Ein grosser Pluspunkt, aber...

Ein Kommentar von Redaktor Michael Gurtner zur Übernahme der Gasthof zum Lamm AG in Gwatt durch die Zollikofer Stiftung Gewa.

Die Gasthof zum Lamm AG in Konkurs, die Stiftung Pluspunkt in Schieflage: Im Sommer drohte das Aus für eine wichtige Institution, die in der Region 50 junge Erwachsene betreut. Der Stiftungsrat tat in der Not das einzig Richtige, suchte einen starken Übernahmepartner und fand ihn in der Gewa – Stiftung für berufliche Integration.

Es ist eine Lösung, die überzeugt und die das schlimmstmögliche Szenario abwendet. Dass die Gewa – primär mit dem Herzen – zu dieser Übernahme Ja gesagt hat, ist ihr hoch anzurechnen. Sie geht durchaus einige Risiken ein. Nachvollziehbar ist, dass die Gewa den hoch defizitären Betrieb des Restaurants Lamm nicht übernehmen wollte. Was nichts daran ändert, dass es für die fünf entlassenen Festangestellten ein äusserst harter Entscheid ist.

Die Frage stellt sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass Gasthof und Stiftung derart ins Schlingern gerieten. Wer wie viel Schuld daran trägt, ist von aussen kaum zu beurteilen. Ein gutes Zeugnis stellen die Vorgänge allerdings niemandem aus – weder der Geschäftsleitung noch dem Stiftungsrat. Dessen Präsident Gian Sandro Genna schrieb zwar im letzten Jahresbericht, die Gastronomie bleibe ein hartes Geschäft, «wo sich trotz vollem Einsatz und guten Umsätzen kaum Geld verdienen lässt». Ansonsten war aber die Rede davon, dass die Stiftung «auf dem rich­tigen Weg» sei.

Im Endeffekt ist das Wichtigste, dass es weitergeht. Dass die 50 Betreuungsplätze nicht verschwinden. Trotzdem bleibt angesichts der Kündigungen und der über 150'000 Franken, die sich Lieferanten des Lamms ans Bein streichen müssen, ein sehr, sehr bitterer Nachgeschmack.

Berner Zeitung

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