Eine Affiche, die ans Herz ging

Thun

Sie fieberten in der Stockhorn-Arena mit: Eltern, Schwester und Freunde der Steffisburger Fussball-Nationalspielerin Ana-Maria Crnogorcevic. Zum Teil mit zwei Herzen in der Brust.

Anspannung pur: Mutter Vesna und Vater Jasenko Crnogorcevic verfolgen den Auftritt ihrer Tochter Ana-Maria im Team der Schweizer Damen-Fussballnationalmannschaft von der VIP-Tribüne aus.

Anspannung pur: Mutter Vesna und Vater Jasenko Crnogorcevic verfolgen den Auftritt ihrer Tochter Ana-Maria im Team der Schweizer Damen-Fussballnationalmannschaft von der VIP-Tribüne aus.

(Bild: Christoph Gerber)

Die Stimmung ist ausgelassen und doch irgendwie leicht angespannt. Etwas mehr als eine halbe Stunde vor Beginn des EM-Qualifikationsspiels des Schweizer Frauenfussball-Nationalteams gegen Kroatien versammelt sich vor der Stockhorn-Arena in Thun eine schweizerisch-kroatische Fangemeinde.

Die Eltern von Ana-Maria Crnogorcevic, Rekord-Torschützin der Nati, die Schwester mit ihrer Familie, Kinder, Freunde und Bekannte stimmen sich auf das Spiel ein. Die Nervosität von Mama Crnogorcevic ist deutlich spürbar. «Ich drücke der Tochter und der Schweiz die Daumen», sagt Vesna Crnogorcevic kurz. Denn es herrscht ziemliche Aufregung, und noch ist nicht klar, wer wo im Station Platz nimmt. Einige sprechen von VIP-Tribüne, andere bevorzugen die gegenüberliegenden Sitzplätze, denn dort lässt sich das mitgebrachte Transparent besser aufhängen. Die Frage ist nur wie.

Verwandte und Freunde unterstützten Ana-Maria Crnogorcevic mit einem selbst gebastelten Transparent. Bild: Christoph Gerber

Doch die Fangruppe in ihren rot-weissen und rot-weiss-blauen Shirts weiss sich zu helfen. Kurzum ist ein Paket Kabelbinder organisiert, und rasch wird klar: An diesem Abend schlagen zwei Herzen in der Brust der Fans von Ana-Maria Crnogorcevic. Denn Kroatien ist das Geburtsland ihrer Eltern Vesna und Jasenko Crnogorcevic. Seit 33 Jahren leben sie aber in Steffisburg. Und dort ist auch die derzeit beste Torschützin des Frauenfussball-Nationalteams aufgewachsen und lernte einst beim FC Steffisburg, dann bei Rot-Schwarz Thun das Fussball-ABC.

Noch als Teenager wechselte die 29-Jährige nach Hamburg in die Bundesliga und debütierte in der SFV-Auswahl. Später folgte der Transfer nach Frankfurt, wo sie mit dem FFC 2015 die Champions League gewann. 2018 wagte sie den Schritt nach Übersee, in das Land des alten und neuen Weltmeisters, wo sie mit den Portland Thorns nach Platz 2 im letzten Jahr ab Mitte Oktober in den Playoffs erneut um den Titel spielen wird. 115 Länderspiele hat Ana-Maria Crnogorcevic vor dem Spiel gegen Kroatien für die Schweiz bestritten und dabei 55 Treffer erzielt.

Zwei Herzen...

Als das Spiel angepfiffen wird, haben alle Familienmitglieder und Freunde einen Sitzplatz gefunden. Mama Crnogorcevic hat eine Kappe mit Schweizer Kreuz aufgesetzt, was ihre Nervosität aber keineswegs mildert. Auch die ältere Schwester Nina Petrovic kann ihre Anspannung und ihren Stolz nicht verbergen. «Es ist einfach wahnsinnig, hier dabei zu sein, für mich ist es ein Heimspiel», betont sie. Ihr Mann Drazan Petrovic hingegen will nichts von zwei Herzen in der Brust wissen: «Ich bin ganz klar für Kroatien», betont er.

«Ein Geburtstagsgeschenk»

Als Ana-Maria Crnogorcevic nach etwas mehr als acht Minuten das erste Tor für die Schweiz schiesst, brechen bei den Schweizer Fans der Familie alle Dämme. «Es ist ein Geburtstagsgeschenk», sagt Vater Jasenko mit einem Strahlen im Gesicht. Denn erst kürzlich konnte Tochter Ana-Maria ihren Geburtstag feiern. Am 3. Oktober wurde sie 29. Gefeiert wurde nach dem 2:0-Sieg der Schweizerinnen auch in der schweiz-kroatischen Fangemeinde. «Im kleinen Rahmen und ganz spontan», so Vater Jasenko.

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