Bund löste Neuorganisation aus

Thun

Mit der Generalprobe startet am Mittwoch die Künstlerbörse. Bis Sonntag trifft sich die internationale Kleinkunstwelt im KKThun. Ab 2019 organisiert der Verband T. die internationale Drehscheibe für Veranstalter und Publikum.

<b>Anne Jäggi hält die Fäden für die Schweizer Künstlerbörse</b> in den Händen: Sie ist die Geschäftsleiterin der Veranstalterin, der KTV ATP, dem Berufsverband für die Theaterschaffenden in der Schweiz, und lädt Kleinkunstinteressierte ab morgen ins KKThun.

Anne Jäggi hält die Fäden für die Schweizer Künstlerbörse in den Händen: Sie ist die Geschäftsleiterin der Veranstalterin, der KTV ATP, dem Berufsverband für die Theaterschaffenden in der Schweiz, und lädt Kleinkunstinteressierte ab morgen ins KKThun.

(Bild: Patric Spahni)

Letztmals organisiert die KTV ATP, die Vereinigung Künstler(innen) – Theater – Veranstalter(innen) Schweiz, die morgen startende 59. Schweizer Künstlerbörse. Die 60. Ausgabe im Frühling 2019 wird der neue Verband T. organisieren.

Der Buchstabe T. steht für Theaterschaffende Schweiz beziehungsweise für Professionnels du spectacle Suisse und für Professionisti dello spettacolo Svizzera. Anne ­Jäggi, seit 2013 Geschäftsleiterin der KTV ATP, behält dieselbe Funktion auch im neuen Verein, allerdings in einer Co-Leitung mit Claudia Galli.

Wieso übernimmt ein neuer Verband das Zepter für die Schweizer Künstlerbörse?Anne Jäggi:Das Bundesamt für Kultur, kurz BAK, hat die Subvention der KTV ATP als Berufsverband ab 2017 gestrichen. Die Streichung stellte diesen vor die Existenzfrage. Die durch den Entscheid des BAK ausgelösten Umwälzungen in der Kulturverbandslandschaft löste Diskussionen über Anforderungen und Herausforderungen aus.

Und wie begründete das BAK die Subventionsstreichung? Laut einem Passus in der neuen ­Kuor-Verordnung werden Organisationen, die im kulturellen Bereich tätig sind, sich aber vor allem auf die Promotion und Vermittlung von Kulturschaffenden ausrichten, nicht mehr unterstützt.

Und die Schweizer Künstlerbörse ist davon auch betroffen? Der Entscheid trifft die KTV ATP als Berufsverband, nicht aber die Künstlerbörse als ihre wichtigste Dienstleistung. Aber auch weitere Theaterverbände waren von der Streichung betroffen: der ACT, der Berufsverband der freien Theaterschaffenden.

Wollte das BAK mit der Neuorganisation bei der Kulturförderung eine Neuorganisation der Verbände erzwingen? Jedenfalls hat das BAK durch die Umwälzungen in der Kulturverbandslandschaft ausgelöst, dass die Theaterverbände ACT und KTV ATP die Strukturen im Theaterbereich neu diskutieren. Neue Situation sind für alle Beteiligte auch immer eine Chance.

Das Resultat ist nun der neue Verband T. und somit eine neue Veranstalterin der Schweizer Künstlerbörse? Richtig. In einem gemeinsamen, partnerschaftlichen Prozess erarbeiteten die Vorstände der ­beiden Verbände, durch einen starken Support ihrer Mitglieder legitimiert, die Grundlagen für diesen schweizerischen Berufs- und Branchenverband für das nicht institutionelle Theater aus.

Und was wird für die Mitglieder dabei anders und besser? Durch das Zusammengehen will der Verband T. die theater- und kulturpolitische Stimme des unabhängigen Theaters in der Schweiz massgeblich stärken und die Rahmenbedingungen für die neu über 1800 Mitgliedschaften optimieren. T. will ein attraktiver Berufsverband mit Dienstleistungen aus der Schnittmenge des bisherigen Leistungskatalogs sein.

Werden sich diese Veränderungen ab 2019 oder auch später auf die Schweizer Künstlerbörse auswirken? Der mehrtägige Anlass bleibt die wichtigste Drehscheibe für die Kleinkunstszene im In- und Ausland. In ihrem Grundsatz verändert sie sich nicht. Inwiefern beziehungsweise wie sie sich im neuen Kontext entwickeln wird, wird Gegenstand der Diskussionen im neuen Vorstand sein.

Und sie bleibt in Thun? Die Verhandlungen mit der Stadt werden in gewohntem Rahmen erfolgen, und unser Ziel ist, den Vertrag, der 2019 ausläuft, wieder um vier Jahre zu verlängern.

Was ist Ihre Motivation, sich für die Kleinkunstszene auch weiterhin zu engagieren? Auf künstlerischer Seite fasziniert mich die Bandbreite der vertretenden Sparten und künstlerischen Ausdrucksweisen. Zudem bewegt sich die Kleinkunstszene in einer einzigartigen Veranstalterszene, die es so nur in der Schweiz gibt.

Inwiefern einzigartig? Eine grosse Zahl dieser Bühnen und Veranstalter ist ausserhalb der urbanen Zentren aktiv. Sie tragen mit ihren Saisonprogrammen zur kulturellen Vielfalt und «Grundversorgung» im Bereich der professionellen Bühnenkünste in der Region und Agglomeration bei.

Und wo reiht sich die Schweizer Künstlerbörse dabei ein? Als national und international ausgerichtete Veranstaltung ist sie ein einzigartiger Netzwerkanlass über die Sprachgrenzen hinweg. Sie trägt dazu bei, die sprachregionalen Grenzen, in denen sich das Theaterschaffen in der Schweiz mehrheitlich abspielt, zu durchbrechen.

Thuner Tagblatt

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