Bahnhof Thun Nord: Delegierte senden «starkes Signal»

Thun

Drei Viertel der anwesenden Delegierten der regionalen Verkehrskonferenz sagten am Mittwochabend in Thun Ja zur Idee, im Norden Thuns einen neuen S-Bahnhof zu bauen.

Thun soll im Norden der Stadt einen weiteren Bahnhof erhalten. Im Bild: Pendler am Bahnhof Thun.<p class='credit'>(Bild: Fritz Lehmann)</p>

Thun soll im Norden der Stadt einen weiteren Bahnhof erhalten. Im Bild: Pendler am Bahnhof Thun.

(Bild: Fritz Lehmann)

Die Delegierten der Regionalkonferenz Oberland-West (RVK 5) schickten am Mittwochabend das «starke Signal in Richtung Bundesbern», das sich Präsident Jürg Marti (SVP, Steffisburg) sich gewünscht hatte. Gut drei Viertel der anwesenden Gemeindevertreter aus dem ganzen Oberland West von Saanen bis ins Eriz unterzeichneten das Commitment, mit dem die RVK sich für die Planung und den Bau einer ­S-Bahn-Haltestelle Thun Nord starkmacht.

«Es ist einfach, Zürich als Wirtschaftsmotor zu bezeichnen, wenn alles Geld dorthin fliesst», sagte Marti an der Delegiertenversammlung im Thuner Rathaus. Gerade deshalb sei es umso wichtiger, dass die Region zeige, dass sie auf einen Ausbau der ÖV-Infrastruktur angewiesen ist, damit sie sich weiterentwickeln könne.

Bund bezweifelt Potenzial

Die zusätzliche S-Bahn-Haltestelle im Bereich Thun-Nord ist seit Jahren ein Thema. Zuletzt geriet das Projekt jedoch beim Bundesamt für Verkehr (BAV) auf das Abstellgleis: Die BAV-Bewertungen ergaben ein unbefriedigendes Verhältnis von Kosten und Nutzen. Die Haltestelle wurde deshalb nicht in die Ende September präsentierte Liste der Projekte für den Bahnausbauschritt 2030/2035 aufgenommen. In der Folge gab die RVK eine eigene Studie in Auftrag, die einem neuen Bahnhof ein erhebliches Potenzial attestiert.

Wichtig für ESP-Entwicklung

Sie geht von 6000 ein- und aussteigenden Personen an Werk­tagen und 3000 an Wochenendtagen aus – 470 Prozent mehr als beim BAV-Szenario. Und: Während die Berechnungen des Bundesamts für Verkehr im Schnitt eine Zunahme der Reisezeiten für die Passagiere prognostiziert, kommt die Studie der Verkehrskonferenz auf einen Reisezeit­gewinn.

Die Haltestelle sei zudem zentral, damit der ESP Thun-Nord sein Wachstumspotenzial voll ausschöpfen könne (vgl. Ausgabe vom Montag).

Sukkurs aus den Gemeinden

Es sei «wichtig, im richtigen Moment den Finger aufzustrecken», sagte Seftigens Gemeindepräsident Urs Indermühle (SVP) und ermunterte die anwesenden Gemeindevertreter, mit ihrer Unterschrift Stellung zu beziehen für das Projekt. Beat Schertenleib (EDU) aus Heimberg betonte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, das Anliegen aufzugleisen. «Wenn in zwanzig Jahren rundum alles verbaut ist, wird es schwierig und teuer», sagte er.

Punkto Kosten für eine neue ­S-Bahn-Haltestelle mochte Jürg Marti sich nicht auf eine Zahl festlegen. «Aber wenn wir die Autobahn oder die Aaretallinie ausbauen, weil künftig noch mehr Leute zur Arbeit nach Bern pendeln, wir das auf jeden Fall teurer.» Zudem habe die Haltestelle unterhalb der neuen «Al­penbrücke» des Bypass Thun-Nord den Vorteil, dass sie sowohl das Gürbe- als auch das Aaretal erschliessen und den Bahnhof Thun «wesentlich entlasten» könne.

Rote Zahlen

Die Jahresrechnung 2016 mit einem Defizit von knapp 5000 anstelle der budgetierten 26 000 Franken genehmigten die Delegierten ebenso einstimmig wie das Budget 2018. Es sieht bei Ausgaben von 140'000 Franken ein Defizit von 17'000 Franken vor. Jürg Marti betonte, dass je nach Entwicklung der Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen diese von derzeit 0,8 Prozent der ÖV-Beiträge der Gemeinden allenfalls gesenkt werden könnten.

Die Delegierten wählten Monika Beutler aus Buchholterberg in den Ausschuss der RVK5. Sie folgt auf Annelies Wenger, ebenfalls Buchholterberg.

maz/mik

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