Steffisburg

Das Ende einer Ära naht

SteffisburgEnde Oktober 2017 ist Schluss. Definitiv. Verena (62) und Hansueli (61) Bieri-Krügel können dann auf 35 Jahre Pacht des Gasthofs Schnittweierbad in Steffisburg zurückblicken. Bereits nächste Woche beginnt das Abschiednehmen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vieles ist speziell ausgeprägt im Gasthof Schnittweierbad ob Steffisburg. Die antiquiert anmutende Bezeichnung Gasthof – und nicht etwa Restaurant – gibt einen Hinweis darauf. Dazu gehört auch die lange Zeit, die das Wirtepaar Bieri auf dem Schnittweierbad verbracht hat.

Bald werden es 35 Jahre sein. Seit letztem Mittwoch ist es offiziell, Bieris haben den Pachtvertrag frühzeitig gekündigt. Ziemlich genau ein Jahr vor dem Austrinket. «Damit die Besitzerin genügend Zeit hat, einen geeigneten Nachfolger zu finden», begründet Hansueli Bieri. Das Lebenswerk soll möglichst zum Wohle der Gäste fortgesetzt werden.

Beginn im Kemmeriboden

Angefangen hat alles im Kemmeriboden-Bad vor rund 40 Jahren. Hansueli Bieri arbeitete als Koch, Verena Krügel im Service. Aus der Mitarbeit sollte bald ein Miteinander fürs Leben werden. Ein klares Ziel hatten die beiden auch: einen eigenen Betrieb.

Als Vorbereitung absolvierten sie mehrere Praktika in unterschiedlichen Wirtshäusern. Und weil sie noch nicht wussten, in welcher Gegend das Geplante zu realisieren sei, legten sie die Wirteprüfung vorsorglich in zwei verschiedenen Kantonen ab. Der Schangnauer Bieri auf bernischem Hoheitsgebiet, die Marbacherin Krügel im Luzernischen. So ausgerüstet begann die Suche nach einem geeigneten Objekt.

Noch nicht 30 Jahre alt

Die beiden sind rasch fündig geworden. Das frisch vermählte Paar bewarb sich um die Pacht des Gasthofs Schnittweierbad. Mit Erfolg. Noch nicht mal 30 Jahre alt, hatten sie ihr Ziel erreicht. Vorerst mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet, starteten sie eine beispielhafte Gas­trokarriere.

Der Landgasthof mit langer Geschichte galt bei der Pachtübernahme im Jahr 1982 als «ziemlich heruntergewirtschaftet», wie sich Verena Bieri erinnert. Dank zuvorkommender Gastfreundschaft änderte sich das bald. Zügig verbreitete sich die Kunde über die Region hin­aus, dass man im Schnittweier wieder willkommen sei.

Die gutbürgerliche Küche mit saisonalen Angeboten entlockte selbst Feinschmeckern ein Lob. Und eine kulinarische Überraschung bot auch die «Brönnti Creme». Die liebevoll geschmückten Aussen- und Innenräume – immer der Saison oder speziellen Festtagen angepasst – unterstützten das Wohlsein der Gäste. Viele Dekogegenstände aus den vergangenen 34 Jahren lagern heute im Keller.

Trouvaillen aus dieser Sammlung will die Wirtin im letzten Betriebsjahr veräussern. Erstmals ab 11. November. Sie plant einen Weihnachtsmärit.

Nicht nur Dekorationsmaterial hat die Wirtsleute in den vergangenen 34 Jahren treu begleitet. Auch viele Stammgäste «sind mit uns älter geworden», sagt das Wirtepaar. Mehr noch. Zufrieden erklären Bieris, «dass heute auch Kinder von Brautpaaren, die ihre Hochzeit im Schnittweierbad gefeiert haben, zu den regelmässigen Gästen gehören». Überdies: Seit den ersten Tagen dabei ist auch das Stammteam. «Und meine Geschwister, die uns in den Stosszeiten regelmässig aushelfen», so die Wirtin.

Keine Angst vor der Leere

Noch ein Jahr, dann ist die erlebnisreiche und spannende Lebensphase vorbei. Angst vor Leere haben die beiden nicht. Sie wollen ihre «Altersresidenz» auf dem Astra-Gelände beziehen und erstmals richtig «freinehmen». Etwas, das in den vergangenen 34 Jahren zur Seltenheit geworden ist.

Nachdem sie 35 Jahre lang den «schönen Flecken Erde» (Ferdinand Hodler) mit allen Facetten kennen gelernt haben, wollen sie auch die restliche Schweiz erkunden. Und bereits liegen Anfragen vor für Aushilfsjobs bei Berufskollegen.

Die vielen angenehmen, ja freundschaftlichen Kontakte, die werden «wir ganz sicher ­vermissen», sind Hansueli und Verena Bieri überzeugt. Und sie blicken bereits heute dankbar zurück. Zum Beispiel auf das reibungslose Verhältnis mit der Pachtgeberin Marianne Rebmann-Noser aus Spiez. Auf Gäste, die zu Kollegen geworden sind. Auf Mitarbeitende, die von Anfang an zum hohen Standard beigetragen haben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2016, 08:33 Uhr

Artikel zum Thema

Bachwärts im Chisetal

Kiesen/Steffisburg Vom weiten Tal der Chise führt eine leichte Wanderung zum malerischen Rotachetobel und ins Zulgtal. Unterwegs gibt es Alpensicht, Wiesen, Wälder sowie Gelegenheit zum Planschen. Mehr...

Der Jodlerumzug lockte 25'000 Zuschauer auf die Strasse

Steffisburg Zum Finale des 50. Kantonalen Jodlerfestes wartete am Sonntagnachmittag noch einmal ein Höhepunkt. Der Umzug mit 54 Bildern lockte geschätzt 25'000 Zuschauerinnen und Zuschauer an die Zulgstrasse. Mehr...

Friedliches, fröhliches, aber auch feuchtes Fest

Steffisburg Trotz nasskalter Witterung besuchten am Samstag Tausende Interessierte das 50. Bernisch-Kantonale Jodlerfest in Steffisburg. Auch die Teilnehmenden liessen sich die Laune nicht verderben und präsentierten eindrückliche Darbietungen. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Casino historisch Als im Casino der Nationalrat tagte

Echt jetzt? Kompletter Irrsinn!

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Der Boden ist Lava: Eine Frau schaut Kindern zu wie sie auf beleuchteten Kreisen in einem Shoppincenter in Peking spielen. (22. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...