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Es bleibt ein schaler Beigeschmack

Der Verkauf des Alters- und Pflegeheims Schibisteiin Heimenschwand ging zwar glatt über die Bühne. Zu grossen Diskussionen Anlass gaben aber Vorgänge im Verwaltungsrat der Akzent AG. So fehlen in der Kasse rund 460'000 Franken.

Das Alters- und Pflegeheims Schibistei wurde für 9 Millionen Franken verkauft.
Das Alters- und Pflegeheims Schibistei wurde für 9 Millionen Franken verkauft.
Stefan Kammermann

Der Verkauf eines Altersheims ist kein alltägliches Geschäft. Im Fall des Alters- und Pflegeheims Schibistei in Heimenschwand trifft dies ganz besonders zu.

Letzten Freitag beschlossen die Aktionäre der Akzent AG, der bisherigen Eigentümerin, das Heim der Swiss-Prime-Anlagestiftung mit Sitz in Olten zu veräussern – für 9 Millionen Franken. Die Akzent AG ihrerseits wird aufgelöst.

So weit, so klar. Weit mehr als der Verkauf gaben aber die Vorgänge im Verwaltungsrat zu reden. In den vergangenen Jahren hatte der ­ehe­mali­ge Verwaltungsratspräsident, ein Unternehmensberater und eine der treibenden Kräfte beim Bau des Heims, Geld abgezweigt – und verspekulierte es mit Börsengeschäften. Rund 460'000 Franken.

«Ein Buebetrickli»

Als das Ganze bemerkt wurde, war es schon zu spät. Der Verwaltungsrat wollte seinen Mitstreiter aber nicht an den Pranger stellen und wandelte den unrechtmässigen Bezug der Gelder aus der Akzent AG in ein Darlehen um.

«Ein Buebetrickli», wie es der Unterlangenegger Gemeinderat und SVP-Grossrat ­Samuel Krähenbühl nennt. Dass der ehemalige Verwaltungsrat einfach schalten und walten konnte, nennt Krähenbühl «sehr unschön». Er bringt zwar Verständnis auf, dass dem Mann ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wurde, aber im vorliegenden Fall seien die Compagnons im Verwaltungsrat etwas gar blauäugig gewesen.

«Sie sind ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen.» Wenn es um viel Geld gehe, brauche es auch Kon­trolle. Dass ein Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift berechtigt sei, Geld zu beziehen, dürfe eigentlich nicht sein, sagt Krähenbühl.

Keine Zeit zum Reagieren

Als die Aktionäre – darunter befinden sich neben Privaten und Unternehmen auch rund ein halbes Dutzend Gemeinden – auf die Vorgänge aufmerksam wurden, überschlugen sich die Ereignisse. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident erkrankte – und verstarb.

«Es blieb keine Zeit zu reagieren», sagt Krähenbühl. Er fühlt sich auch vom schnellen Verkauf des Altersheims überrumpelt. «Die Einladung für die ausserordentliche Generalversammlung erfolgte mitten in den Sommerferien und mit der kürzestmöglichen Vorlaufzeit.»

Unglücklich über den Verkauf ist Krähenbühl indes nicht. «Nach all den Nebengeräuschen müssen die Gemeinden auch froh sein, nichts mehr mit dem Altersheim zu tun zu haben.» Zudem erlaube der Verkaufspreis, dass die Anleger ohne Verlust aus dem Geschäft kämen. «Bedauerlich ist aber, dass die regionale Verankerung des Heims verloren geht», sagt Krähenbühl.

Vertrauen ist erschüttert

«Der Verkauf macht Sinn», sagt auch Beat Haldimann, der Prä­sident der Standortgemeinde Buchholterberg. Nun sei der Betreiber auch Eigentümer. Damit komme alles aus einer Hand. Wenn Haldimann Ausführungen über die Geschehnisse im Verwaltungsrat der Akzent AG macht, findet er nicht nur schmeichelhafte Worte.

Er sagt aber auch: «Als Gemeinde sind wir froh, dass wir uns dank des Verkaufs finanziell schadlos halten können.» Es seien unbestritten Fehler gemacht worden, der Hauptschuldige sei aber unterdessen gestorben. Man habe im Gemeinderat erwogen, eine Strafanzeige einzureichen, dann aber davon abgesehen. «Wir haben kein Interesse an persönlichen Rachefeldzügen.» Das bringe nichts.

In Unterlangenegg überlegt man sich laut Krähenbühl noch, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden. Er sagt aber auch: «Das Prozessrisiko ist relativ hoch. Zudem ist der Hauptverantwortliche gestorben.»

Buchholterbergs Gemeindepräsident Haldimann hätte gerne gesehen, wenn ein Gemeindevertreter bei der Auflösung der Akzent AG, die parallel zum ­Konkursverfahren zum ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten läuft, dabei gewesen wäre. Übrigens etwas, das auch Krähenbühl anstrebte. Schliesslich war dem Antrag an der Generalversammlung aber kein Erfolg beschieden.

«Das Vertrauen in die Leute vom Verwaltungsrat ist verständlicherweise nicht mehr sehr gross», sagt Haldimann ­weiter. Angst davor, dass gemauschelt wird, hat er hingegen keine. «Ich denke, den Verantwortlichen ist klar, dass man ihnen ­genau auf die Finger schauen wird.»

«Aus heiterem Himmel»

Im Kreuzfeuer der Kritik steht unter anderem der aktuelle Verwaltungsratspräsident der Akzent AG, Hans von Rotz. Er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, die Hände in den Schoss gelegt zu haben. «Als wir Anfang 2015 bemerkten, dass Geld abhandengekommen war, stellten wir unseren Verwaltungsratskollegen sofort zur Rede.» Er habe glaubhaft versichert, dass das Geld zurückfliessen werde.

Von Rotz sagt auch: «Wir hatten Vertrauen, denn er hat die Arbeit jahrelang gut gemacht.» Deshalb sei das Ganze «aus heiterem Himmel ­gekommen». Der Verwaltungsrat sei schockiert und enttäuscht gewesen. Und weiter: Die Umwandlung in ein Darlehen sei kein Buebetrickli gewesen, sondern von der Revisionsstelle empfohlen worden. «Auch haben wir die Aktionäre an der nächsten Generalversammlung 2015 orientiert und dafür Décharge erhalten», führt von Rotz aus.

Leider sei das Geld in der Folge nicht wie versprochen in die ­Akzent AG zurückgeflossen. «Die Situation hat sich zugespitzt», sagt von Rotz. Als der Verwaltungsratspräsident erkrankte, sei sie sogar katastrophal geworden. «Ich hätte das Geld von einem schwer kranken Menschen eintreiben sollen. Das wäre alles andere als angenehm gewesen», sagt von Rotz.

Nur wenig Support gespürt

Kein Verständnis hat er für die Anschuldigungen aus den Reihen der Gemeinden. «Wir haben beim Bau sehr wenig Unterstützung von ihnen gespürt.» Dass sie jetzt aus den Schützengräben kämen, sei schlechter Stil.

Und wie geht es nun weiter? Da noch das ­Konkursverfahren zum ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten läuft, wird sich die Auflösung der Akzent AG einige Monate hinziehen. «Wir hoffen, dass wir einen möglichst grossen Teil des Darlehens erhalten», sagt Hans von Rotz, «damit wir das Geld den Aktionären zurückgeben können, denn ihnen gehört es.»

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