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Einsatz für Kirche kostet ihn den Auftrag

Der Architekt David Pfister setzt sich an vorderster Front für den Erhalt der Thuner Johanneskirche ein. Dieses Engagement hat nun Konsequenzen: Die Gesamtkirchgemeinde entzieht dem 72-Jährigen den Auftrag für Radioarbeit.

David Pfister in seinem Radiostudio im Luftschutzkeller der Markuskirche: Nach der Kündigung des Radioauftrags durch die Gesamtkirchgemeinde weiss er noch nicht, wo er mit all den technischen Einrichtungen hin soll.
David Pfister in seinem Radiostudio im Luftschutzkeller der Markuskirche: Nach der Kündigung des Radioauftrags durch die Gesamtkirchgemeinde weiss er noch nicht, wo er mit all den technischen Einrichtungen hin soll.
Patric Spahni

«Ich fühle mich zutiefst verletzt», sagt David Pfister. Dass ihm, der viele Jahre in Thuner Kirchenämtern tätig war, mangelnde Loyalität gegenüber der Kirche vorgeworfen wird, macht dem 72-Jährigen schwer zu schaffen. Doch was ist geschehen?

Im vergangenen Dezember wars, als David Pfister ins Büro der ­Gesamtkirchgemeinde «zitiert» wurde, wie er sagt. Dort sei ihm vom Präsidenten des Kleinen Kirchenrats, Willy Bühler, und vom Verwalter Rolf Christen eröffnet worden, dass man ihm den Auftrag für Radioarbeit auf Mitte 2017 entziehe. Der Grund: David Pfister habe sich mit seinem Engagement für die Johanneskirche gegen seinen Auftraggeber gestellt (siehe Kasten «Johanneskirche»).

«Das mag auf den ersten Blick hart erscheinen», kommentiert Willy Bühler den Rauswurf, «aber das macht jede Firma so.» Schliesslich könne auch in der Privatwirtschaft kein Auftragnehmer gegen seinen Auftrag­geber schiessen, ohne die Konsequenzen zu tragen.

David Pfister hingegen sieht im Ganzen einen «Einschüchterungsversuch» mit der Absicht, ihn und andere, die sich gegen eine Schliessung der Johanneskirche wehrten, mundtot zu machen. Schmerzhaft sei das Ganze auch deshalb, weil er sich «einen Grossteil seines Lebens für die Kirche engagiert» habe.

In der Tat kennt Pfister die Thuner Kirche kaum wie ein Zweiter: So war er von 1982 bis 1996 in der Baukommission der Gesamtkirchgemeinde tätig, ­darunter zwölf Jahre als deren Präsident. 1987 wurde er Mitglied des Kleinen Kirchenrats und war in dieser Funktion treibende Kraft beim Bau der Kirche Allmendingen. Auch diesem Gremium stand er während sechs Jahren vor.

Radioarbeit aufgebaut

David Pfister half ausserdem ab 1989 mit, den Kirchlichen Verein Radio Berner Oberland aufzubauen, wo er ebenfalls als Präsident tätig war (siehe Kasten links). In den letzten Jahren vertrat er die Interessen der Gesamtkirchgemeinde Thun im Vorstand des Vereins und war zudem für die Produktion von Radiosendungen verantwortlich.

Für diesen Auftrag, der ihm nun gekündigt wurde, stellte Pfister Mitarbeiter an, richtete im Luftschutzkeller der Markuskirche ein Radiostudio ein, unterhielt das technische Material und stellte dieses auch anderen Mitgliedern zum Teil unentgeltlich zur Verfügung

Selber Nachfolger gesucht

David Pfister räumt ein, dass er sich seit einiger Zeit mit der Übergabe des Amtes beschäftigt und sich deshalb auf die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger gemacht habe. «Doch», ergänzt er, «ich habe bisher keine befriedigende Lösung gefunden.»

Der Kleine Kirchenrat ist ihm nun mit seinem Entscheid zuvorgekommen: «Wir wussten, dass David Pfister das Amt über kurz oder lang abgeben will», sagt Willy Bühler. Zudem sei ein Nachfolger bereitgestanden, welcher das Amt für ein geringeres Entgelt übernehmen würde. Dessen Namen will Willy Bühler allerdings nicht nennen. Gemäss gut unterrichteten Quellen handelt es sich um Hans Stalder aus Thun.

«Lasse Vorwurf nicht gelten»

Dass er mit dem Entscheid vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, empfindet David Pfister als Vertrauensbruch: «Nach 35 Jahren vor allem auch ehrenamtlicher Tätigkeit in der Kirche hätte ich mir einen anderen Abgang gewünscht», meint er. Und den Vorwurf, dass er unloyal und journalistisch nicht neutral gewesen sei, lasse er auch deshalb nicht gelten, weil er während ­seiner Radioarbeit nie das Thema Johanneskirche oder die Gesamtkirchgemeinde thematisiert habe.

Ein Drittel des Einkommens

Nicht zuletzt werden David Pfister und seine Frau den Wegfall der jährlichen 45 000 Franken zu spüren bekommen, welche der 72-Jährige von der Gesamtkirchgemeinde für den Auftrag erhalten hat. Immerhin habe der Restbetrag nach Abzug aller Kosten ein Drittel des Einkommens ausgemacht, erklärt Pfister, welcher immer noch als selbstständiger Architekt tätig ist.

Und er ergänzt: «Noch im vergangenen August hat Willy Bühler meine Arbeit ausdrücklich gelobt.» Vor diesem Hintergrund habe er weitere Investitionen in der Höhe von mehreren Tausend Franken ins Radiostudio getätigt. Kosten, auf welchen er nun sitzen bleibe.

Willy Bühler hat dafür kein Verständnis: «Das Radiostudio mit all seinen technischen Einrichtungen ist eine private An­gelegenheit von David Pfister», sagt er nur. «Sein Nachfolger wird die Sendungen andernorts produzieren.»

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