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Vergewaltigung? Beschuldigter streitet Taten ab

Einem Beschuldigten aus der Region Thun werden Vergewaltigung und Drohung vorgeworfen. Die Urteilseröffnung erfolgt heute Mittwoch.

Hat der Beschuldigte seine Ehefrau zum Sex gezwungen? Symbolbild: iStock
Hat der Beschuldigte seine Ehefrau zum Sex gezwungen? Symbolbild: iStock

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wirft einem heute 30-jährigen Schweizer aus der Region Thun Vergewaltigung und Drohung vor.Nachdem der Beschuldigte Ende Juli, Anfang August 2012 mit seiner Ehefrau nach Hause gekommen war, soll er zu ihr gesagt haben, wenn sie mit anderen schlafe, könne sie dies auch mit ihm tun. Er soll sie in der Folge am Arm gepackt, an der Schulter ins Schlafzimmer und auf das Bett gestossen und ihr die Leggins und Unterhosen bis zu den Knien heruntergezogen haben. Die Frau strampelte und sagte ihm, er solle aufhören, er tue ihr weh, sie wolle das nicht.

Will keine Alimente bezahlen

Doch der Beschuldigte legte sich auf sie und vollzog gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr. Die Frau wehrte sich nach Kräften, aber der Mann drückte sie jeweils wieder nach unten und hielt sie teilweise auch an den Handgelenken und an der Schulter fest. Er liess erst von ihr ab, als sie ihn irgendwann mit dem ­Ellbogen am Hals traf. So weit die Schilderung in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Ein weiterer vorgeworfener Straftatbestand betrifft Drohung. Nach zahlreichen Streitereien war die Frau ausgezogen und mit einem neuen Lebenspartner in ein Dorf im Kanton Zürich übergesiedelt. Der Beschuldigte reiste im Frühling 2015 dorthin, um mehr über den neuen Aufenthaltsort der von ihm getrennt lebenden Ehefrau zu erfahren. Dabei soll er ihr sowie der gemein­samen Tochter zufällig auf der Strasse begegnet sein. Bei einer zweiten Begegnung soll er ihr aus kurzer Distanz gesagt haben: «Du weisst, dass du nicht davonlaufen kannst, du kannst nicht vor mir wegrennen, es wird passieren, was ich gesagt habe.»

Diese Äusserung bezog sich darauf, dass der Mann die Bezahlung von Alimenten verweigern werde. Eher werde er sie vorher «um die Ecke bringen». Damit ist laut Staatsanwaltschaft der Straftatbestand der Drohung ­erfüllt.

Begegnung bestritten

Der Beschuldigte bestritt bei der Befragung durch das Gericht sowohl die Vergewaltigung wie auch die Drohung. Er gab lediglich zu, am fraglichen Tag im besagten Dorf im Züribiet gewesen zu sein. Seine Noch-Ehefrau habe er aber nicht angetroffen. Staatsanwalt Matthias Wiedmer sah das anders: «Die Aussagen des Opfers sind glaubwürdiger als jene des Beschuldigten», sagte er unter anderem in seinem Plädoyer. Dessen Verschulden stufte er als leicht bis mittel ein. Er beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten und eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 40 Franken, beides bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Ins gleiche Horn stiess auch die amtliche Anwältin der Frau, die als Privatklägerin aufgetreten war. Sie forderte Schuldsprüche in beiden Fällen und die Ausrichtung einer Genugtuung von 5000 Franken.

«Aussagen gegen Aussagen»

Demgegenüber bezeichnete der amtliche Verteidiger die Aussagen sowohl des angeblichen Opfers wie auch dessen als Zeugin befragter Mutter als nicht glaubhaft. «In den vorliegenden Fällen stehen Aussagen gegen Aussagen», führte er in seinem Plädoyer aus. Deshalb sei der Angeklagte nach dem Grundsatz «In dubio pro reo» («Im Zweifel für den Angeklagten») freizusprechen. Die Zivilklage soll abgewiesen beziehungsweise auf den Zivilweg verwiesen werden.

Die Urteilseröffnung des in Dreierbesetzung tagenden Kollegialgerichts erfolgt heute Mittwoch.

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