«Die Resultate der Jungen sind immer ein Aufsteller»

Der Schönrieder Johny Wyssmüller (60) ist seit 2008 Präsident des Berner Oberländischen Skiverbands. Der Schönrieder Skischulleiter äussert sich zur Nachwuchsarbeit und zu den Herausforderungen, denen sich der Verband zu stellen hat.

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Der BOSV feiert dieses Jahr das 100-Jahr-Jubiläum. Wie sieht der Präsident die Perspektiven des regionalen Skiverbands?Johny Wyssmüller: Wir wollen das hohe Niveau weiterführen. Eine Herausforderung ist unter anderem die Bereitstellung des Budgets. Die 800 000 Franken ­gehen zu 90 Prozent in den Sport. Gefördert werden alle Schneesportdisziplinen. Nebst den Alpinen gilt es auch Langlauf, Sprunglauf, Skicross, Freeski kompetent zu unterhalten. Auch der Breitensport hat seinen Platz. Die Förderung des Nachwuchses ist ein zentrales Thema.

Die Nachwuchsarbeit im Verband wird mit grossem Aufwand betrieben. Trotzdem ist die Basisarbeit eines der Sorgenkinder. Ist der Skiclub ein «Auslaufmodell»? Obwohl der BOSV in den letzten Jahren professionelle Strukturen eingeführt hat, sind unsere Skiclubs nach wie vor unsere wich­tigsten Partner. Die Clubs funktionieren mit wenigen Ausnahmen auf ehrenamtlicher Basis. Unzählige J+S-Leiter, ausgebildete Trainer und Skilehrer betreuen die Kinder. Der Skiclub ist die beste Einstiegsmöglichkeit für die Jugendlichen. Einen wesentlichen Anteil leisten auch die Eltern. Das Engagement ist gross. Nicht alle sind bereit, diesen grossen Aufwand zu betreiben. Letztlich aber ist die Eigenverantwortung ausschlaggebend. Der rote Teppich wird im Skirennsport niemandem ausgerollt.

Wie können die Kinder zum Schneesport geführt werden? Der Schneesport begeistert in der Schweiz immer noch einen grossen Teil der Bevölkerung. Der BOSV initiiert Schülerevents. Lokale Skischulen bieten zum Teil für vorschulpflichtige Kinder ­unentgeltliche Kurse an. Wir möchten den Kindern das Erlebnis Schneesport eins zu eins näherbringen. Unerlässlich sind, wie schon erwähnt, «aufgestellte» Betreuer, im Skisport JO-Leiter genannt.

Der regionale Skirennsport hat an Bedeutung verloren. Skiwettkämpfe, die früher fast überall organisiert wurden, gibt es nicht mehr. Grassiert da eine allgemeine Gleichgültigkeit? Der alpine Skisport hat sich gewandelt. Tatsächlich hat zum Beispiel der Raiffeisen-BOSV-Cup an Teilnehmern eingebüsst. Dafür gibt es nun kantonsübergreifende Rennen. Etwa mit dem Deutschfreiburger Skiverband. Es muss in unserem Bestreben sein, den frühzeitigen Ausstieg der jugendlichen Skirennfahrer zu verhindern. Dazu gibts verschiedene Ansätze. Skiwettkämpfe können immer noch «cool» sein. Vor 20 Jahren gab es die Handicap-Rennen, «Ski-Open» genannt. Seit drei Jahren ist es die Amateur-Schweizer-Meisterschaft, die übrigens von Mike Oesch gewonnen wurde, der als Mitglied von Oesch’s die Dritten bekannt ist.

«Es muss in unserem Bestreben sein, den frühzei­tigen Ausstieg der jugendlichen Skirennfahrer zu verhindern.»Johny Wyssmüller

Wo sind die Berner Oberländer Topathleten geblieben? Die Teilverbände sind immer einer gewissen Wellenbewegung ausgesetzt. Noch vor nicht allzu langer Zeit haben Mike von Grünigen oder Bruno Kernen Goldmedaillen an der Ski-WM abgeholt. Martina Schild gewann an den Olympischen Spielen in Turin Edelmetall, Marlies Oester schaffte einen Podestplatz an der Ski-WM 2003 in St. Moritz, und noch in bester Erinnerung ist der Olympiasieg von Mike Schmid im Skicross in Vancouver. Wir haben Athleten wie Joana Hählen oder Nils Mani, die in der vergangenen Saison Top-Ten-Resultate an den FIS-Weltcuprennen erzielt haben und vielleicht bald durch noch bessere Platzierungen aufhorchen lassen. Matthias Brügger und Noel von Grünigen haben viel Potenzial in den technischen Disziplinen. Nicht zu vergessen ist die Saanenländerin Nathalie von Siebenthal, die sich immer mehr der Weltspitze im Langlauf annähert.

Wird die 100-Jahr-Jubiläumsfeier vom 2. Juni in Thun zu Ihrem persönlichen Höhepunkt? Der BOSV ist der erste Regionalverband, der dieses Jubiläum feiern kann. Für mich und die ganze Vorstandscrew ist es sicher ein Höhepunkt. Ich habe in meinen bald zehn Jahren als Präsident viele Höhepunkte miterleben dürfen. Ich denke da an die Einführung der vier regionalen Leistungsportzentren. Die bemerkenswerten Resultate unserer jungen Athleten sind für mich immer ein Aufsteller. Die Weltcuprennen in Adelboden und Wengen oder das Jugendskilager an der Lenk und viele weitere Anlässe füllen meinen Terminkalender. So gibt es zahlreiche Begegnungen. Diese Kontakte sind für mich das wertvollste Gut in meiner Tätigkeit.

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