Thun

Der Umzug in die Kunstküche ist geglückt

ThunDas Angebot der Organisation Projektenetzwerk Thun findet neu in der «Kunstküche» des Kunstmuseums Thun statt.

Beim ersten Treffen in der Kunstküche fühlen sich die «Sprachbrücke»-Besucherinnen sichtlich wohl.

Beim ersten Treffen in der Kunstküche fühlen sich die «Sprachbrücke»-Besucherinnen sichtlich wohl. Bild: Verena Holzer

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Es ist das erste Treffen der «Sprachbrücke» – des Zusammenschlusses der bisherigen Angebote «Sprachsofa» und «Frauentreff» – in der Kunstküche. Der Raum an der Hofstettenstrasse 12 ist dem Kunstmuseum angegliedert. Vorerst für ein Jahr bietet er der Organisation Projektenetzwerk Thun die Möglichkeit, ihre Angebote weiterhin durchzuführen, nachdem sie die Räumlichkeiten an der Schubertstrasse zugunsten eines Kindergartens hat aufgeben müssen.

Nach und nach treffen die Frauen ein. Vorerst etwas verunsichert. In ihren Augen steht die bange Frage: Wie wird es wohl am neuen Treffpunkt sein? Doch schon trifft Claudia Mariani ein. Mit Amal Ibouhouten wird sie das erste Treffen hier leiten. Nach dem Eintreten in die Räume verschwindet die Ver­unsicherung schnell. Alle sind begeistert von dem hellen Raum und der schönen Küche. Sofort werden Tee und Kaffee zubereitet. Neben den Brötchen, die Mariani besorgt hat, stellt Mano einen Gugelhopf auf den Tisch. Sie hatte letzten Sonntag Geburtstag, und der wird als ­Erstes noch ein bisschen ge-feiert.

Mariani orientiert, dass das Treffen neu jeweils um neun Uhr beginnt. «So bleibt eine halbe Stunde Zeit fürs Ankommen und Begrüssen, bevor wir uns einem Thema zuwenden», erklärt sie. Dann nimmt sie einen Block zur Hand und schreibt «Frohes neues Jahr». Sie bittet die fünfzehn anwesenden Frauen, den Glückwunsch in ihrer Muttersprache aufzuschreiben und auszusprechen, damit es alle nachsprechen können.

Bei Yolanda ist das noch einfach. Als Spanierin schreibt sie «Feliz año nuevo». «Auf Berberisch heisst es Assogass thamaghnas», erklärt Amal. Auf Tamilisch klingt es ähnlich: «Assugaz amgaz», die Originalschrift ist beinahe ein kleines Gemälde. Schwierig wird es beim persischen Glückwunsch «Kol am wa Antom Bicheir», den Ghufran von rechts nach links aufschreibt. Nerxhivane erklärt, dass in Albanien alle Namen eine Bedeutung haben, der ihre heisst «Sonnenblume». Gemeinsam mit Zineta wünscht sie «Urime viti ri». Stoyanka ist glücklich, dass ihre Mutter nun bei ihr leben kann. Die beiden Bulgarinnen wünschen «Tschestita nova godina».

Immer wieder muss Mariani um Ruhe bitten, denn die Frauen haben sich so viel zu erzählen. Sie fragt die Anwesenden nach ihren Erlebnissen im vergangenen Jahr und den Zielen im neuen. Einige wollen abnehmen, andere besser Deutsch lernen. Susmita erhofft sich eine Arbeitsbewilligung und möchte ein Chemie­studium aufnehmen, Amal die Ausbildung zur interkulturellen Dolmetscherin abschliessen. Yolanda ist richtig glücklich, dass sie im neuen Raum, alle vierzehn Tage im Wechsel mit den Strickerinnen, weiterhin im Chor Unisono mitsingen kann. Samia sagt, dass die «Sprachbrücke» zu ihrer Familie geworden sei. «Wir helfen einander und unterstützen uns gegenseitig», erklärt sie.

Teammitglied Anita Heugel wird das nächste Treffen leiten. Sie verspricht, sich um eine Kiste mit Spielzeug zu kümmern, damit die Mütter ihre Kinder ohne Probleme bei den Treffen dabeihaben können. Diesmal beschäftigt sich der dreijährige Ali vorerst mit Papier und Farbstiften.

Nächste Angebote der «Sprach­brücke»: 25. Januar, 9 Uhr: Führung durch das Kunstmuseum mit Rut Reinhard. 8. März: Frauentag. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.01.2018, 11:22 Uhr

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