Barbershops: Situation im Kanton Bern «gravierender» als anderswo

So wird das Phänomen der Barbershops bei der für Lohnkontrollen zuständigen PK Coiffure eingeschätzt.

Anstellung zum Praktikumslohn oder für nur ein paar Hundert Franken Entgelt: Laut der Fachstelle verstossen viele kontrollierte Arbeitgeber gegen den Mindestlohn.

Anstellung zum Praktikumslohn oder für nur ein paar Hundert Franken Entgelt: Laut der Fachstelle verstossen viele kontrollierte Arbeitgeber gegen den Mindestlohn.

(Bild: iStock/Symbolbild)

«Billigsalons beschäftigen häufig ungelerntes Personal oder Personal mit nicht in der Schweiz anerkannten Abschlüssen», erklärt Claudia Hab­lützel, Leiterin der Paritätischen Kommission für das schweizerische Coiffeurgewerbe (PK Coiffure). «Der Gesamtarbeitsvertrag sieht seit 2018 auch Mindestlöhne für diese Gruppe von Arbeitnehmenden vor, was seither ebenfalls kontrolliert wird.»

Bei Kontrollen würden bei solchen Betrieben etwa oft Praktikumsverträge oder sonstige Arbeitsverhältnisse angetroffen, bei denen Personen für ein paar Hundert Franken beschäftigt würden. «Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Missachtungen des Mindestlohnes.» Lohndiskrepanzen sowie fehlende Versicherungen der Arbeitnehmer werden laut Hablützel als gravierendes Problem erachtet und von der PK Coiffure verfolgt und sanktioniert.

«Kampf stark ausgebaut»

Seit 2019 führt die Arbeitsmarktkontrolle Bern für die PK Coiffure neben den Schwarzarbeitskontrollen für den Kanton auch unangekündigte Kontrollen im Coiffeurgewerbe durch. Wie der Regierungsrat verspricht sich auch die Paritätische Kommission davon «mittelfristig eine klare Verbesserung der Verhältnisse».

Die Problematik werde von der PK Coiffure angesichts der Marktentwicklungen durchaus als einschneidend erachtet, «weshalb die Sozialpartner den Kampf gegen Lohndumping innert eines Jahres stark ausgebaut haben», betont Claudia Hablützel. Und: «Lohndumping führt häufig auch zu Dumpingpreisen in einer Branche, was ­diese wiederum als gesamte schwächt.»

Die Geschäftsstellenleiterin weist zudem darauf hin, dass die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht die einzigen Bestimmungen sind, die es zu beachten gilt. Es gehe auch um Sozialversicherungsrecht, Steuerrecht und Migrationsrecht. Ausserdem seien die Ladenöffnungszeiten, die Arbeitssicherheit und das Arbeitsgesetz ein Thema.

«Die Einhaltung dieser Bestimmungen wird durch kantonale Behörden kontrolliert», führt Hablützel aus. Im Rahmen von Schwarzarbeitskontrollen im Kanton Bern seien immer wieder diverse Rechtsverstösse festgestellt worden. Der Kanton Bern spiele bei der Verfolgung dieser Thematik «durchaus eine Vorreiterrolle».

Jährlich Hunderte Kontrollen

Für die Region Thun-Oberland kann Claudia Hablützel keine Zahlen zu Verstössen bei Billigcoiffeuren nennen, da die Kontrollen nach Kantonen erfasst würden. Aber: «Grundsätzlich wird die Situation für den Kanton Bern im Vergleich zu anderen Kantonen schon als gravierender eingestuft. Allein aufgrund der Anzahl Betriebe ist von hohem Konkurrenzdruck auszugehen.»

Die Paritätische Kommission führe jährlich schweizweit 200 Lohnbuchkontrollen durch sowie 250 unangekündigte Kontrollen der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kontrollschwerpunkte seien grenznahe Gebiete, Städte und Agglomerationen. Häufige Verstösse betreffen den Mindestlohn, den Ferienlohn und den Feiertagslohn oder den Ferienanspruch. Zu den «nicht geldwerten Verstössen» gehören fehlende Versicherungen oder fehlende beziehungsweise nicht den gesetzlichen ­Bestimmungen genügende Ar­beitszeiterfassungen.

«Der Gesamtarbeitsvertrag sieht als mögliche Sanktionen Konventionalstrafen sowie Verwarnungen vor», führt Hablützel aus. Letztere kämen in leichten Fällen zum Zuge. Bagatellfälle würden nicht sanktioniert. Bei den abgeschlossenen Verfahren von 2018 seien schweizweit bei etwas über 50 Prozent der Betriebe geldwerte Verstösse zu verzeichnen gewesen. «Von diesen wurden rund 80 Prozent sanktioniert.»

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