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Schwimmhalle Heimberg: Die Partner fordern ebenfalls Solidarität

Die Stadt Thun appelliert bei der Aufteilung der Kosten eines allfälligen Hallenbadbaus in Heimberg an die regionale Solidarität. Jetzt drehen die Nachbargemeinden den Spiess um.

Viele Gemeinden der Region möchten, dass auf diesem Rasen eine Schwimmhalle gebaut wird.
Viele Gemeinden der Region möchten, dass auf diesem Rasen eine Schwimmhalle gebaut wird.
Patric Spahni

Die Geschichte gibt in der Region weiter zu reden: Nachdem der Thuner Gemeinderat bekannt gegeben hatte, die vom Stadtrat bewilligten 150'000 Franken für die 300'000 Franken teure Planung einer regionalen Schwimmhalle in Heimberg definitiv nur dann auszuzahlen, wenn die bauwillige Genossenschaft einen Kostenteiler für das Bauprojekt vorlegt, hat diese entschieden, die Planung vorerst zu stoppen. Während sich Stadt und Genossenschaft in der Öffentlichkeit mit immer deutlicheren Worten gegenseitig die Schuld zuschieben, bleiben jene neun Gemeinden derzeit in den Diskussionen aussen vor, die allesamt bereit sind, einen Beitrag an die Planungskosten zu ­leisten.

«Thun und Heimbergmüssen mitmachen»

Mit 610'00 Franken ist Steffisburg bereit, neben Thun den grössten Beitrag an die Projektierung für das Hallenbad beizusteuern – «unter der Bedingung, dass auch die Standortgemeinde Heimberg und die Stadt Thun einen entscheidenden Beitrag leisten», wie Christian Gerber (EDU), Gemeinderat und Vorsteher des Ressorts Hochbau/Planung, sagt.

Er hoffe, so Gerber weiter, dass das Projekt wegen der aktuellen Blockade nicht endgültig gestorben sei. «Denn es dürfte sehr lange gehen, bis sonst jemand kommt, der ein vergleichbares Projekt in einer vergleichbaren Art realisieren möchte.» Für Gerber könnte der Bau einer regionalen Schwimmhalle in Heimberg «ein Musterbeispiel dafür sein, wie eine Region gemeinsam ein Projekt stemmen kann, das für jeden Einzelnen nicht machbar wäre».

Steffisburg hat denn auch bereits mit seinem Entscheid zur Projektierung einen Betrag von einer Million Franken für die Realisierung in Aussicht gestellt – unter Vorbehalt der Bewilligung durch den Grossen Gemeinderat.

Projekt hätte Vorbildcharakter

Niklaus Röthlisberger (SVP), Gemeindepräsident von Heimberg, sitzt auch im Verwaltungsrat der Genossenschaft Sportzentrum Heimberg. Er äusserte sich bereits, unmittelbar nachdem die Genossenschaft entschieden hatte, die Planung der regionalen Schwimmhalle zu stoppen, in beiden seiner Funktionen: «Nach allem, was mit dem Gemeinderat Thun vorgefallen ist, ist es ein logischer Entscheid, der nun getroffen wurde – leider.»

Auch wenn der Neubau im Dorf nicht unumstritten gewesen sei, besonders wegen der drohenden zusätzlichen Verkehrsbelastung: «Wir hätten den Bau sehr begrüsst.» Das vor allem auch, weil ein solches Projekt Vorbildcharakter gehabt hätte, wie Röthlisberger sagt. «Wir hätten zeigen können, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich als Gemeinden zusammentut.»

Appell an die regionale Solidarität

Speziell ist die Situation in ­Uetendorf: Das Stimmvolk hat erst 2018 an der Urne entschieden, das gemeindeeigene Lernschwimmbecken in der Schulanlage Riedern für mehr als 2 Millionen Franken zu sanieren – dies nur wenige Jahre nachdem das Freibad in der Riedern für mehr als 6 Millionen komplett erneuert worden war. Gemeindepräsident Albert Rösti (SVP) sagt, dass der Gemeinderat deshalb der Meinung sei, Uetendorf trage seinen Teil dazu bei, dass in der Region genügend Schwimmfläche vorhanden sei.

«Aber wir sind bereit, im Sinne der regionalen Solidarität einen kleineren Beitrag auch an eine Schwimmhalle in Heimberg zu leisten.» Das gelte symbolisch für die Planung, aber auch für den Bau. «Die Kosten müssen einfach in Kompetenz des Gemeinderates bleiben», sagt Rösti. Das wären aktuell höchstens 200'000 Franken.

