Der FC Thun ist finanziell nach wie vor auf dünnem Eis

Der Thuner Fussballclub reitet sportlich auf einer Erfolgswelle. Dennoch: Das Führen des Clubs ist ein grosser Balanceakt für die Geschäftsleitung. Das wurde an der Generalversammlung am Dienstag deutlich.

Hat die selbst auferlegten finanziellen Ziele noch nicht erreicht: FC-Thun-Präsident Markus Lüthi. Foto: Christoph Gerber

Hat die selbst auferlegten finanziellen Ziele noch nicht erreicht: FC-Thun-Präsident Markus Lüthi. Foto: Christoph Gerber

Eins vorneweg: Der FC Thun schloss das Geschäftsjahr 2018 mit einem kleinen Gewinn von etwas mehr als 50000 Franken ab. Und er zahlte der Stadt 100000 Franken des gewährten Darlehens in Höhe von 500000 Franken zurück und ist zuversichtlich, in den nächsten Jahren auch den Restbetrag zurückerstatten zu können. Dennoch: Vom erklärten Ziel eines ausgeglichenen Jahresergebnisses ohne Transfernettoerträge und ohne Einnahmen aus einem europäischen Wettbewerb ist der Club noch weit entfernt.

Dies unter anderem auch, weil der Personalaufwand im vergangenen Jahr um 1,2 Millionen auf beinahe 7,5 Millionen Franken angestiegen ist – eine Entwicklung, die unter anderem auf deutliche Prämienerhöhungen bei den Unfallversicherungen, aber auch Lohnerhöhungen zurückzuführen ist. Diese Mehrausgaben vermochten die 5 Millionen aus Werbung und Sponsoring sowie die 2,7 Millionen Franken an Transfergeldern, welche der Club unter anderem dank dem Verkauf von Simone Rapp, Sandro Lauper und Mickaël Facchinetti einnahm, nicht wettzumachen.

«Ein zartes Pflänzchen»

«Der FC Thun bleibt ein zartes Pflänzchen», hielt Präsident Markus Lüthi an der Generalversammlung am Dienstag in der Stockhorn-Arena vor einer Rekordzahl von über 200 Aktionären fest. «Mit den knapp 400000 Franken Eigenkapital bewegen wir uns auf sehr dünnem Eis». Es brauche wenig, damit der Club ins Schleudern gerate: «Das macht uns Sorgen», gab Lüthi unumwunden zu.

Mit ein Grund für diese Situation ist die ungenügende Stadionnutzung: «Die Arena steht 365 Tage im Jahr da, wird aber durch das Kerngeschäft Fussball nur maximal 20-mal genutzt», brachte es Lüthi auf den Punkt. Für alle anderen Nutzungen sei das Stadion leider wenig geeignet, weshalb im vergangenen Jahr auch kein einziger Grossanlass stattgefunden habe: «Wir können die Arena finanziell fast nicht stemmen. Wir leiden schlicht an unserem schönen Stadion!» Und neue Wege zu definieren, erfordere viel Zeit.

Lüthis Wunschliste

Hätte Markus Lüthi deshalb Wünsche frei, sehnte er sich vor allem auch Dinge herbei, welche die finanzielle Situation des Clubs verbesserten: So unter anderem einen «nicht machtmotivierten Mäzen», der dem Club 3 bis 5 Millionen Franken Eigenkapital zur Verfügung stellt. Oder auch die direkte Qualifikation des Clubs für die Gruppenspiele der Europa League. «Das ist angesichts unserer guten Tabellensituation und der Tatsache, dass wir im Cup immer noch dabei sind, nicht unrealistisch und würde uns auf einen Schlag drei Millionen Franken in die Kasse spülen», meinte Lüthi.

Trotz allem: Markus Lüthi versprühte am Dienstag auch viel Zuversicht. «Wir werden die Lizenz in diesem Jahr mit Garantie bekommen», verkündete er. Und rief immer wieder in Erinnerung, was der Club in den letzten Jahren erreicht hat: «Wir spielen bereits die 15. Saison in der obersten Liga. Das ist nicht selbstverständlich.»

Die Versammlung genehmigte schliesslich die Jahresrechnung, wählte den Verwaltungsrat wieder, ohne den zurückgetretenen Hans-Peter Obrist zu ersetzen, und nahm das Budget mit einem Gewinn von 72000 Franken zur Kenntnis.

Thuner Tagblatt

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