Thun

Die Balance muss stimmen

ThunAnwohner, Nachtschwärmer und Gewerbe haben unterschiedliche Interessen – der Innenstadt-Leist engagiert sich für eine ausgewogene Balance. Das kam an der Hauptversammlung zum Ausdruck.

<b>Paul Winzenried,</b> neu gewähltes Vorstandsmitglied Innenstadt-Leist.

Paul Winzenried, neu gewähltes Vorstandsmitglied Innenstadt-Leist. Bild: Nelly Kolb

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Die Zweckbestimmung des Innenstadt-Leists (TIL) ist – abgekürzt – der Erhalt und die Wahrung der attraktiven Wohnlage. Die Bedürfnisse von Anwohnern, Gewerbe, Veranstaltern von Anlässen und Nachtschwärmern liegen aber oft nicht auf derselben Linie. Der fünf Jahre alte TIL tritt als Vermittler und Bindeglied zu den Behörden auf und hilft ­akzeptable Lösungen zu finden.

An der Hauptversammlung im Domicil Selve-Park zog TIL-Präsident René E. Gygax Jahresbilanz. «Es braucht eine ausgewogene Balance zwischen den verschiedenen Interessen», betonte er, was Stadtpräsident Raphael Lanz als Gastreferent bestätigte.

Kompromisse gefunden

Mit der Umkehrung der Fahrtrichtung in der Oberen Hauptgasse wurde die Untere Hauptgasse dann vom Verkehr abgeschnitten, wenn auf dem Rathausplatz Anlässe stattfanden. Dies behinderte Hotelgäste, Anwohner, Feuerwehr und Lieferanten. «Gegen diese unhaltbare Situation» haben TIL und die ­Innenstadtgenossenschaft Thun (IGT) opponiert – mit Erfolg. Die Stadt hat einen Durchfahrtskorridor eingerichtet.

Der TIL hat einen Trend zu «immer mehr, immer länger, immer lauter» festgestellt. So wollten etwa die Fasnächtler ihren Eröffnungstag zeitlich ausweiten. Man hat sich in Minne auf drei Zeitfenster geeinigt. Auch bezüglich mediterraner Nächte hat man sich gefunden.

«Wir wollen eine lebendige Innenstadt nicht à tout prix verhindern und nehmen als Anwohner durchaus Lärm und Behinderungen in Kauf – es muss aber im Rahmen bleiben», betonte Gygax. Bei Auswüchsen müsse der TIL den «Mahnfinger» zeigen und allenfalls Einsprache ­erheben. So bemängelte er etwa die «mangelnde sichtbare Polizeipräsenz».

Rechnung mit kleinem Gewinn

Die Vereinsrechnung schloss bei einem Aufwand von 5205 Franken mit einem Gewinn von 269 Franken. Die Versammlung beschloss, den Mitgliederbeitrag für Firmen um 20 auf 150 Franken zu senken und für Einzelmitglieder bei 20 Franken zu belassen. Im Vorstand wurden Eva Graf und Sandra Fankhauser verabschiedet.

Neu gewählt wurde Paul Winzenried vom «Altstadt-Träff». Der übrige Vorstand inklusive Präsident wurde für zwei weitere Amtsjahre bestätigt. Der Mitgliederbestand stieg um 8 auf 80. «Wir hoffen, dass es kontinuierlich mehr werden», hofft René E. Gygax. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.03.2018, 16:37 Uhr

Stadtpräsident: «Wir wollen keine Geisterstadt»

Selber in der Oberen Hauptgasse aufgewachsen, legte Stadtpräsident Raphael Lanz beim Innenstadt-Leist seine persönlichen Ansichten und Ideen zum Gedeihen der Innenstadt dar. Er erinnerte daran, dass es in der Gasse einst mehrere Metzgereien und Bäckereien gegeben habe. Vieles habe sich verändert. Trotzdem, die Innenstadt sei und bleibe «das pulsierende Herz» von Thun.

Die Innenstadt müsse auch attraktives Wohngebiet bleiben, unter anderem, damit die Liegenschaftsbesitzer für Unterhalt und Sanierung der Gebäude Mieteinnahmen generieren könnten. Wäre das nicht möglich, würde die Altstadt aussterben: «Wir wollen keine Geisterstadt, aber auch nicht Dauer-Rambazamba», sagte er.

Es brauche den richtigen Mix von Wohnen, Gewerbe und Nachtleben, was zwangsläufig zu Nutzungskonflikten führe. Betroffene, die Stadt und der Innenstadt-Leist würden sich um eine gute Balance und die richtigen Rahmenbedingungen bemühen. «Wir dürfen uns nicht von der Entwicklung überrollen lassen», mahnte Lanz.

Für ein gesundes Gedeihen der Innenstadt brauche es innovative und mutige Ideen und Visionen. Das Stadtoberhaupt lieferte umgehend Beispiele: Eine Art Baldachin über dem Bälliz würde dessen Attraktivität steigern und wäre für die Besucher wettersicher. Attraktiv könnte – analog dem Quai – auch auf der gegenüberliegenden Aareseite ein Steg sein.

Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu fördern und den Suchverkehr zu stoppen, befand Lanz für «grundsätzlich» richtig. Die vereinbarten Massnahmen wie die Aufhebung von Parkplätzen seien umzusetzen – «aber schlau». Es könnten sich punktuell allenfalls auch andere Möglichkeiten zeigen.

«Es ist eine Schande und eine Schweinerei», ärgerte sich ein Hauptgässler. Er sprach die «gschämige» Pisserei, vor allem bei den Schlosstreppen, an. Das sei leider ein gesellschaftliches Problem, dem nur schwer beizukommen sei, fand Raphael Lanz.

Mit Kinderwagen oder Rollstuhl sei die Scherzligschleuse nicht zu nutzen, bemängelte eine Votantin. Ohne dortige Pfeiler, so der Konter vom Stadtoberhaupt, würden diese noch mehr Velofahrer – trotz Verbot – befahren. Immerhin würden solche, vorausgesetzt die Polizei sieht es, gebüsst.

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