Am Gesslerschiessen entschied ein einziger Millimeter

Thun

71 Schützinnen und Schützen stellten sich zum Abschluss des Ausschiesset der Herausforderung, Gessler mit dem Pfeil der Armbrust zu treffen. Am Schluss entschied ein Millimeter.

  • loading indicator

Es sind Unzählige unterwegs. Am Platz am Berntor leuchten die Sonne, das Blau der Kadettenuniformen und das Orange der Kantonspolizisten in Leuchtweste und Uniform um die Wette.

Letztere helfen mit, rund um das Knabenschützenhaus Absperrgitter zu installieren, und sorgen für Sicherheit. Insbesondere bei den Blauuniformierten steigt die Nervosität. Gleich 71 Kadettinnen und Kadetten haben sich zum Höhepunkt des Thuner Ausschiesset – zum Gesslerschiessen – eingeschrieben.

«Künstler Stefan Gyger hat in diesem Jahr seine eigene Interpretation ins Bild gebracht.»Cornelia Küng, Leiterin Armbrustschützenkorps

Dabei gilt es, den Reichsvogt mit dem Pfeil der Armbrust ins Herz zu treffen. Der Gessler prangt auf einem Bild, das heuer anders ist als sonst. «Künstler Stefan Gyger hat in diesem Jahr seine eigene Interpretation ins Bild gebracht», erläutert Cornelia Küng, Leiterin des Armbrustschützenkorps, auf Anfrage.

Die eigene Interpretation des Malers sei zwar mit der Kadettenkommission nicht abgesprochen gewesen, «aber das neue Gesslerbild hat viele positive Reaktionen ausgelöst», betont die Leiterin.

Fulehung sorgt für Platz

Gekommen sind denn auch Hunderte von Schaulustigen, Freunde, Bekannte, Mütter und Väter, um die Daumen zu drücken und die Handykameras zu zücken. Für den nötigen Aktionsradius der zahlreichen Kameras, aber insbesondere der Schützinnen und Schützen sorgt, wie soll es anders sein, der Fulehung.

Innerhalb der Abschrankung rennt er unermüdlich hin und her und teilt mit seinen Söiblaateren Hiebe und Schläge aus. Denn schliesslich soll der Blick auf Gesslers Bild und sein Herz am sogenannten Täntsch, dem Scheibenstand, gewahrt bleiben.

Warten auf den Schützen

Bald sausen die Armbrustpfeile Schuss um Schuss über die Köpfe der Zuschauer. Und es zeigt sich: Den Gessler mit einem Pfeil zu bodigen, ist nicht wirklich einfach. «Es war schwierig, bei diesem Lärm einen sicheren Schuss abzugeben», sagt die 14-jährige Elena Knöri mit leichter Enttäuschung.

Dennoch, alsbald verkünden Trommelwirbel, dass es dem Gessler doch langsam ans Herz geht, so gross wie ein Zweifrankenstück auf dessen Brust. Und es wird knapp. Der 14-jährigen Siri Rüedi hat genau ein Millimeter gefehlt. Die Freudentränen über den zweiten Platz lassen nicht lange auf sich warten.

Warten muss Leiterin Cornelia Küng indes auf denjenigen, der mit seinem Pfeil dem Gesslerherz am nächsten gekommen ist. Er lässt sich trotz mehrfachen Aufrufen nicht ausmachen. Zu Hilfe kommt nicht der Fulehung, sondern das Handy. Den Pfeil abgegeben hat Noe Stähli. «Ich habe nie damit gerechnet», sagt er gegenüber dieser Zeitung. Und: «Geholfen hat mir wohl meine ruhige Hand.»

Zum Feiern bleibt allerdings nicht viel Zeit. Rasch formiert sich das Kadettenkorps zum Schlussumzug, und der Fulehung sorgt ein weiteres Mal mit Schyt und Söiblaater für Platz für die Kadetten. Noe Stähli freut es. Mit Stolz trägt er als bester Schütze am Umzug das Gesslerbild durch die Innenstadt, unter dem Applaus der zahlreichen Zuschauer.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt