Die Kunst kommt ins Freie

Steffisburg

Der neue Verein Kunsthaus Steffisburg will Kunst nicht in Räume sperren – und stellt deshalb etwa auf dem Dach der ehemaligen Busendstation auf dem Dorfplatz aus.

Auch auf dem Dach wird Kunst ausgestellt: Der Verein Kunsthaus Steffisburg eröffnet am Samstag seine erste Ausstellung in der ehemaligen Busendstation auf dem Steffisburger Dorfplatz.

Auch auf dem Dach wird Kunst ausgestellt: Der Verein Kunsthaus Steffisburg eröffnet am Samstag seine erste Ausstellung in der ehemaligen Busendstation auf dem Steffisburger Dorfplatz.

(Bild: Janine Zürcher)

Den öffentlichen Raum beleben und kaum genutzte Räume zu Begegnungsorten machen: Dies ist das Ziel des Vereins Kunsthaus Steffisburg. «Wir wollen kulturelle Impulse geben und Kunst und Kultur nicht in einen Raum einsperren, wo die Leute Eintritt dafür bezahlen müssen», sagt Präsident Urs Dolder.

Hinter dem im Februar 2018 gegründeten Verein stehen drei ehemalige Mitglieder der Kulturkommission Steffisburg, die per 31. Januar 2019 aufgelöst werden wird. Am kommenden Samstag stellt das Kunsthaus sein erstes Projekt vor: «Bes­tiarium helveticum», eine Gruppenausstellung verschiedener Schweizer Künstlerinnen und Künstler. Der Bieler Kunstschaffende Christoph Rihs hat das Programm für die erste Saison konzipiert. Die Vernissage findet auf dem Dorfplatz statt.

Nach Endstation benannt

Mit der Organisation von kulturellen Anlässen übernimmt der Verein einen Teil des Aufgabengebiets, das bisher der Kulturkommission unterstand. Diese wurde 1971 gegründet und ini­tiierte unter anderem 2012 die erste Ausgabe der Art Container Steffisburg, der Kunstausstellung in Schiffscontainern – jene fand dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt, diesmal von der Gemeinde organisiert. Zudem war die Kommission für den Aufbau der gemeindeeigenen Kunstsammlung, die rund 1300 Werke umfasst, verantwortlich.

Die alte, brachliegende Busendstation «Steffisburg Dorf» wurde von der Kulturkommission mit einer Aussenhülle neu gestaltet und in ein «Kunst»-Haus verwandelt.

«Wir wollen Kunst und Kultur nicht in einen Raum einsperren, wo die Leute Eintritt dafür bezahlen müssen.»Urs Dolder, Präsident Verein Kunsthaus Steffisburg

Damit sollte ein sicht­bares Zeichen im Steffisburger Aussenraum gesetzt werden. Das Haus konnte zudem als Plattform für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Jenes Projekt wurde nun zum Namensgeber des neuen Vereins.

«Überall und nirgends»

«Bis April haben wir die Zusicherung von der Gemeinde, dass wir das Bushaus als Lokal benutzen dürfen», sagt Präsident Dolder. Weitere Orte für Veranstal­tungen hat der Verein noch keine gefunden, deshalb werde das Kunsthaus anschliessend «überall und nirgends» unterwegs sein.

Auch Ausstellungen, die im Dorf verstreut stattfänden, seien denkbar. Die örtliche Ungebundenheit mache das Kunsthaus zu einem flexiblen Ort, «der sich in das dörfliche Leben einbettet und den Dialog mit den Menschen in und um Steffisburg sucht», wie in einer Mitteilung des Vereins zu lesen ist.

Kommende Veranstaltungen und Projekte seien noch nicht spruchreif, sagt Dolder: «Wir haben nun erst einmal viel Zeit in den Aufbau des Vereins ­investiert.» Eine zweite Ausstellung mit einem lokalen Künstler sowie einem Walliser Künstlerpaar sei jedoch für Dezember geplant, verrät Dolder, im Februar sei eine Performance vorgesehen.

Noch fehlt Geld

Bei der Gemeinde Steffisburg findet das neue Projekt Anklang: «Der Verein entwickelt die Ideen der Kulturkommission weiter, das begrüssen wir ebenso wie jeden Ansatz, der zur Aktivierung des Dorflebens beiträgt», sagt Gemeindepräsident Jürg Marti.

Die Finanzierung des Vereins wird zu einem grossen Teil durch Beiträge der öffentlichen Hand getragen, darunter die Gemeinde Steffisburg und die Stadt Thun sowie die Fondation Nestlé pour l’Art, die Ernst-Göhner-Stiftung und das Migros-Kulturprozent.

Über das Beitragsgesuch beim Kanton Bern wird im Herbst entschieden. Auch Private und Firmen leisten einen Beitrag. Trotzdem: «Um das geplante Programm im vorgesehenen Rahmen umsetzen zu können, fehlt uns noch ein namhafter Teil des Budgets», heisst es in der Mitteilung des Vereins.

Berner Zeitung

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