Der forsche Kleine

Der UHC Thun hat einen Kaderumbruch hinter sich und startet morgen zu Hause gegen Chur in die Meisterschaftssaison. Der neue Headcoach Hans-Roland Meyer will sich nicht so schnell zufriedengeben und strebt den Kampf um einen Playoff-Platz an.

Blickt mit hohen Erwartungen auf die Saison: Thuns neuer Headcoach Hans-Roland Meyer. Foto: Christian Pfander

Blickt mit hohen Erwartungen auf die Saison: Thuns neuer Headcoach Hans-Roland Meyer. Foto: Christian Pfander

Der UHC Thun hatte alles andere als eine ruhige Sommerpause. Insgesamt zwölf Spieler, unter anderen Urgestein Jonas Wettstein, Leistungsträger Florian Witschi und Goalgetter Thomas Kropf, haben den Verein verlassen. Auch Headcoach Sebastian Thomann hat sich nach nur einer Saison als Headcoach aus persönlichen Gründen zurückgezogen.

Ersetzt wird Thomann durch Hans-Roland Meyer, der ihm vergangene Saison noch als Assistenz zur Seite stand. Meyer spricht von einem Traum, der in Erfüllung geht. Der 33-Jährige aus Gunten spielte einst beim UHC Thun. Mehrere Saisons war er mit dem Fanionteam in der NLB, ehe er seine Spielerkarriere im Alter von 25 Jahren wegen mehrerer Knieverletzungen beenden musste.

Für ihn war klar, dass er dieser Sportart nicht den Rücken kehren will. So stieg er ins Trainerbusiness ein. Nach seinen Anfängen bei den U-16-Junioren des UHC Thun landete er bei der U-21 von Floorball Köniz. Unter Headcoach René Berliat, Meyers Traineridol, habe er viel gelernt. «Bei ihm habe ich meine Lehre zum Trainer abgeschlossen», meint Meyer. Letztes Jahr folgte dann der Aufstieg in die NLA, erst als Assistent, jetzt also als Headcoach.

Ein junges Team

Thomanns Rücktritt nach dem gewonnenen Alles-oder-nichts-Spiel gegen Unihockey Basel Regio kam auch für den Verein überraschend. «Dank der Unterstützung meiner Familie war für mich klar, dass ich die Jungs nicht im Stich lassen kann», sagt Meyer. So bewarb er sich beim Vereinspräsidenten Rolf Bolliger für das Amt des Trainers und übernahm Anfang Mai das Team.

Er wirkt gelassen, und trotzdem ist er angespannt. Kein Wunder, denn morgen (19 Uhr, MUR-Halle) startet er mit seinem Team gegen Chur in die neue Meisterschaftssaison, am Sonntag steht bereits das Cupspiel gegen das NLB-Team Sargans an. Für Meyer wird es zuerst ein Experimentieren. Wie viele andere stellt er sich die Frage: Wo steht der UHC Thun wirklich?

Meyer sieht in den vielen Wechseln nicht unbedingt das Negative. «Vielleicht ist es ja gerade der richtige Zeitpunkt für den Umbruch.» Bereits letztes Jahr war der UHC Thun jung aufgestellt, für die neue Saison weist das Team einen Altersdurchschnitt von 22½ Jahren auf. Meyer verlangt von den Jungen, dass sie Verantwortung übernehmen. «Sie können jetzt über sich hinauswachsen, denn jetzt können sie sich beispielsweise nicht mehr hinter einem Jonas Wettstein verstecken», meint der neue Headcoach.

Zwei neue Tschechen

Meyer spricht nicht bloss von seiner Aufgabe als Trainer, sondern auch von seinem Weg, den er gemeinsamen mit den Spielern geht. Viele Akteure, darunter auch der neue Captain Yannick Zimmermann, hat Meyer bereits im Juniorenalter trainiert. Allein für diese Saison wurde das Kader mit sechs Spielern aus dem eigenen Juniorenbereich aufgefüllt. «Ich möchte ihnen jetzt das Vertrauen schenken und ihnen die Möglichkeit bieten, sich auf diesem Niveau zu beweisen.»

Durch die neue Kaderformation ändert sich natürlich auch die Spielphilosophie von Thun. «Wir sind nicht mehr bloss eine Kämpfertruppe, sondern haben auch zahlreiche Spieler, die technisch äusserst versiert sind», sagt Meyer. Die besten Beispiele hierfür sind wohl die beiden Tschechen Jan ?eho? und Jakub Mendrek. Meyers Erwartungshaltung gegenüber seinen neuen Söldnern ist hoch. «Sie werden eine grosse Rolle übernehmen müssen. Sie beide können in einem Spiel den Unterschied ausmachen.» Während ?eho? am Stock begabt und auf jeder Position einsetzbar ist, beweist Mendrek vor dem Tor seine Kaltblütigkeit. Zusammen mit dem dritten Ausländer David Simek bilden sie das tschechische Trio in den Reihen der Oberländer.

Sie sollen dabei helfen, das Hauptziel, also den Ligaerhalt, zu erreichen. «Von einer gelungenen Saison können wir aber erst sprechen, wenn wir nicht wieder bis zum Schluss darum zittern müssen, sondern wenn wir einen Schritt nach vorne machen und uns dem Playoff-Strich annähern konnten», sagt Meyer. Dies soll deshalb gelingen, weil Thun die Genügsamkeit der vergangenen Jahre ablegen wolle. «Wir dürfen nicht so schnell zufrieden sein, das ist nie gut», sagt der 33-­Jährige und hofft auf eine ruhigere Sommerpause im nächsten Jahr.

Berner Zeitung

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