Thun

Angriff auf Polizisten nach dem Derby bleibt ungeklärt

ThunObwohl sie Zweifel hatte, sprach die Gerichtspräsidentin am Freitag sieben FC-Thun-Fans frei. Ihnen war nach einem Berner Fussballderby ein hinterhältiger Angriff gegen Polizisten angelastet worden.

Schmiererei am Bahnhof Thun nach dem Derby vom 25.05.2016.

Schmiererei am Bahnhof Thun nach dem Derby vom 25.05.2016. Bild: Leserreporter

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Wer waren die vermummten Angreifer? Das war die Gretchenfrage des Prozesses gegen sieben FC-Thun-Fans, der diese Woche vor dem Regionalgericht Oberland in Thun stattfand. Eine Antwort darauf fand auch Gerichtspräsidentin Natalie Fritz nicht. Sie sprach am Freitag die drei Frauen und vier Männer vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie der Sachbeschädigung frei. Und dies, obwohl sie Zweifel hatte. «Aber ich kann ihnen den Angriff nicht nachweisen.»

Wohin verschwanden die Angreifer?

Der Umstand, dass sich der Vorfall vor bereits mehr als anderthalb Jahren zugetragen hatte, machte die Wahrheitssuche für Gerichtspräsidentin Fritz nicht gerade einfacher. Die Beteiligten erinnerten sich nicht mehr detailgenau an die Geschehnisse nach dem Berner Fussballderby vom 25. Mai 2016. Zudem nutzten die sieben Angeklagten die Zeit, um ihre Versionen abzugleichen. «Es gab Absprachen», sagte Fritz.

Was war denn passiert? Nach dem Spiel fuhren sechs der sieben Angeschuldigten mit dem Bus zum Bahnhof. Dort wollten sie einen Compagnon treffen, der wegen eines Stadionverbots das Spiel nicht in der Stockhorn-Arena verfolgen durfte. Zwischen Bahnhof und Scherzligschleuse bemerkten sie zwei Polizisten in ihrem Dienstwagen. Soweit war alles unbestritten. Was dann geschah, bleibt ungeklärt.

Die sieben FCT-Fans gaben allesamt zu Protokoll, dass eine Horde Vermummter wie aus dem Nichts aus der Nacht auftauchte. Kurz darauf schepperte es. Die Angreifer bewarfen die Polizisten mit faustgrossen Steinen. «Es war ein feiger Akt der Gewalt», sagte Gerichtspräsidentin Fritz dazu. Ein Stein flog nur knapp am Kopf eines Polizisten vorbei. Es sei nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass es keine Verletzten gab, so Fritz weiter.

Kurz darauf wurden die sieben FCT-Fans unweit des Tatortes festgenommen. Sie behaupteten, von Vermummten überholt worden zu sein. Diese hätten sich dann in die Dunkelheit verzogen. Die Polizisten ihrerseits konnten keine anderen Personen ausmachen. Unterschiedliche Angaben gab es auch, wie viel Zeit vom Angriff bis zur Festnahme verstrich. Für die FCT-Fans waren es mindestens zwei Minuten. Dies wäre lange genug, damit die Vermummten unerkannt das Weite suchen konnten.

Wo landete das Vermummungsmaterial?

Es gab diverse Punkte, die für die Unschuld sprachen. So befand sich auf den Steinen kein DNA-Material, auch fand die Polizei kein Vermummungsmaterial bei den FCT-Fans. Es gab aber auch Belastendes. So seien die Fans in der Nähe des Tatortes, vielleicht sogar auf dem Fluchtweg, festgenommen worden, sagte Fritz. Sie seien zudem mehrheitlich dunkel gekleidet gewesen und teilweise schon in der Vergangenheit negativ aufgefallen.

Dass alle sieben bis zum Prozess keine Fragen beantworteten, habe ihnen nicht nur in die Karten gespielt. «Die Aussage zu verweigern, ist das gute Recht. Aber es macht auch verdächtig», sagte Fritz. Wer nichts zu verbergen habe, könne Aussagen machen. Am Ende reichten die belastenden Elemente nicht, den Angriff den Thuner Fans anzulasten. Sie wurden allesamt freigesprochen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.01.2018, 20:08 Uhr

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