«Autobiografen sind Schatzsucher»

Burgistein

Susanna Mumenthaler hat den Eigerverlag Mumenthaler gegründet. Sie stellt das Schreiben von Biografien in den Mittelpunkt. «Die eigene Biografie ist die wundervollste Geschichte, die es gibt», sagt sie und bietet Hilfe dazu an.

Susanna Mumenthaler sitzt ­inmitten der ­vielen Bücher, die sie in ihrer Schreib­werkstatt als ­Bücher­brocante verkauft.

Susanna Mumenthaler sitzt ­inmitten der ­vielen Bücher, die sie in ihrer Schreib­werkstatt als ­Bücher­brocante verkauft.

(Bild: Margrit Kunz)

Susanna Mumenthaler bringt mit ihrem Eigerverlag Mumenthaler vieles unter einen Hut: ihre langjährige Berufserfahrung, ihr Interesse am Wohlbefinden ihrer Mitmenschen und die vielen Lebensgeschichten, die sie erfahren durfte. Solange sie in der Pflege von Betagten arbeitete, hörte sie viele Lebensberichte, weil sie dazu ermunterte, diese zu erzählen und nicht nur zu seufzen: «Ach, ich könnte dir Geschichten erzählen . . .»

Heute ist Mumenthaler davon überzeugt, «dass Autobiografen Schatzsucher sind». Beim Erzählen oder Schreiben kann man den Schatz an Erinnerungen heben, man kann sich öffnen dafür, aber auch jederzeit wieder unterbrechen. Dabei geschieht es oft, dass Vergessenes wieder in der Erinnerung auftaucht, und so führt bald eins zum andern.

«Das kann ich nicht»

Viele Leute denken, dass sie niemals aufschreiben können, was sie alles erlebt haben. Hier bietet Susanna Mumenthaler mit ihren Angeboten Hilfe an. Sie führt eine Schreibwerkstatt zum Thema «Biografie schreiben». In den Kursen zeigt sie auf, was alles zu einer Biografie gehört.

«Ein paar Müsterli erzählen reicht nicht aus», sagt Mumenthaler. «Damit kann man niemanden kennen lernen.» Zu einer Biografie gehören auch Aussagen über Lebensgewohnheiten, Vorlieben beim Essen, bei der Kleidung, aber auch Angaben über Arbeit und Familie. Mit sogenannten Schlüsselfragen erleichtert Susanna Mumenthaler den Einstieg.

«Die Biografie ­beantwortet Fragen, die man nie stellte, und führt so zu Einsichten.»Susanna Mumenthaler

«Oft kann man Dinge schlecht beschreiben, aber mit einem Bild, einer Karte, einem Zeitungsausschnitt gut illustrieren. Es geht mir auch darum, diese Gestaltungsform mit einzubeziehen.» Eine Biografie schreibe man ja in erster Linie für sich selber. «Sie beantwortet Fragen, die man nie stellte, und führt so zu Einsichten.»

Susanna Mumenthaler will aber auch dazu ermuntern, die eigene Geschichte rechtzeitig zu erzählen und nicht auf später zu verschieben. Denn auch diese Erfahrung hat sie während ihrer Arbeit in der Alterspflege gemacht: «Wenn Frauen und Männer ins Heim eintreten, sind sie oft schon nicht mehr in der Lage, dies zu tun.

Wenn die Pflegenden aber zu wenig wissen über die Geschichte einer Person, so kann dies in der Pflege nicht berücksichtigt werden und führt zu Missverständnissen und Fehlern, was letztlich unethisch ist.» Sei die Lebensgeschichte bekannt, so schütze dies den Patienten vor solchen Fehlern, und er fühle sich verstanden und besser aufgehoben im Heim.

Die Kurse der Schreibwerkstatt finden am Nachmittag oder am Abend statt. Sie dauern dreimal drei Stunden bei 2 bis 5 Teilnehmern. Wenn gewünscht, kann ein Fortsetzungskurs besucht werden, der nochmals dreimal drei Stunden umfasst.

Mit ihrer ruhigen Art, ihrem Einfühlungsvermögen, dem spürbaren Interesse an den Mitmenschen ist Mumenthaler sicher geeignet, Leute, die ihre Biografie schreiben möchten, zu unterstützen und ihnen weiterzuhelfen.

Eigene Biografie geschrieben

Susanna Mumenthaler schreibt im Vorwort ihres Buches «Altern heisst hochwachsen», wie sie von der Pflegerin zur Verlegerin wurde. Ihr Weg führte von der Pflegeassistentin zur ärztlich geprüften Akupunkturtherapeutin.

Es folgten Grundausbildungen in weiteren Therapien, und zuletzt hat sie den Quereinsteiger-Lehrgang für angehende Verleger abgeschlossen. Ihre eigene Biografie liegt bereits in Buchform vor. Zudem gibt es auch Beispiele von Biografien, bei denen sie mitgeholfen hat.

Schreibwerkstatt: Der erste Kurs findet am 18. Juni, 2. Juli und 9. Juli statt. Anmeldungen und Auskünfte unter 033'356'01'53 oder 079'267'33'73. Öffnungszeiten Verlag: Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr.

Thuner Tagblatt

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