Oberdiessbach

Das Ende einer Ära

Oberdiessbach Die Gemeindeversammlung Oberdiessbach endete mit stehenden Ovationen. Aber weder für die neuen Parkgebühren noch für die roten Zahlen am Finanzhorizont.

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Zwei abtretende Politiker standen im Zentrum der Gemeindeversammlung vom Montagabend in Oberdiessbach: Christoph Joss (SP) stellte das neue Reglement über die Benützung öffentlicher Parkplätze vor; Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt (FDP) war es, der die kurze Diskussion zum Thema moderierte.

Zum Geschäft: Wer im Dorfkern von Oberdiessbach länger als eine Stunde parkiert, soll künftig bezahlen. Primär gehe es dabei um den Gemeindeplatz, «aber wir sind uns bewusst, dass es auch in den Quartieren Schwierigkeiten gibt». Diese wolle der Gemeinderat indes später und individuell angehen. Im Dorfkern hingegen seien Parkplätze und Kastanienpark kostenpflichtig, jene 300 der Gemeinde aber nicht. «Wir wissen von Leuten, die von Gerzensee mit dem Auto hierhin fahren, um den Zug zu nehmen, weil sie hier nicht bezahlen müssen», sagte Joss.

Nachts weiter gratis

Richtig teuer wird das Parkieren in Oberdiessbach indes nicht: Montags bis freitags kostet es auf dem Gemeindeplatz ab der zweiten Stunde 1 Franken pro Stunde, beziehungsweise maximal 6 Franken. Zwischen 19 und 7 Uhr sowie an den Wochenenden bleibt das Parkieren kostenlos. Die übrigen Parkplätze im Dorfkern werden in die blaue Zone überführt.

Fragen zum System mit Dauerparkkarten und Fragen zu Gebühren für anderweitige Nutzungen brannten einige der 83 Versammlungsteilnehmer unter den Nägeln, Hans Rudolf Vogt beantwortete sie rasch und emotionslos. Danach genehmigte die Versammlung das neue Regime mit 69 Ja- zu 12-Nein-Stimmen bei einer Enthaltung und beendete damit die Ära des Gratisparkierens im Dorfkern. Damit kann der Gemeinderat nun eine entsprechende Verordnung ausarbeiten und in Kraft setzen. Dies soll laut Christoph Joss spätestens im Juli 2018 passieren.

Rote Zahlen im Finanzplan...

Die finanziellen Aussichten für die Gemeinde sind alles andere als rosig: Bis 2022 rechnet der Gemeinderat durchschnittlich mit einem Aufwandüberschuss von rund 500'000 Franken pro Jahr, wie Finanzvorsteher Roger Wisler (FDP) erläuterte. Immerhin konnte der Fehlbetrag gegenüber dem letztjährigen Planungsstand reduziert werden.

Trotzdem: Der Bilanzüberschuss – früher Eigenkapital – reduziert sich von heute 8,28 Millionen Franken auf 5,75 Millionen per Ende 2022. Dies bei beachtlichen 10,5 Millionen, die in den nächsten 5 Jahren investiert werden sollen. Wobei: Den grössten Brocken dieser Summe macht die erste Tranche eines Mehrzweckhallenneubaus aus. Dessen Planung ist jedoch aktuell sistiert.

... sowie im Budget

Nachdem die Versammlung vom Finanzplan Kenntnis genommen hatte, genehmigte sie das Budget für das nächste Jahr diskussionslos und einstimmig. Es rechnet bei Gesamtausgaben von 20,6 Millionen mit einem Ausgabenüberschuss von 642 000 Franken im Gesamthaushalt, wovon 565'000 Franken auf den all­gemeinen, steuerfinanzierten Haushalt entfallen. Einer der Kostentreiber ist der Transport der Schüler aus Aeschlen und Bleiken. Dieser wird ab dem laufenden Schuljahr mit zwei eigenen Bussen und gemeindeeigenem Personal sichergestellt.

Mit gut einer Million schlagen die ­Investitionen in die Gemeindestrassen nächstes Jahr am stärksten zu Buche. Trotz des budgetierten Defizits und der wenig ­rosigen finanziellen Aussichten belässt die Gemeinde den Steuerfuss bei 1,54 Einheiten. Die ROD Treuhand AG bleibt vier weitere Jahre Revisionsorgan. Geändert hat die Versammlung indes das Personalreglement. Wie vom ­Gemeinderat empfohlen, übernimmt das neue Personalreglement das degressive Gehaltssystem des Kantons, «behält bewährte Regelungen bei und passt neue Bestimmungen den Gemeindegegebenheiten an», wie Hans Rudolf Vogt sagte.

Stehende Ovationen

Mit der Verabschiedung des seit 16 Jahren amtierenden Gemeindepräsidenten endete in Oberdiessbach am Montagabend eine weitere Ära. Sein Nachfolger Niklaus Hadorn (SVP) dankte Vogt im Namen aller Anwesenden und Einwohner für die langjährige Arbeit für das Dorf. «Ich glaube, seine jungen Jahre als Sportler lehrten ihn, Disziplin, Ausdauer und gemeinsam etwas zu erarbeiten und zu erreichen», sagte Hadorn über den scheidenden Gemeindepräsidenten. «Immer war er gut vorbereitet, nie hat er jemanden ausgegrenzt, er war stets ein guter Vermittler», ortete Hadorn als Erfolgsgeheimnis des scheidenden Gemeindepräsidenten, der am Ende der Versammlung mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.12.2017, 17:25 Uhr

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