Aussensitzplätze: Bringt runder Tisch eine liberalere Lösung?

Thun

Mehrere Thuner Restaurateure möchten zusätzliche Aussensitzplätze, die sie länger bewirten dürfen. An einem runden Tisch wird nach einem Kompromiss gesucht.

Das Geschäft Simplyfine plant, am Rathausplatz und entlang der Unteren Hauptgasse Aussensitzplätze aufzustellen. Foto: Gabriel Berger

Das Geschäft Simplyfine plant, am Rathausplatz und entlang der Unteren Hauptgasse Aussensitzplätze aufzustellen. Foto: Gabriel Berger

Wenn die Aussentemperaturen wieder ansteigen, wie es aktuell der Fall ist, sind sie äusserst gefragt: Aussensitzplätze vor Restaurants und Bars in der Thuner Innenstadt. Im Frühling des letzten Jahres gab die Stadt bekannt, dass sie neue Aussensitzplätze auf öffentlichem Grund wieder zulasse – dies, nachdem sie seit 2010 keine zusätzlichen mehr bewilligt hatte.

Der Kompromiss kam an einem runden Tisch mit Vertretern verschiedener Interessengruppen zustande und sah vor, dass Gesuche für neue Aussensitzplätze bis 0.30 Uhr gestellt werden können. Die Regelung galt allerdings nicht für den Perimeter Obere Hauptgasse–Mühleplatz–Rathausplatz. Dort wurden zusätzliche Aussensitzplätze nur tagsüber während den Öffnungszeiten ermöglicht.

Neuer Kompromiss amrunden Tisch?

Alice Kropf, SP-Stadträtin und Co-Präsidentin des Komitees Pro Nachtleben Thun, verhehlte damals nicht, dass sie mit der Lösung nicht ganz zufrieden sei. Sie störte sich insbesondere daran, dass der gefundene Kompromiss mit der Bewilligung bis 0.30 Uhr nur für bestimmte Teile anstatt für die ganze Innenstadt gelten soll.

Nun kommt indes wieder Bewegung in die Angelegenheit: Kropf schlug an der Hauptversammlung des Thuner Innenstadt-Leists (TIL) Mitte März vor, das Thema erneut am runden Tisch aufzugreifen.

«Die Idee kam gut an. Das nächste Gespräch findet am 15. Mai statt», sagt Kropf. Laut dem städtischen Polizeiinspektor Peter Schütz werden am runden Tisch nebst ihm und Kropf auch Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP), die TIL-Vertreter René E. Gygax und Christian Grässli, Pro-Nachtleben-Co-Präsidentin Susanna Ernst, die Liegenschaftsbesitzer Urs Hauenstein und Urs Steinmann sowie die Gastronomen Reto Kupferschmied (Mundwerk) und Ivan Urech (Atelierbar) teilnehmen.

«Ziel ist es, neue Aussensitzplätze bis 0.30 Uhr auch auf Mühle- und Rathausplatz sowie in der Oberen Hauptgasse zu ermöglichen», sagt Alice Kropf. Sie wisse, dass namentlich bei den Betreibern der Lokale Mundwerk, Atelierbar, Loft 27, La Boutik und Rats­stübli der Wunsch nach zusätzlicher oder verlängerter Aussenbestuhlung bestehe.

Grünes Licht für Simplyfine und Schlossbergbar

Bereits einen Schritt weiter sind die Betreiber der Lokale Simplyfine und Schlossbergbar in der Unteren Hauptgasse. Sie haben, unabhängig voneinander, unlängst je ein Baugesuch für neue Aussensitzplätze eingereicht. Im Fall der Schlossbergbar geht es um 16 Plätze im Laubenbereich, beim Simplyfine um 28 Plätze entlang der Unteren Hauptgasse sowie 19 Innen- und 44 Aussensitzplätze auf der Seite Rathausplatz (vgl. Kasten unten am Text).

«Gegen das Bauvorhaben von Simplyfine sind keine Einsprachen eingegangen», erklärt der stellvertretende Regierungsstatthalter Thomas Blättler. Bei der Schlossbergbar wiederum sei eine Einsprache des Amts für Stadtliegenschaften eingegangen – begründet mit den engen Platzverhältnissen unter der Laube. «Die Einsprache wurde jedoch zurückgezogen und die Baubewilligung im März erteilt», sagt Blättler. Eine Einspracheverhandlung habe nicht stattgefunden.

Andere Situation als nochim letzten Herbst

Noch im letzten Oktober hatte es nicht danach ausgesehen, dass Lokale in der unteren Altstadt den öffentlichen Raum permanent werden nutzen können. Nach dem Ende der ersten Bauetappe an Berntor und Lauitor war die zwischenzeitlich erleichterte Bewilligungspraxis für Aussensitzplätze in diesem Gebiet wieder aufgehoben worden.

Das Komitee Pro Nachtleben Thun forderte in der Folge den Gemeinderat in einem offenen Brief auf, die erleichterte Bewilligungspraxis fortzuführen. In ihrer Antwort hielt die Regierung fest, dass der Regierungsstatthalter für die Bewilligungen zuständig sei – und dass dieser die geltende Bau- und Strassenverkehrsgesetzgebung nicht willkürlich umgehen könne.

Der Gemeinderat wies aber ebenso darauf hin, dass mit der neuen Fussgängerzone die Rahmenbedingungen ändern würden und er bereit sei, «Vorschläge der betroffenen Gastwirtschafts- und Gewerbebetriebe zu prüfen und zu unterstützen».

Inzwischen läuft bei Berntor und Lauitor die zweite, längere Bauetappe. Die Betreiber des Geschäfts Simplyfine, Anita und Stefan Schrag, haben sich erneut erfolgreich um die erleichterte Bewilligung von Aussensitzplätzen bemüht. Die aktuelle Anordnung der Plätze entspricht indes nicht der geplanten definitiven Lösung.

Thuner Tagblatt

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