«Die Bevölkerung hat keine Berührungsängste»

Oberhofen/Hilterfingen

Sollen und wollen die Gemeinden Oberhofen und Hilterfingen fusionieren? Am 5. Thunersee-Talk debattierten die Gemeindepräsidenten über Verbindendes und Trennendes.

Die Grenze zwischen den beiden Dörfern ist aus der Ferne kaum ersichtlich (Archivbild).

Die Grenze zwischen den beiden Dörfern ist aus der Ferne kaum ersichtlich (Archivbild).

(Bild: Steve Wenger)

«Die Bevölkerung hat mental eigentlich schon lange fusioniert», sagte Gerhard Beindorff (FDP) zur Frage, ob eine Fusion von Oberhofen und Hilterfingen möglich wäre. Der Gemeindepräsident Hilterfingens denkt dabei an die vielen fusionierten Vereine, die Zusammenarbeit in der Kirchgemeinde, den Schulverband oder den gemeinsamen Sozialdienst der beiden Gemeinden.

Eine politische Fusion der beiden Dörfer, deren Grenze aus der Ferne kaum ersichtlich ist und die scheinbar fliessend ineinander übergehen, stand schon vor 18 Jahren zur Diskussion. «Damals wurde es hitzig», sagte Moderator Michael Gerber am 5. Thunersee-Talk im Schulhaus Friedbühl.

Gedankenspiele zur politischen Zusammenarbeit

Am Donnerstagabend blieben die Gemüter trotz des kontroversen Themas ruhig. Wahrscheinlich lag das auch daran, dass die Diskussion noch auf der Ebene der Gedankenspiele stattfand und zu keinem Zeitpunkt konkret wurde. «Eine Fusion müsste man sehr langsam und subtil angehen», sagte Philippe Tobler (SVP), Gemeindepräsident von Oberhofen.

Sein Gesprächspartner Gerhard Beindorff sagte, dass eine Fusion verwaltungstechnisch «gar keine so grosse Sache» sein würde. Trotzdem habe er «viel Respekt» davor. «Die Bevölkerung hat keine Berührungsängste», bilanzierte Beindorff dann auch treffend, «auf politischer Ebene ist eine Fusion aber noch einmal ein anderes Thema.»

Die Gallier aus dem schönsten Dorf

Diesem Votum pflichtete auch Philippe Tobler (SVP) bei: «Hilterfingen und Oberhofen haben eine unterschiedliche Volksseele.» Hilterfingen sei eher eine «Schlafgemeinde», die sich sehr stark an Thun orientiere, meinte Tobler. «Oberhofen erinnert mich an ein gallisches Dorf», sagte Gemeindepräsident Philippe Tobler am Donnerstagabend und lieferte damit das Zitat des Abends. Er spielte damit auf die «eher isolierte» Lage des Dorfs am rechten Thunerseeufer an sowie auf die Tatsache, dass viele Einwohner mehr als ihr halbes Leben im Dorf verbracht haben und ihre Interessen und Meinungen deshalb auch äusserst emotional zu vertreten wissen.

Evident wurde diese Vermutung in den langwierigen Diskussionen rund um die geplante Erweiterung der Schulanlage Friedbühl, die letztes Jahr in Oberhofen äusserst emotional geführt wurden (wir berichteten). «Es war wie ein Kampf», blickt der Gemeindepräsident Philippe Tobler auf diese herausfordernde Zeit zurück. In Hilterfingen gestalteten sich die Abklärungen rund um den Rahmenkredit von 29 Millionen Franken für die alte Schulanlage weitaus einfacher. «Vielleicht hatte die Bevölkerung von Hilterfingen mehr Vertrauen in die Behörden und war deshalb weniger kritisch», mutmasste Gerhard Beindorff (FDP), Gemeindepräsident des Nachbardorfs.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...