Das Begleichen der Hotelrechnung fiel aus – Busse fiel tiefer aus

Wegen Zechprellerei ist am Freitag ein 47-jähriger Schweizer vom Regionalgericht Thun zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden.

Vor dem Regionalgericht in Thun stand am Freitag ein Mann, der Nächte in Hotelzimmer reservierte, dann aber ohne zu bezahlen vorzeitig auszog. (Symbolbild)

Vor dem Regionalgericht in Thun stand am Freitag ein Mann, der Nächte in Hotelzimmer reservierte, dann aber ohne zu bezahlen vorzeitig auszog. (Symbolbild) Bild: Fotolia

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Per Faxrundschreiben über den Tourismusverein war in Mürren vergangenen Winter von einem Zechpreller gewarnt worden. Er wurde angehalten und stand am Freitag vor Gericht. Er war bei der Staatsanwaltschaft in Sachen Zechprellerei geständig und erhielt einen entsprechenden Strafbefehl. Darauf waren aber auch kleinere Diebstähle aufgeführt, und dagegen hatte er Einsprache erhoben. «Wenn ein Arbeitgeber im Strafregisterauszug Diebstahl sieht, bekomme ich keine Arbeit», sagte der momentan arbeitslose Mann.

Tat bestritten

Er bestritt, die Diebstähle begangen zu haben. Konkret ging es darum, ob er in einer Hotelbar Geld gestohlen hat und ob er in einem Gastbetrieb einen Schlüssel entwendet hat. Gerichtspräsident Jürg Santschi klärte ab, ob die Diebstähle im Strafregister Eingang finden würden, was im Zusammenhang mit den andern Straftaten der Fall gewesen wäre.

Eine Vereinbarung

«Wir arbeiten sehr hart, und es tut uns weh, um unseren Verdienst gebracht zu werden», sagte eine der beiden geschädigten Gastronominnen, die vor Gericht als Zivilklägerinnen anwesend waren.

Ein Tatmuster des Angeklagten war, dass er in der Region Thunersee und anderswo im Oberland für mehrere Nächte ein Hotelzimmer reservierte und dann vorzeitig auszog, ohne zu zahlen. Dazu beglich er Restaurantrechnungen und eine Taxifahrt nicht und fuhr schwarz Zug. Der Richter setzte vor der Hauptverhandlung auf Vereinbarungen, um die Diebstahlvorwürfe aus der Welt zu schaffen. Dies gelang in einem Fall. Die Betriebsführerin in Mürren verzichtete auf ihre Anzeige wegen des Bargelddiebstahls, der nicht zu beweisen gewesen wäre, und der Angeklagte wird – so sagt es die Vereinbarung – die entgangenen Übernachtungskosten zahlen.

Wo war der Schlüssel?

Die zweite Geschädigte hielt an der Anzeige fest. Es ging um einen Schlüssel, der eventuell den Zugang zu einer Schlafgelegenheit in ihrem Betrieb ermöglicht hätte. Der Angeklagte bestritt vehement, den Schlüssel genommen zu haben. «Was sollte ich damit, ich hatte eine Übernachtungsmöglichkeit», sagte er. Die Polizei hat bei ihm, neben zwei Hotelschlüsseln, einen entsprechenden Schlüsselanhänger mit dem Namen des Betriebs gefunden, ­allerdings ohne Schlüssel. In Anwendung des Grundsatzes «In dubio pro reo» fällte der Richter in diesem Anklagepunkt einen Freispruch. «Der allergrösste Teil der Taten ist unbestritten», sagte er bei der Urteilsbegründung.

«Selber wachsam sein»

Er verurteilte den Mann, der manchmal verbal etwas sehr aktiv am Verfahren teilnahm, wegen vier Zechprellereien, sieben Zechprellereien mit geringfügigem Vermögenswert und Erschleichung von Dienstleistungen mit geringfügigem Vermögenswert zu einer Geldstrafe à 30 Franken, zu einer Busse von 2100 Franken und zur Übernahme der Verfahrenskosten. Strafe und Busse fallen etwas tiefer aus als im Strafbefehl. «Uns bleibt nur übrig, selber wachsam zu sein», sagte eine der beiden Gastro­nominnen nach der Urteilsver­kündung. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.08.2017, 21:01 Uhr

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