Die Toten Hosen liessen es rot-weisse Konfetti regnen

Matten

Die Toten Hosen traten bei der ersten Ausgabe des Greenfield Festivals vor 14 Jahren auf. Am Donnerstag kehrte die Punkband um Frontmann Campino zurück.

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Zum Schluss kam er doch noch, der prunkvolle Pomp, das Grande Finale. Es regnete rot-weisse Konfetti vom Himmel, als Campino auf der Greenfield-Bühne zum Schlussspurt ansetzte. Rot und Weiss sind nicht nur die Farben des Fussballclubs aus seiner Heimatstadt Düsseldorf, sondern auch jene des FC Liverpool, dessen Champions-League-Triumph der Sänger der Toten Hosen zusammen mit Gitarrist Michael «Breiti» Breitkopf unlängst in Madrid live miterlebt hat.

Ein Cover der Liverpooler Fan-Hymne «You’ll Never Walk Alone», gitarrenkonform auf den Punk-Stil getrimmt, schloss die grosse Hosen-Show ab. «Ich sorge dafür, dass Xherdan Shaqiri dieses Video zu sehen bekommt», versprach Campino und heizte das Publikum an diesem Abend ein letztes Mal an.

Genau genommen war es bereits am frühen Morgen, als die Toten Hosen die Bühne des Greenfield Festivals verliessen. Ihr Konzert dauerte zwei volle Stunden, was für Festivals doch eher unüblich ist. Aber bei Campino und seinen Kumpanen sind in bald 40 Jahren Bandgeschichte doch einige Lieder entstanden, die an einem Festivalkonzert nun mal nicht fehlen dürfen. «Hier kommt Alex» beispielsweise ist so ein Hit.

Er stammt aus einer Zeit, als Deutschland noch in West und Ost unterteilt war. Aus den 90er-Jahren stammt der vorgestrige Eröffnungssong «Bonnie & Clyde», der ebenfalls weit über die Fangemeinschaft der Toten Hosen hinaus bekannt ist. Und die Veröffentlichung von «Tage wie diese» ist erst ein paar Jahre her.

Nur wenig verändert hat sich in all diesen Jahren der Sound, der diese Band ausmacht: Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren, Campino. Fertig. Nicht mehr, nicht weniger. Wer auf feine musikalische Schnörkel steht, der sucht an einem Hosen-Konzert vergebens. Ihr Talent liegt beim Schreiben von eingängigen Songs, untermalt von der puren Energie der Stromgitarren.

Die Energie der Musiker selber hat, wenn überhaupt, mit den Jahren nur wenig nachgelassen. Campino, Breiti, Andi, Kuddel und ihr britischer Schlagzeuger Vom Ritchie gehen stramm auf die 60 zu. Ihre Spielfreude ist ungebrochen.

Erinnerungen an 2005

So machte das Konzert am späten Donnerstagabend – es war das erste grosse Highlight des Greenfield Festivals 2019 – richtig Laune. Campino beherrscht die Kunst, das Publikum in den kurzen Pausen zwischen zwei Songs für sich zu gewinnen. Seine Band spielte übrigens auch schon beim allerersten Greenfield Festival im Jahr 2005. Campino hat nicht nur gute Erinnerungen an diesen Auftritt vor 14 Jahren: Dass es in Strömen geregnet hat, störte ihn überhaupt nicht («das war geil!»), aber dass seine damalige Freundin in Interlaken mit einem Niederländer anbandelte, fand der Sänger weniger lustig.

Auch dem Herzschmerz haben die Hosen ein Lied gewidmet. Es heisst «Alles aus Liebe», und ein weiteres Mal johlte der Flugplatz Interlaken aus tausend Kehlen mit. Dazu hüllten grelle Pyro-Fackeln auf dem ausgedienten Flugplatz-Tower sowie auf der Bühne das Festivalgelände kurzzeitig in einen beissenden Schwefelgestank.

Mit fast 30 Songs in der Setliste, inklusive der rekordverdächtigen Anzahl von acht Zugaben, war das Konzert am Greenfield Festival war das Konzert der Toten Hosen vollgepackt. Aber es ging in Ordnung: Punkmusik ist leicht verdaulich, der Funke auf das Publikum sprang über. Es stieg eine grosse, laute Party zum Mitsingen.

Berner Oberländer

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