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Die SMS des 19. Jahrhunderts

Obwohl schon seit mehr als 150 Jahren ähnliche Texte auf Postkarten zu ­lesen sind, sahen die ersten Karten ganz anders aus, als man sie heute kennt. Als neue Erfindung revolutionierte die Postkarte jedoch den Post­verkehr.

Diese Karte von einem Turnfest reiste bis nach Long Island, New York. Jetzt befindet sie sich wieder in Thun in der Sammlung von Urs Steinmann.
Diese Karte von einem Turnfest reiste bis nach Long Island, New York. Jetzt befindet sie sich wieder in Thun in der Sammlung von Urs Steinmann.
zvg
Bis 1905 wurde auf die Vorderseite der Postkarte geschrieben, da die gesamte Rückseite für die Adresse reserviert war.
Bis 1905 wurde auf die Vorderseite der Postkarte geschrieben, da die gesamte Rückseite für die Adresse reserviert war.
zvg
Adressangaben waren vor 100 Jahren?noch etwas einfacher. Diese Karte, lediglich an eine Frau Brand, Lehrerin in Thun, adressiert, scheint nämlich trotzdem angekommen zu sein.
Adressangaben waren vor 100 Jahren?noch etwas einfacher. Diese Karte, lediglich an eine Frau Brand, Lehrerin in Thun, adressiert, scheint nämlich trotzdem angekommen zu sein.
zvg
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«Wenn man Postkarten sammelt, liest man manchmal die verrücktesten Geschichten», schmunzelt Urs Steinmann. Ein junger Soldat schrieb beispielsweise im Jahr 1923 einem Freund von seiner Zeit in der Rekrutenschule und sagte ihm, wenn er verblöden oder geistig verwelken wolle, dann solle auch er Soldat werden.

Der 64-jährige Urs Steinmann dokumentiert mit seiner Postkartensammlung deshalb nicht nur Thuns Geschichte, sondern bewahrt damit auch Momente und Erinnerungen der Verfasserinnen und Verfasser der Texte. Viel habe sich aber von den Themen her nicht verändert.

Die ersten Karten

Auch wenn die Texte der Grusskarten sich in den letzten 150 Jahren nur sehr wenig von den heutigen unterscheiden, so hat sich die Art, wie auf die Karten geschrieben wird, stark verändert. Bis zum 19. Jahrhundert wurden Nachrichten lediglich in Form von Briefen verschickt. Diese mussten gewissen Normen entsprechen und waren nicht immer ganz günstig.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam deshalb das Bedürfnis nach kürzeren Botschaften in Form eines günstigeren Mediums auf – also so etwas wie einer SMS. 1869 führte deshalb die Österreichische Post die sogenannte Correspondenzkarte ein, die es ab 1870 auch in der Schweiz gab.

Diese Karten hatten aufgedruckte Wertzeichen und Zeilen für die Adresse, auf die leere Rückseite konnten dann die Kurznachrichten geschrieben werden. Bald darauf kamen Postkarten mit aufgedruckten Bildern – die meistens der Werbung dienten – auf, bei denen die Schreibenden einfach um das Bild herum schrieben, wozu aber kaum Platz da war.

Erst 1905 gab die Post dem Druck der Verlage nach, die Adressseite auch für private Texte verwenden zu können. Das führte dazu, dass sie die Aufteilung erlaubte, wie man sie auch heute noch kennt.

Quelle:Thema der Woche. Die Geschichte der Postkarte, Radio SRF 2 Kultur, 25. August 2008.

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