Das Erfolgsgeheimnis der Simmentaler Kulturschmiede

Erlenbach

Afrikanische Kora-Spieler und Berner Rocker: Die Verantwortlichen im Hirschen holen mit wenig Geld kulturelle Vielfalt ins Simmental. Ihr Geheimrezept?

Laut Veranstaltern ein «Geheimtipp»: Evelinn Trouble.

Laut Veranstaltern ein «Geheimtipp»: Evelinn Trouble.

(Bild: PD)

Vorweg eine kleine Geschichte: Als Res Dubach neulich im Radio ein Stück von Noumoucounda Cissoko hörte, war er bereits freudig überrascht. Schliesslich handelt es sich bei Noumoucounda um genau jenen westafrikanischen Musiker, der am Samstag im Hirschen Erlenbach seine Fertigkeit auf der Kora vorführen wird, und Dubach ist als Mitverantwortlicher im Hirschen massgeblich daran beteiligt.

Als der Couleur-3-Moderator anschliessend noch den Konzerthinweis für den 9. November gab, wäre es fast ein reines Gefühl der Freude gewesen. Fast. Denn er verlegte den Hirschen in seiner Ankündigung nach Bienne, Biel.

Kora-Spieler Noumoucounda Cissoko aus dem Senegal. Bild: PD

«Endlich hat es geklappt»

Diese kurze Episode, von der Res Dubach berichtete, ist wohl sinnbildlich. Da schafft es das Hirschen-Kultur-Team, kurz Hirsch-Ku, immer wieder, so eine aussergewöhnliche Auswahl von Künstlern nach Erlenbach zu lotsen, dass es Aussenstehende schlicht nicht glauben können: ins Simmental? Das kann doch nicht sein.

Nun, einfach ist es tatsächlich nicht, wie man heraushört, wenn man sich mit Res Dubach und seiner Partnerin Ruth Gafner unterhält. Bei Evelinn Trouble zum Beispiel, der Schweizer Sängerin, die sich immer wieder neu erfindet, hätten sie mehrere Anläufe nehmen müssen, wie Dubach berichtet: «Wir wollten sie schon lange haben, jetzt hat es endlich geklappt.» Am 23. November tritt sie in Erlenbach auf.

Ein neugieriges Publikum

Dabei liegt es keineswegs am Lokal. Der Hirschen geniesse einen guten Ruf, so Dubach, sowohl unter den Künstlern als auch unter Musikliebhabern, jedenfalls den Eingeweihten und Aufgeschlossenen. «Wir wählen das aus, was uns gefällt», berichtet Dubach von der vierköpfigen Programmgruppe.

«Dazu braucht es aber auch ein Publikum, das neugierig und eben nicht auf bekannte Namen fixiert ist.»Ruth Gafner, Hirschen Erlenbach

Dabei sei es weiterhin so, dass bewusst auf nicht so bekannte Künstler gesetzt werde, verweist Ruth Gafner auf die Hirsch-Ku-Philosophie, mit der sie seit bald 25 Jahren Erfolg haben. «Dazu braucht es aber auch ein Publikum, das neugierig und eben nicht auf bekannte Namen fixiert ist.»

Dass ein Kulturbetrieb mit einer solchen Auswahl zudem eher in Bern oder Biel verortet wird, ist das Los, mit dem die Hirsch-Ku-Macher gelernt haben, umzugehen. «Wir haben ein treues Stammpublikum», sagt Ruth Gafner, aus dem gesamten Berner Oberland, aus der Region Thun, aus Bern.

Zwischen 40 und 80 Personen besuchen die Veranstaltungen, 60 waren es am vergangenen Samstag beim Saisonauftakt mit der Berner Rockblues-Formation MGM. Dass am Ende der Saison eine ausgeglichene Bilanz steht, dafür sorgt seit Jahren eine konstante Anzahl von Gönnern.

Wie schafft man es aber, angesagte Bands und aussergewöhnliche Künstler ins Simmental zu holen? Res Dubach gibt zwei Beispiele: Bubi Eifach, die er für die «zurzeit beste Berner Rockband» hält, seien schon mal da gewesen. Am 14. Dezember haben sie ihren nächsten Auftritt in Erlenbach.

Die Band Bubi Eifach mit Frontmann Bubi Rufener (2. von rechts). Bild: PD

Bei Noumoucounda sei der Kontakt über den Westschweizer Bassisten geknüpft worden, der den senegalesischen Kora-Virtuosen begleitet. Dubach: «Ein Genfer, der ebenfalls seit drei Jahren in Dakar lebt. Er hat uns auf das Projekt aufmerksam gemacht.»

Musik geht durch den Magen

Ruth Gafner ergänzt: «Die Künstler schätzen den intimen Rahmen und die Nähe zum Publikum. Im relativ kleinen Hirschen-Saal merkt man richtig, wie schnell der Funken überspringt.» Letztlich sei es wohl eine Kombination von Clubatmosphäre, guter Akustik und gutem Essen, die den Hirschen so beliebt mache. Gutes Essen?

«Mit dem Dreigangmenü, das wir den Konzertbesuchern anbieten, bewirten wir auch die Künstler in unserer Wohnstube», erklärt Res Dubach, «das schätzen sie sehr. Einige sind manchmal auch verblüfft.» Dennoch sei es das beste Rezept dafür, dass anschliessend auch das Konzert gut laufe. Zum Teil bleiben die Künstler auch danach noch, und es biete sich die Möglichkeit zum Kontakt mit dem Publikum.

«Letztlich ist es wohl eine Kombination von Clubatmosphäre, guter Akustik und gutem Essen, die den Hirschen so beliebt macht.»Ruth Gafner, Hirschen Erlenbach

Am Samstag steht übrigens «pikante Rübensuppe mit Minze, Biopoulet Yassa mit Zitronen, dazu Kichererbsen-Gemüsetopf, Süsskartoffeln sowie Quitten mit Baumnuss und Datteln» auf dem Menüplan. Das könnte den Geschmack der afrikanischen Gäste durchaus treffen.

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