Ein Duo rockt die Scheune

Zwieselberg

Mit «Oh Alpenglühn!» von Mirko Bott präsentierte der Verein Hoftheater auf dem Anwesen von Familie Schäfer in Zwieselberg ein musikalisches Knall­bonbon.

Massimo Marco Camizzi im Stück «Oh Alpenglühn!» in der Scheune der Familie Schäfer in Zwieselberg.

Massimo Marco Camizzi im Stück «Oh Alpenglühn!» in der Scheune der Familie Schäfer in Zwieselberg.

(Bild: Christoph Gerber)

In der altbackenen Stube einer Alphütte schmettert Hubi (Massimo Marco Camizzi) «La Montanara» beim Zurechtzupfen von Spitzendeckchen, als die Musicaldiva Carolin (Katharina Bohny) im Gucci-Fummel und mit pinkfarbenem Rollkoffer den Berg raufkeucht. Sie erwartet ein Wellnesshotel – er freut sich schon auf die «unterzuckerte Bergziege auf Pumps», deren Besuch eingefädelt ist.

Nach anfänglichem Gezicke gelingt es Hubi mit Selbstgebranntem, die Tussi Carolin dazu zu bewegen, dass sie Latzhose und Gummistiefel anzieht. Mit der Schnapsflasche im Arm den anspruchsvollen «Frühlingsstimmen-Walzer» von Strauss jauchzend, ­strapaziert sie mit ihrer Umkleidungsperformance nicht nur die Sprungfedern der Couch, sondern auch die Lachmuskeln des Publikums.

Mutter mit der Blumenkohlfrisur

Amor hat ins Schwarze getroffen, wäre da nicht Hubis Mutter Rosa, die zwar schon verblichen ist, aber als Porträt und mahnender Dämon an der Wand hängt. Das Bild hat verblüffende Ähnlichkeit mit Hubi, allerdings trägt die abgebildete Person eine Art Blumenkohlfrisur. Carolin darf im Sterbezimmer der Mutter wohnen: «Es ist noch alles so wie an dem Tag, als sie gestorben ist», versichert Wurzelsepp Hubi und säuselt ihr «I Never Promised You a Rosegarden» ins Ohr.

Das ist nur einer von gut zwei Dutzend Hits, die im Laufe der turbulenten Komödie erklingen. Beim grandiosen «Great Balls of Fire» dient Hubi ein Besen als Luftgitarre, Mikrofon und Phallussymbol. Carolin beschwört mit «Hohe Berge» den Neue-Deutsche-Welle-Star Fräulein Menke aus den Achtzigerjahren wieder herauf.

Haarsträubende Dialoge, gesanglich starke Auftritte und ein Darstellerduo aus der Profiliga mit der Power eines ganzen Ensembles sorgen in der Scheune des Schäfer-Hofs in Zwieselberg für ausgelassene Stimmung. Schon beim zweiten Takt des «Dirty Dancing»-Hits «Time of My Life» feiert das Publikum die Tanzeinlage des Duos, in der ­Baby-Bohny sogar zum legendären Sprung ansetzt – der allerdings als eingesprungener Hüftklammerer endet und mit brüllendem Gelächter honoriert wird.

Auch als Mann mit Wampe brillant

Die Musikkomödie «Oh Alpenglühn!» von Mirko Bott, Leiter des Hamburger Schmidt-Theaters, animiert zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitfiebern, wenn Ehemann Heinz-Peter zu den Klängen von «Spiel mir das Lied vom Tod» seinem Widersacher Hubi gegenübersteht. Als Heinz-Peter brilliert körpersprachlich wie gesanglich Katharina Bohny mit Bühnenwampe, Herrenanzug und dem Hit von Marius Müller-Westernhagen «Es geht mir gut». Kurz darauf ist das nicht mehr der Fall, denn Heinz-Peter wird von Hubi kaltgemacht. Das stört das Publikum nicht weiter, immerhin gibts ein Happy End mit Roland Kaisers «Dich zu ­lieben».

Es ist ein Genuss, Katharina Bohny und Massimo Marco Camizzi zuzuschauen, wie sie sich mit allen Registern ihres darstellerischen sowie gesanglichen Könnens auf der Bühne austoben. Eine perfekte Technik sorgt für reibungslose Halb-Play-backs bei den Hits, bei denen nicht selten mitgesungen wird. Tonnenschweres Können trifft auf federleichte Unterhaltung. Zusammen mit der erlesenen Bauernküche, die Familie Schäfer vor der Aufführung anbot, kam bei den über 200 Gästen ausgelassene Volksfeststimmung auf.

Weitere Aufführungen im Raum Thun-Bern. 10. und 11. August: Familie Schmutz, Kehrsatz. 7. September: Familie Reusser, Heiligenschwendi. Tickets auf www.hof-theater.ch.

Thuner Tagblatt

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