Zum Hauptinhalt springen

Auch eine Erinnerungslücke schützte nicht vor einer Strafe

Ein junger Mann hatte sturzbetrunken in Thun zwei Passanten überfallen. Vor Gericht wollte er sich daran aber nicht mehr erinnern können. Verurteilt wurde er für die Tat trotzdem.

Ein 23-Jähriger wurde wegen diverser Delikte vom Regionalgericht in Thun zu einer Strafzahlung verurteilt.
Ein 23-Jähriger wurde wegen diverser Delikte vom Regionalgericht in Thun zu einer Strafzahlung verurteilt.
Marc Imboden

Zwei Freunde waren in einer Oktobernacht 2014 in Thun auf dem Heimweg. Plötzlich wurden sie von zwei Männern verbal attackiert. Sie beschimpften sie aufs Übelste. Die Angreifer liessen auch nicht locker, als sich ihre Opfer aus dem Staub machen wollten. Schliesslich eskalierte die Situation.

Die Angreifer packten einen der Männer, drückten ihn zu Boden, deckten ihn mit Faustschlägen und Fusstritten ein. Sie nahmen ihm das Natel weg. Ein Passant hörte die Hilferufe. Als er sich dem Tatort näherte, suchten die beiden Angreifer das Weite. Der Mann nahm aber mit seinem Auto die Verfolgung auf. Als er sie stellte, prügelten sie auf ihn und sein Auto ein.

Keine Erinnerungen mehr

Am Freitag hatte sich einer der Angreifer vor dem Regionalgericht Thun zu verantworten. «Ich kann mich an nichts mehr erinnern», gab der 23-jährige, angehende Landschaftsgärtner zu Protokoll. «Da auf dem Auto meine Fingerabdrücke gefunden wurden, muss es so gewesen sein.»

Erinnern konnte er sich dagegen noch an zwei Diebstähle. So liess er in einem Thuner Geschäft 28 ­T-Shirts und einen Rucksack mitlaufen. Auch entwendete er einen Rettungsring von einem Geländer. Bei ihm wurde zudem ein Strassenschild gefunden. Dieses hat aber gemäss seinen Aussagen ein Bekannter gestohlen und nur bei ihm deponiert.

Er sei in einer schwierigen Lebensphase gewesen, ergriff seine Anwältin in ihrem Plädoyer Partei für den wortkargen Mann. Sein Bruder und seine Grosseltern seien innerhalb kurzer Zeit gestorben. Das habe ihn aus der Bahn geworfen. Er habe sich in den Alkohol geflüchtet. Ein Verhalten, das ihm sein alkoholsüchtiger Vater vorgelebt habe.

Daneben konsumierte der Angeklagte auch Marihuana und Kokain. «Er hat die Notbremse gezogen», sagte sie weiter. Heute trinke ihr Mandant kaum mehr, stehe vor dem Abschluss seiner Lehre. «Er zeigte sich einsichtig und reuig.»

Tatsächlich entschuldigte sich der Mann gestern noch einmal bei seinen anwesenden Opfern. Die Anwältin führte weiter ins Feld, dass der Mann nur ein Mitläufer war. Sein Kollege sei die treibende Kraft gewesen. «Es war eine spontane, unüberlegte Tat unter Alkoholeinfluss.»

Sie verlangte eine bedingte Geldstrafe in Höhe von 210 Tagessätzen. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits forderte eine bedingte Geldstrafe in Höhe von 230 Tagessätzen sowie eine Verbindungsbusse in Höhe von 70 Tagessätzen.

Nicht nur Schuldsprüche

Für Einzelrichter Jürg Santschi war es ebenfalls erwiesen, dass der Mann nicht der Haupttäter war. Er sprach ihn deshalb von einzelnen Punkten frei und verurteilte ihn schliesslich wegen Raub, Diebstahl, Drohung, Sachbeschädigung und Verstösse gegen das Betäubungsmittel- sowie das Personenbeförderungsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 30 Franken (7200 Franken).

Santschi verzichtete darauf, eine Verbindungsbusse auszusprechen, weil der Mann sich vor dem Prozess verpflichtet hatte, für die ­Reparaturkosten am Auto eines seiner Opfer aufzukommen. «Wichtiger als eine Busse ist es, den angerichteten Schaden gut zu machen», sagte der Richter abschliessend.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch