingens Gemeindepräsident Gerhard Beindorff (FDP) begrüsst die Initiative Thuns, von der er aber bisher nichts gehört hat. «Für die Seegemeinden ist ein Tunnel unter dem Lauitorstutz hindurch die einzige Möglichkeit für eine bessere Erschliessung», betont Beindorff. Für ihn ist auch klar, dass eine Variante mit der Einfahrt im Bereich Chartreusewald die einzig sinnvolle Lösung wäre.

«Damit würden die Staus am Wochen­ende und zu den Stosszeiten am Morgen und am Abend der Vergangenheit angehören», sagt Beindorff. Der Chartreusewald liegt auf Hilterfinger Boden, gehört aber der Burgergemeinde Thun. Beindorff ist sich bewusst, dass ein solcher Tunnel nicht gerade billig und eine Realisierung erst in vielen Jahren möglich wäre. «Aber es wäre wichtig und richtig, jetzt den Startschuss für die Planung zu geben», betont Beindorff.

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