Wunsch nach grösserem Kreis an Gemeinden

Mit 9'000 Franken hat Thier­achern als grösste von den kleinen Gemeinden rund um Thun auch den grössten Beitrag unter den kleinen an die Planung der Schwimmhalle zugesichert. «Bei einem Bauprojekt sähe die Summe anders aus», sagt Gemeindepräsident Sven Heunert (SP). «Da müssten wir vor die Gemeindeversammlung gehen – und entsprechend Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung leisten.»

So gesehen habe er Verständnis für die Stadt Thun, die eine gewisse Planungssicherheit einfordere und an die regionale Solidarität appelliere, bevor sie sich an den Planungskosten für eine Schwimmhalle beteilige. «Und», sagt Heunert, «an den Baukosten müssten sich wohl mehr Gemeinden beteiligen.»

Eine Einschätzung, die Brenzikofens Gemeindepräsidentin Sabine Lüthi (parteilos) teilt: «Einen Beitrag an den Bau nach demselben Kostenteiler könnten wir uns nicht leisten», sagt sie – macht aber gleichzeitig klar: «Für uns war es wichtig, ein Signal zu senden. Deshalb – und weil einige Leute aus dem Dorf die Angebote in Heimberg nutzen – hat sich der Gemeinderat entschieden, sich an den Planungskosten zu beteiligen.»

«Vorprojekt ist dafür nötig, Kosten zu ermitteln»

Von «Erstaunen» spricht der Uttiger Gemeindepräsident ad interim Andreas Reber (SP). «Wie ich aus meinem beruflichen Umfeld weiss, wird ein Vorprojekt unter anderem zur genaueren Kostenermittlung ausgearbeitet.» Dadurch werde schliesslich auch klar, welche Kosten auf wen zukommen, würde man dereinst ein Projekt konkret in Angriff nehmen. So gesehen sei für ihn die Forderung der Stadt Thun nach einem Kostenteiler für das Bauprojekt «nur schwer» nachvollziehbar.

Aber: «Es geht hier nicht darum, der Stadt Thun den Schwarzen Peter zuzuschieben.» Er glaube daran, dass die regionale Schwimmhalle noch eine Chance habe – wenn alle zusammenarbeiteten. Nicht zuletzt auch aus diesem Grund habe sich der Gemeinderat Uttigen dazu entschieden, das Vorprojekt mitzutragen und den notwendigen Beitrag zu sprechen.

«Harren der Dinge, die da kommen»

Für Ernst Waber (SVP), Gemeindepräsident von Kiesen, ist klar: «Die Finanzierung des Schwimmhallenbaus müsste breiter abgestützt sein.» Trotz der derzeitigen Verstimmung zwischen der Stadt Thun und der Genossenschaft Sportzentrum ist Waber guter Dinge: «Ich glaube, dass das am Ende schon gut kommt – auch wenn jetzt intensiv gefeilscht wird.»

Peter Schmid (parteilos), Gemeindepräsident der Nachbargemeinde Oppligen, bedauert, «dass das Projekt jetzt gestorben sein soll», wie er sagt. «Oppligen hätte sich gerne beteiligt – und wäre auch bereit gewesen, sich als Genossenschafter finanziell am Bau zu beteiligen.» Gleichzeitig mahnt Schmid, dass der Kreis der Gemeinden, die sich an den Baukosten beteiligen könnten, relativ weit gezogen werden könnte. «Vom Thunersee über das Zulg- und das Kiesental bis in das Gürbe- und das Aaretal liesse sich problemlos ein Kreis von rund 40 Gemeinden bilden, den man mit Blick auf ein Bauprojekt um finanzielle Unterstützung angehen könnte», rechnet er vor.

Auch Stefan Gyger (SVP), Gemeindepräsident von Amsoldingen, glaubt nicht, dass das Projekt regionale Schwimmhalle tatsächlich am Ende ist. «Auf mich wirkt der gemachte Stopp in Kenntnis der hängigen Motion im Thuner Stadtrat etwas seltsam», sagt Gyger – und fügt stellvertretend für all seine Amtskollegen und seine -kollegin an: «Wir harren gespannt der Dinge, die da kommen.»

Zum Beispiel in der Sitzung des Thuner Stadtrats vom 13. Dezember. Dann berät das Stadtparlament über eine dringliche Motion der SVP-Fraktion. Diese verlangt, dass die Stadt Thun ihren Anteil an den Planungskosten sofort und ohne Bedingungen freigibt, damit das Projekt regionale Schwimmhalle nicht scheitert, bevor es richtig gestartet wurde.

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