Blühende Kulturlandschaft geehrt

Die Thuner Kulturabteilung lud am Mittwoch zur Kulturpreisverleihung in das KKThun. Exzellente Reden, überragende Showeinlagen und eine launige Moderation liessen den Festakt wie im Fluge vergehen.

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«Thun ohne Kultur ist wie ein Raclette-Öfeli ohne Verlängerungskabel und wie eine Kuh ohne Hörner», metapherte Roman Gimmel, Gemeinderat (SVP) und Vorsteher der Direktion Bildung Sport Kultur, in seiner Begrüssungsrede: «Wir lieben unsere Region, weil ihre Kulturlandschaft so lebendig, mutig und facettenreich ist.»

Die in Thun geborene Musikerin und Kabarettistin Lisa Catena meinte als Moderatorin, der Kulturpreis sei ihres Wissens der einzige Preis in Thun und im Oberland, bei dem keine Kühe und Geissen involviert seien. Mit ihren federleicht-frechen Überleitungen sorgte sie für einen schmunzelträchtigen Abend.

Kulturstreuer für Kulturnacht

Der Kulturstreuer, finanziert aus dem Martha-und-Heinrich-Streuli-Fonds, ging an den Verein Thuner Kulturnacht, für den Philip Burkard die Laudatio hielt. Der ehemalige Thuner Kulturchef erinnerte an die erste Kulturnacht von 2007: «Kultur kann man nicht kaufen, man muss sie leben.»

In seinem Dank hob Vereinspräsident Hans-Rudolf Kernen hervor: «Kultur kann ausgleichen, glücklich machen und Frieden stiften.» Schauspieler Andreas Stettler mischte in einer Performance in einen dampfenden Kübel die Zutaten für eine schmackhafte Kultursuppe: Folk, Pop, Jazz, Blues, Museen, Chöre, Blasmusik, Theater, Kabarett, Poetry ...

Die Trägerin des Kulturförderpreises Susanne Zoll hat sich als Seiltänzerin, Bewegungsschauspielerin und Clownin dem zeitgenössischen Zirkus verschrieben. Der Ausdruck «in den Seilen hängen» bekam mit ihrer Darbietung eine neue Bedeutung: Als Artistin Zanna brachte sie mit zwei schwindelerregenden Einlagen an Seilen unter der Decke des Lachensaals das staunende Publikum zum Atem-Anhalten.

Das Preisgeld investiere Zoll in eine Weiterbildung im Hochseiltanz, liess Laudatorin Karin Zdrazil, Präsidentin der Compagnie Zanna, wissen. Die Künstlerin selbst gestand in ihrer herzerwärmenden Dankesrede: «Der Preis berührt mich, macht mich nervös – und tut gut!»

Musikpreis für Vital Frey

Für Vital Julian Frey, der den Musikpreis in Empfang nahm, sprach Kaspar Zehnder die Laudatio, der die Hingabe des international begehrten Cembalisten zur Musik bewunderte: «Er ist einer der einfühlsamsten Musiker, den ich kenne», versicherte der Chefdirigent des Sinfonie-Orchesters Biel-Solothurn.

Frey schenkte dem Publikum auf dem Cembalo zusammen mit der Tänzerin und Musikerin Alicia Lopez eine Kostprobe aus dem Projekt «Experiencia Flamenca». Vor 18 Jahren habe er im KKThun den Förderpreis erhalten, erzählte Frey. Das habe ihn motiviert, seinen Platz in der Musikwelt zu finden. Er danke allen Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet hätten, und für den Preis, der ihn motiviere weiterzugehen.

Kulturpreis für Steinmann

Der Ordinarius für Kunstgeschichte der Gegenwart an der Universität Bern, Peter J. Schneemann, lobte in seiner Laudatio den Träger des Grossen Kulturpreises, George Steinmann, dieser übernehme Verantwortung als Künstler. Er geniesse es, sich mit ihm darüber auszutauschen, was Kunst in dieser Welt auszurichten vermöge. Mit «Lieber George, wir gratulieren dir, wir brauchen dich», schloss Schneemann seine bewegende Rede.

Er sei berührt, begann Steinmann seine Dankesrede, wegen der Auszeichnung und wegen der Tatsache, dass er genau vor vier Jahren genau auf dieser Bühne mit Polo Hofer gestanden habe. Er gratuliere der Stadt Thun und der Kommission, dass sie seine Haltung erkannten. Ihm gehe es darum, mit seiner Kunst für eine bessere Welt einzustehen.

«Diese Auszeichnung geht über meine Person hinaus», stellte der 68-Jährige fest und forderte eindringlich Dialoge zwischen Kunst, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Was ihn auch berührt habe, sei eine Mail aus Frankfurt gewesen, in der ihm zum Preis gratuliert worden sei mit den Worten: «Weiter so, im Namen der Erde ...»

Berliner Atelier für Lüscher

Die Leiterin der Kulturabteilung, Marianne Flubacher, sagte in ihrem Schlusswort, Kultur liesse sich nicht in Raster oder Schubladen pressen, sondern brauche ein weites Feld, das die Stadt bieten wolle. Das Atelierstipendium 2019 in Berlin nahm Simone Lüscher entgegen.

Die Theatermacherin und Schauspielerin, die durch die Wanderbühne Dr. Eisenbart bekannt wurde, kann von Februar bis Juli Inspiration in Berlin tanken. Ihre Freude drückte die Künstlerin kurz und knapp aus. Sie griff in die Jackentasche und warf mit einem Lächeln silbernen Flitter in die Luft. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.11.2018, 21:19 Uhr

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