Ein gutes Leben auch für alte Menschen

Thun

In der 22. Thuner Alterstagung wurde am Freitag über ein gutes Leben auch für die alten Menschen in der Langzeitpflege und was sie sich wünschen und erhoffen diskutiert.

Am Podium beteiligten sich (v.l.) Peter Escher, Franziska Bieri, Markus Schindler, Chantal Gsponer, Moderatorin Yvonne Kiefer-Glomme und Andrea Koppnitz. Foto: Verena Holzer

Am Podium beteiligten sich (v.l.) Peter Escher, Franziska Bieri, Markus Schindler, Chantal Gsponer, Moderatorin Yvonne Kiefer-Glomme und Andrea Koppnitz. Foto: Verena Holzer

An die 200 Gäste konnte Tagesleiter Marcel Sonderegger am Freitag zur 22. Thuner Alterstagung im Congress Hotel Seepark begrüssen. Verschiedene Fachpersonen referierten rund um die Themen Pflege, Medizin sowie Langzeitpflege in Heimen und in der Spitex. Neben der Suche nach den Bedürfnissen und Wünschen der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner wurden auch ganzheitliche Pflegekonzepte vorgestellt die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Geschäftsführer Peter Escher und Bereichsleiterin Pflege, Chantal Gsponer, stellten das neue System Normalitätsprinzip im Burgergut Thun vor. Die Anpassung von Abläufen und Prozessen seien wohl der einfachste Teil der gelebten Normalität gewesen. «Jeder der seine Arbeit gerne machte konnte sich grundsätzlich mit den neuen Dienstzeiten, der veränderten Essensverteilung und weiteren Anpassungen identifizieren», erklärte der Geschäftsführer.

Eine Betriebskultur dermassen zu verändern erfordere jedoch Durchhaltevermögen auf sämtlichen Ebenen. Trägerschaft, Geschäftsführung, Kader aber auch Mitarbeitende und Angehörige müssten am selben Strang ziehen, fügte er an

Rückkehr sei undenkbar

Das Normalitätsprinzip fordert die Mitarbeitenden ungemein, da die Tagesabläufe nicht mehr so strukturiert ablaufen wie bis anhin. Viele Entscheide müssen spontan getroffen werden. Die grösste Herausforderung im Burgergut war die Kreation des Teams Wohnstuben, welches ohne Zeitdruck den Grossteil der Betreuung übernimmt.

«In den fünf Jahren sind wir weit gekommen, jedoch noch lange nicht am Ziel - das werden wir wohl auch nie sein», fasste Eschler zusammen. Sein Fazit: Heute wäre eine Rückkehr ins alte Schema nicht mehr denkbar.

Chantal Gsponer hatte die ­Bewohnerinnen und Bewohner des Burgerguts zu ihren Wünschen und ­Bedürfnissen befragt und auf ­Videos aufgezeichnet. Auf die Frage was für sie im Alter ein ­gutes Leben sei, antworteten viele: Gesundheit und Beweglichkeit aber auch Autonomie war ­erwünscht. Einigen erschien die Lebensqualität eher gering.

Nicht so dem ehemaligen Leiter Burgergut, Ulrich Schneider mit Jahrgang 1919. «Wir ­haben hier alles und es geht uns gut hier», sagte Schneider zu­frieden.

Früh Wünsche erfragen

Vorgängig hatte Pflegefachfrau Andrea Koppnitz die sinnvolle Umsetzung des Pflegekonzepts für Spitex und Heime erläutert. Chefarzt für Palliativmedizin und Geriatrie im Spital Affoltern i.A., Markus Minder erläuterte die schwierigen Entscheidungen die ein Arzt im letzten Lebensabschnitt eines Patienten oft zu treffen hat.

«Die Menschen werden immer älter, zudem hat die Zahl Demenzkranker enorm zugenommen. Da ist es wichtig möglichst frühzeitig die Wünsche der Betroffenen zu erfragen», legte er dar.

Im Podiumsgespräch unter der Leitung der freien Journalistin Yvonne Kiefer-Glomme wurden die vielseitigen Probleme im Gesundheitswesen besprochen, vor allem auch die finanziellen Belastungen. Da kam die Frage aus dem Publikum, wo denn die Politik sei.

Peter Escher empfahl den Betriebsleitern die Kostenstellenrechnung gut zu führen: «Es kostet etwas Mühe und Zeit, aber nur so können wir erwarten, dass der Kanton Geld spricht». Das Erfolgsprinzip der Betriebe sei eine gute Durchmischung der Pflegestufen, fasste er zusammen.

Berner Zeitung

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