Brand nicht restlos geklärt

Am Regionalgericht suchte man gestern nach den Verantwortlichen eines Brandes in Hilterfingen. Die Beschuldigten waren es nicht, urteilte die Richterin.

Der Brand in Hilterfingen nahm im Cheminée seinen Anfang.

Der Brand in Hilterfingen nahm im Cheminée seinen Anfang.

(Bild: iStock)

In Hilterfingen kam es im Fe­bruar 2018 zu einem Brand an der Fassade eines Einfamilienhauses. Versengt wurde die aus Holz erstellte Aussenfassade, jedoch nicht an der äusseren Seite, sondern an der Innenseite zwischen der Wand und dem Holz im ersten Stock.

Die Untersuchungen des Brandes zeigten, dass der Brand wohl im Cheminée seinen Anfang nahm. Man ging im Untersuchungsbericht davon aus, dass an der Stelle, wo das Cheminéerohr und das Kaminrohr zusammentreffen, ein Spalt oder ein Loch war, durch welches sehr heisse Rauchgase austreten konnten und sich ihren Weg entlang des Kamins nach oben suchten.

Beschuldigt wurde der Kaminbauer. Er habe beim Bau des Einfamilienhauses 2016 die beiden Rohre nicht fachgerecht zusammengefügt, befand die Staatsanwaltschaft. Die Anklage lautete auf fahr­lässiges Verursachen eines Brandes. Gegen den Strafbefehl wehrte sich der Kaminbauer. Er war sich weder einer Verletzung der Sorgfaltspflicht bewusst, noch habe er die Arbeiten unsachgemäss ausgeführt.

Auch Fassadenbauer angeklagt

Auch der Fassadenbauer hatte einen Strafbefehl vom Staatsanwalt erhalten. Darin stand, er selber habe die Holzfassade gebaut und habe den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zwischen Kamin und Holz nicht eingehalten. Dieser Vorwurf stimme so nicht, fand der Fassadenbauer, und wehrte sich gegen den Strafbefehl. Richtig sei, so erklärte er gestern der Gerichtspräsidentin, dass er die Ausführung geplant habe.

In Hilterfingen hätten jedoch sein erfahrener Vorarbeiter und ein weiterer Mitarbeiter der Firma die Arbeiten ausgeführt. Der Vorarbeiter habe den Bauführer und Architekten darauf aufmerksam gemacht, dass ein Sicherheitsabstand von 50 Millimetern vorgeschrieben sei. Der Bauführer habe jedoch trotzdem angeordnet, dass die Holzfassade hinter dem Kamin durchgehend angebracht werde.

«Ich habe erst während des Verfahrens erfahren, dass der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde.»Der beschuldigte Fassadenbauer wehrte sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Der Beschuldigte selber ist nur am Anfang ein paarmal auf der Baustelle gewesen: «Bis die Baustelle läuft, gehe ich ein paarmal hin, dann braucht es mich nicht mehr. Der Vorarbeiter und der Bauführer regeln dann nötige Anpassungen selber. Darum habe ich auch erst während des Verfahrens erfahren, dass der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde.»

Unklar, ob er einen Fehler gemacht hat

Als Zeugen befragte die Richterin gestern den Verfasser des Schlussberichtes. «Vieles ist jetzt klarer, aber noch nicht alle Fragen sind beantwortet», stelle die Richterin anschliessend fest. Sie konnte sich jetzt zwar vorstellen, wo und warum der Brand ausgebrochen war, aber ob der Kaminbauer beim Bau des Kamins einen Fehler gemacht hat, stand für sie nicht fest. Die beiden Verteidiger der Beschuldigten verlangten je einen Freispruch für ihren Mandanten.

Beim Fassadenbauer war die Begründung einfach, da er gar nichts selber gemacht habe. Aber auch beim Kaminbauer argumentierte der Ver­teidiger damit, dass diesem etwas vorgeworfen werde, das der Zeuge gar nicht feststellen konnte. Der Spalt beim Übergang zwischen den Rohren hätte genauso gut durch die Feuerwehr beim Löschen passiert sein können wie beim Einbau durch den Handwerker. Dieser sei jedoch überzeugt davon, fachgerecht gearbeitet zu haben.

Freispruch für beide Angeklagten

Die Gerichtspräsidentin übernahm in weiten Teilen die Argumente der Verteidiger. Sie sprach beide Männer von den Vorwürfen frei. Den Fassendenbauer, weil er gar nicht selber auf der Baustelle gearbeitet hatte, und den Kaminbauer, weil bis zuletzt nicht restlos klar wurde, warum das Feuer aus­gebrochen war.

Die beiden erhalten eine Entschädigung für ihre Verteidigungskosten. Der Fassadenbauer bekommt zudem 500 Franken für den persönlichen Aufwand. Die Verfahrenskosten gehen zulasten des Kantons.

Thuner Tagblatt

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