«Die Verhandlungen mit Lieferanten gestalten sich schwierig»

Die Probleme der Stiftung Pluspunkt und der Konkurs der Gasthof zum Lamm AG haben letzte Woche für Wirbel gesorgt. Lieferanten müssen sich über 150 000 Franken ans Bein streichen.

Der Gasthof zum Lamm im Gwatt: Zumindest bis auf weiteres bleibt er trotz dem Konkurs der Gasthof zum Lamm AG offen.

Der Gasthof zum Lamm im Gwatt: Zumindest bis auf weiteres bleibt er trotz dem Konkurs der Gasthof zum Lamm AG offen.

(Bild: Michael Gurtner)

Die Gasthof zum Lamm AG in Konkurs, die Stiftung Pluspunkt mit unsicherer Zukunft, das Arbeitsverhältnis mit dem Gründer und Geschäftsführer aufgelöst: Die Ereignisse rund um die Institution, die an drei Stand­orten in Thun und Spiez rund 50 Jugendliche und junge Erwachsene betreut, schlugen hohe Wellen.

Stiftungsratspräsident Gian Sandro Genna betonte gegenüber dieser Zeitung, dass die Angebote weitergeführt würden und dass das Lamm trotz dem Konkurs der Gasthof zum Lamm AG zumindest bis auf weiteres offen bleibe. «Den grössten Verlust trägt die Stiftung Pluspunkt als Eigentümerin der konkursiten AG», betont Genna im Zusammenhang mit dem Konkurs – und beziffert den Schaden für die Stiftung nun auf «weit über 500 000 Franken, inklusive Aktienkapital der AG von 100 000 Franken sowie Darlehen».

Gibt es noch Lieferanten?

Stark betroffen sind aber auch Lieferanten: Sie müssten auf über 150 000 Franken verzichten, sagt Genna. Laut einem Leser habe die Gasthof zum Lamm AG im Wissen um die Zahlungsunfähigkeit – und bevor der Konkurs publik wurde ­– weiterhin für Zehntausende Franken Waren bestellt. «Dazu kann ich nur sagen, dass es für jeden Lieferanten immer ein Risiko darstellt, Ware gegen Rechnung zu liefern. Abgesehen davon steht das Bestellwesen in der Verantwortung der operativen Führung des Gasthofes, nicht in jener des Verwaltungsrates», führt der Stiftungsratspräsident aus.

Stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch Lieferanten für den Weiterbetrieb des Lamms – oder springen diese nun reihenweise ab? Die Verhandlungen gestalten sich «nachvollziehbarerweise schwierig», sagt Gian Sandro Genna. Aber es gebe durchaus Lieferanten, denn: «Wir sind nach wie vor ein attraktiver Partner, da unser Geschäft grundsätzlich gut läuft und Potenzial hat.» In Bezug auf den Konkurs der Gasthof zum Lamm AG habe die Stiftung Pluspunkt im Übrigen bisher kaum negative Rückmeldungen von Lieferanten, Partnern und Spendern erhalten.

«Spenden zweckgebunden»

Doch gerade auch Letztere dürften vor den Kopf gestossen sein: Müsste eine soziale Stiftung nicht umso sorgfältiger mit ihren Geldern umgehen? «Die Stiftung Pluspunkt ist ein Start-up-Unternehmen», antwortet Genna. «Wir haben jeden Franken in den Betrieb und unser Wachstum investiert. Viele massgebliche Spenden wurden gerade auch zweckgebunden für betriebliche Investitionen und für den weiteren Ausbau unserer Angebote getätigt.» Diese Investitionen seien auch nicht verloren, «da wir den Betrieb und die Stiftung sichern und die Arbeits- und Klientenplätze retten konnten». Zur Erinnerung: Genna sucht nach Kooperationspartnern für Pluspunkt, weil die Stiftung in vielen Bereichen allein die nötige Grösse nicht habe. Zu möglichen Partnern und zum Stand der Verhandlungen kann er noch keine Angaben machen.

Marktwirtschaftlicher Ansatz

Zur Stiftung Pluspunkt gehört nebst der konkursiten Gasthof zum Lamm AG weiter die Pluspunkt Integrationsbetriebe AG. Warum wurde dieses Firmenkonstrukt gewählt? Provokativ gefragt: in weiser Voraussicht, ­damit der schwächste Teil im schlimmsten Fall Konkurs machen kann? «Nein», beteuert Genna. «Wir pflegen im Unterschied zu anderen Institutionen einen konsequent marktwirtschaftlichen Ansatz: Wir wollen, dass unsere Betriebe wie ‹richtige› Unternehmen funktionieren.» Deshalb seien diese aus der Stiftung in Aktiengesellschaften ausgelagert worden. «Diese Betriebe bewegen sich am freien Markt und stehen in Konkurrenz zu anderen Unternehmen. Es wäre nicht richtig, sie direkt über die Stiftung zu führen.» Die Pluspunkt Integrationsbetriebe AG sei überdies auch ein «Gönnerklub», weil sich daran auch Privataktionäre beteiligen könnten.

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