Die Zeichen stehen auf Heirat

Steffisburg

Die Gemeinderäte von Steffisburg und Schwendibach können einen Fusionsvertrag ausarbeiten. Doch eine Liebesgeschichte ist das nicht.

Steffisburg diskutierte am Freitagabend über die Fusion mit Schwendibach.

Steffisburg diskutierte am Freitagabend über die Fusion mit Schwendibach.

Marco Zysset@zyssetli

«Es ist keine Zwangsheirat. Auch keine Liebesheirat. Es ist eine Zweckheirat.» Daniel Schmutz von der Fraktion SP/Grüne brachte das Grundgefühl auf den Punkt, das am Freitag im Grossen Gemeinderat (GGR) vorherrschte.

Alle Votanten waren sich einig: Eine Eingemeindung von Schwendibach bringt Steffisburg keinen Nutzen.«Wir bedauern, dass eine Viererfusion im linken Zulgtal kein Thema ist», sagte etwa Michael Rüfenacht von der BDP-Fraktion.

Ursula Saurer von der SVP betonte, namentlich die Schule Linkes Zulgtal werde «grösste Probleme haben», wenn die Schwendibacher Kinder dereinst in Steffisburg zur Schule gehen würden.

Reto Neuhaus von der Fraktion FDP/GLP betonte wie andere Sprecher auch, dass es «richtig und wichtig» sei, dass Steffisburg Hand biete zu einer Lösung. ­«Zumal der Kanton sowieso wahrscheinlich den Druck für solche Zusammenschlüsse erhöhen dürfte.»

«Es ist keine Zwangsheirat. Auch keine Liebesheirat. Es ist eine Zweckheirat.»Daniel Schmutz (SP/Grüne)

Steffisburg bietet Hand, Schwendibach, das als Gemeinde unter Druck steht, muss aber selber über seine Zukunft entscheiden: Diese Sicht der Dinge setzte sich schliesslich im ganzen GGR durch. So sagte der Rat einstimmig Ja dazu, dass die beiden Gemeinderäte von Steffisburg und Schwendibach ermächtigt werden, einen konkreten Fusionsvertrag auszuarbeiten. Dieser wird dann am am 3. Mai 2019 den Stimmberechtigten beider Gemeinden vorgelegt.

Präsident im Ausstand

Wobei Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP) eingangs betont hatte: Wer nicht wolle, dass Steffisburg und Schwendibach per 1. Januar 2020 fusionieren, solle jetzt Nein sagen. «Es ist nicht das Ziel, dass die Verwaltung Ressourcen investiert und einen Fusionsvertrag ausarbeitet, dieser dann aber abgelehnt wird», sagte er.

Die Gemeinden verhandeln seit 2014 über einen allfälligen Zusammenschluss. Ausschlaggebend ist nicht zuletzt die Finanzlage in Schwendibach; kritisch diskutiert wurde nicht erst am Freitag die Frage nach den Folgen der Fusion für die Schule Linkes Zulgtal.

Aus diesem Grund trat am Freitag auch GGR-Präsident Reto Jakob (SVP) in den Ausstand: Er übernimmt im Sommer die Leitung jener Schule, die im Fall einer Fusion per 1. August 2020 mehr als 30 Schüler an Steffisburg verliert.

Ja aus Schwendibach

An einer ausserordentlichen ­Gemeindeversammlung sagte Schwendibach am Freitag ebenfalls Ja dazu, dass ein konkreter Fusionsvertrag zwischen den beiden Gemeinden ausgearbeitet werden soll. Damit stehen die Zeichen in Steffisburg und Schwendibach definitiv auf eine Heirat in absehbarer Zeit.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt