Bei der Freistatt-Planung wird auch der Kreisel zum Thema

Thun

Immer wieder kommt es in Kreiseln zu Unfällen mit Velofahrenden – gerade auch in Thun. Stadträte wollen deshalb wissen, welche Massnahmen die Stadt umgesetzt hat und noch plant.

Hier kommt es immer wieder zu Unfällen: Der 2001 gebaute Minikreisel Länggasse/Mattenstrasse. Im Zusammenhang mit der geplanten Neugestaltung des benachbarten Freistatt-Areals wird auch die Kreuzung wieder zum Thema.

Hier kommt es immer wieder zu Unfällen: Der 2001 gebaute Minikreisel Länggasse/Mattenstrasse. Im Zusammenhang mit der geplanten Neugestaltung des benachbarten Freistatt-Areals wird auch die Kreuzung wieder zum Thema.

(Bild: Patric Spahni)

Kreisel sind für Velofahrende ­besonders gefährlich: Das zeigt eine Studie des Bundesamts für Strassen (Astra), auf welche die Thuner Stadtratsmitglieder Adrian Christen (SP), Till Weber (Junge Grüne) und weitere Mitunterzeichnende in ihrer «Interpellation betreffend gefährliche Kreisel für Velofahrende» verweisen.

Eine Analyse von 30'000 Velounfällen in der Schweiz zeige, dass sich fast jeder dritte in einem Kreisel ereigne – dabei ­seien in nur 4 Prozent der Unfälle die Velofahrenden die Haupt­verursacher. Die Interpellanten verweisen zudem auf eine Ana­lyse von Astra-Daten durch das Konsumentenmagazin «Saldo». Dessen Fazit: Nirgendwo verunfallen so viele Velofahrer in Kreiseln wie in der Region Thun.

Grund genug für die erwähnten Stadtratsmitglieder, dem Gemeinderat Fragen zu bereits umgesetzten und noch geplanten Massnahmen zu stellen.

Schweizweite Lösungen

In seiner Antwort im Hinblick auf die Parlamentssitzung vom 6. April hält der Gemeinderat fest, dass er aufgrund der «Saldo»-Analyse keine kurzfristigen Massnahmen getroffen habe, «da sich die statistische Auffälligkeit noch nicht abschliessend einordnen lässt».

Schon direkt nach dem «Saldo»-Bericht hatte Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) gegenüber dieser Zeitung erklärt: «Für eine seriöse Untersuchung müssten die Unfallzahlen ins Ver­hältnis zum Veloverkehrsaufkommen gestellt werden.» Denn Thun sei eine ausgesprochene Velo­stadt, und die betroffenen Kreisel lägen an Velorouten.

Unfälle mit Verletzten würden laufend analysiert, und das ­Unfallgeschehen werde derzeit bei den kantonalen Fachstellen vertieft geprüft, heisst es in den Stadtratsunterlagen weiter. Die Stadt sei in engem Kontakt mit den Fachstellen. Das Astra plane zudem weitere Studien dazu, ­welche Eigenschaften von Kreiseln die Unfallgefahr für Radler erhöhten. «Daraus sollen schweizweit einheitlich geltende Lösungen festgelegt werden, die auch in Thun Anwendung finden werden.»

Für vier von den Interpellanten explizit genannten Kreiseln listet der Gemeinderat auf, welche Massnahmen umgesetzt wurden oder geplant sind: Beim Kreisel Burgerstrasse/Länggasse wurden 2015 nach einer Ana­lyse des Unfallgeschehens die Sichtweiten verbessert, ablenkende Werbung entfernt und die Beleuchtung angepasst.

Der ­Kreisel Allmendstrasse/General-Wille-Strasse wird im Rahmen des Projekts Bypass Thun-Nord derzeit zu einer licht­signalgesteuerten Kreuzung umgebaut. Der «sehr stark frequentierte Maulbeerkreisel» steht laut Gemeinderat «unter Dauerbeobachtung».

Kreuzung wird zum Thema

Speziell ist die Situation beim Minikreisel Länggasse/Mattenstrasse. Er wurde 2001 gebaut, weil sich an der Kreuzung viele schwere Unfälle ereignet hatten. Die Unfallschwere habe danach deutlich abgenommen. Doch: «Die Häufung von Velounfällen trübt leider dieses Bild.»

Der Kreisel liegt gemäss den Stadtratsunterlagen im Betrachtungsperimeter der laufenden Test­planung für das Freistatt-Areal, das dichter überbaut werden soll. «Die Mattenstrasse sowie der Knoten sind Bestandteil dieser Planung», schreibt die Regierung. «In diesem Bereich ist ein Schwerpunkt des Quartiers mit einer öffentlichen Nutzung vorgesehen. Das hat Folgen für die Strassengestaltung», präzisiert Marianne Dumermuth (SP), Vorsteherin der Direktion Stadtentwicklung. Im Moment fehle schlicht der Platz, um an der Kreuzung im grösseren Stil etwas zu ändern.

Aber im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Areals werde die Kreuzung zum Diskussionspunkt. Dumermuth hat kürzlich die Hauptversammlung der Wohn- und Baugenossenschaft Freistatt besucht. Auch dort sei der Kreisel ein Thema ­gewesen: Gerade in letzter Zeit sei es zu mehreren kleineren ­Unfällen gekommen.

Es braucht Neugestaltung

Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) sind drei Unfälle seit ­August 2016 bekannt, zweimal waren Velos beteiligt. «Statistisch gesehen ist das keine sig­nifikante Häufung für diesen ­Knoten», sagt Hädener. Blickt man bis November 2011 zurück, kommt ein gutes Dutzend weiterer Unfälle hinzu. Laut Hädener verkehren auf dem Kreisel täglich 7600 Fahrzeuge, zwei nationale Velorouten führen hier vorbei.

Sofortmassnahmen würden geprüft – etwa das Zurückschneiden der Vegetation, was aber nicht viel bringe, oder eine Einschränkung der Überfahrbarkeit. Das würde zwar die Geschwindigkeiten senken, «führt aber zu einem Zielkonflikt in Sachen ­Befahrbarkeit durch Busse und Lastwagen». Für den Bauvorsteher ist deshalb klar: «Eine wirk­liche Verbesserung der Situation erfordert eine komplette Neu­gestaltung des Knotens und deutlich mehr Platz.»

Tiefere Geschwindigkeit?

Im Rahmen der Freistatt-Planung empfiehlt das Begleitgremium im Übrigen, in den an­grenzenden Abschnitten von Länggasse und Mattenstrasse eine reduzierte Geschwindigkeit anzustreben: «Der Knotenbereich Länggasse/Mattenstrasse ist so auszugestalten, dass angepasste Geschwindigkeiten gefahren werden und eine starke Platzwirkung entsteht», heisst es im Synthesebericht Freistatt.

Thuner Tagblatt

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