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Die Rabattschlacht hat Thun erreicht

Eine Umfrage unter Händlern zeigt: Der Black Friday, der «Schwarze Freitag», ist in Thun angekommen. Was die Konsumenten freut, macht jedoch nicht alle Warenhausbetreiber glücklich.

Der Black Friday ist auch in Thun von Jahr zu Jahr präsenter. Hier ein Blick in den Laden der Modekette Chicorée im Bälliz.
Der Black Friday ist auch in Thun von Jahr zu Jahr präsenter. Hier ein Blick in den Laden der Modekette Chicorée im Bälliz.
Patric Spahni

«Wir machen wohl oder übel mit», sagt Bernhard Schaufelberger, Inhaber des gleichnamigen Warenhauses in der Thuner Innenstadt. Und er fügt gleich an: «Es ist das erste Mal, dass wir mit speziellen Aktionen dabei sind.» Angesprochen ist der Black Friday, der am Freitag weltweit Millionen von Schnäppchenjägern in die Geschäfte locken wird. Wie genau das Unternehmen den Shoppingevent zelebrieren wird, gibt Bernhard Schaufelberger nicht preis. Nur so viel: «Wir werden ein paar tolle Angebote mit Überraschungseffekt bereitstellen.» Klar jedenfalls ist: Die Rabattschlacht in Thun ist lanciert.

Von einer Schlacht um Rabatte will Schaufelberger indes nicht sprechen. Denn eine wilde «Rabattiererei» sei nicht das Credo des traditionellen Thuner Unternehmens. Dennoch sei es praktisch Pflicht, am Freitag nicht abseitszustehen, weil andere Anbieter in Thun ebenso auf den Hype aufgesprungen seien. Zudem sei der Black Friday mittlerweile in den Köpfen der Shoppingfreudigen mehr als präsent.

«Es gibt Kunden, die im Vorfeld nachgefragt haben, ob es Rabatte gibt», sagt Schaufelberger und fährt fort: «Es ist eine zwiespältige, kurzfristige Lockvogelangelegenheit.» Für ihn ist klar: «Fair und nachhaltiger ist es, den Kunden das ganze Jahr über attraktive Konditionen anzubieten.» Schaufelberger glaubt allerdings nicht, dass der Black Friday das Weihnachtsgeschäft gross beeinflussen wird: «Viele Leute haben ein Weihnachtsbudget. Dieses wird ausgeschöpft, ob Rabatttag oder nicht.»

Nicht ins Extreme treiben

Auch Sven Oesch, Leiter Marketing Loeb AG, setzt auf den Shoppingtag. Das Warenhaus buhlt am Freitag und Samstag mit Rabattaktionen um Kunden. 20 Prozent werden es sein. «Weil der Rabatttag in Bern bislang für Frequenzsteigerungen im Geschäft sorgte, sollen heuer erstmals auch die Thuner Kunden profitieren», betont er.

Zudem gibt es Rabatte für Stammkunden. Sie wurden von Loeb Mitte November mit einem beliebig einlösbaren Rabattgutschein von 25 Prozent ausgestattet. Beide Rabattaktionen bezeichnet der Marketingleiter «als Weihnachtsgeschenk an unsere Kunden». Wie Oesch weiter ausführt, will Loeb den Rabattwahnsinn nicht ins Extreme treiben. Es werde lediglich etwas mehr Personal aufgeboten, ansonsten aber laufe das Thema im herkömmlichen Geschäftsgang.

Leute sind kaufwillig

Rabatte am «Schwarzen Freitag» sind im Warenhaus Manor beim Thuner Bahnhof seit 2015 Usus. «Jetzt ziehen erstmals auch andere mit», sagt Warenhauschef Nermin Rizovic. Und weiter: «Wenn wir nicht mitmachen, verlieren wir an Umsatz, deshalb ist das Thema für uns sehr wichtig.»

Bewusst hat Manor die Schlacht um Rabatte auf Mittwoch, Donnerstag und Freitag verteilt. Dabei wechseln die Prozente täglich von Abteilung zu Abteilung. «Damit lassen sich die Frequenzen besser verteilen, und die Schlangen an den Kassen werden weniger», erklärt Rizovic. Er ist überzeugt, dass sich die Sonderaktionen unter dem Strich lohnen werden: «Die Leute sind dann kaufwillig.»

Zwar brauche es mehr Personal, aber kaum aufwendige Vorbereitungen. Zudem lanciere der Black Friday das Weihnachtsgeschäft. «Die Leute kommen wegen der Rabatte ins Geschäft, entdecken andere Produkte und kommen später wieder.»

Normalbetrieb geht nicht

«Heuer machen wir richtig mit», betont derweil Jaqueline Greub, Geschäftsführerin bei Globus Thun. Seit gestern locken bis zu 30 Prozent auf gewissen Produkten. «Wenn wir nicht auf den Black Friday setzen, verlieren wir Kundschaft», sagt die Geschäftsführerin. Normalbetrieb also geht nicht.

Greub rechnet an besagtem Freitag mit einem Mehrumsatz von 20 bis 30 Prozent. Aber: «Unter dem Strich dürfte es sich wohl kaum lohnen.» Denn es brauche mehr personelle Ressourcen und ein paar Tage Vorbereitungszeit. Zudem seien die Kundenfrequenzen vor der Rabattschlacht deutlich tiefer als an durchschnittlichen Tagen. «Die Leute sind zuvor zurückhaltend und warten auf diese Tage», so Greub. Sie ist ebenso überzeugt, dass damit das Weihnachtsgeschäft torpediert und gebremst wird.

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